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SITZUNGSBERICHTE
DEE KAISERLICHEN
AKADEMIE DER WISSENSCHAFTEN.
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PHILOSOPHISCH-HISTORISCHE CLASSE.
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CXXXIV. BAND.
JAHRGANG 1895.
WIEN, 1896.
IN COMMISSION BEI CARL GEROLD'S SOHN
BUCOBlVDUK DIR IA18. AKADEMIE DK» WISSENSCHAFT«. T>«?@90 -
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SITZUNGSBERICHTE
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PHILOSOPHISCH-HISTORISCHEN CLASSE
DES KAISERLICHEN
AKADEMIE DER WISSENSCHAFTEN.
HUNDERTVIERUNDDREISSI6STER BAND.
WIEN, 1896.
IN COMMISSION BEI CARL GEROLD'S SOHN
BUCHHiNDLKR DER MAIS. AKADEMIE DIB WISSENSCHAFTEN
Druck Ton Adolf Holzhausrn, k. um] k. n«>r* und UoiT«raittU>Boohdn»ok«r in Wien.
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INHALT.
I. Abhandlung. Fr. Müller: Das Personal - Pronomen der altaischen Sprachen.
II. Abhandlang. Gomperz: Beitrage zur Kritik nnd Erklärung grie- chischer Schriftsteller. V.
III. Abhandlung. Kühne rt: Ueber den Rhythmus im Chinesischen.
IT. Abhandlang. Fr. Müller: Die armenischen Handschriften des Klo- sters von Aryni (Arghana).
Y. Abhandlang. Günther: Avellana-Studien.
Tl. Abhandlang. Hillebrand: Zur Lehre von der Hypothesenbildnng.
TU. Abhandlang. Meyer: Albanesische Studien. V. Beiträge zur Kennt- niss der in Griechenland gesprochenen albanesischen Mundarten.
Till. Abhandlang. Oblak: Macedonische Studien. Die sla vischen Dialecte des südlichen und nordwestlichen Macedoniens.
IX. Abhandlang. Mussafia: Zur Kritik und Interpretation romanischer Texte.
© X. Abhandlang. Heinzel: Abhandlungen zum altdeutschen Drama.
XI. Abhandlang. Hau ler: Eine lateinische Palimpsestübersetzung der Didascalia apostolorum.
a*
XIX. SITZUNG VOM 9. OCTOBER 1895.
Der Präsident begrüsst bei der Wiederaufnahme der Sitzungen die anwesenden Mitglieder der Classe.
Der Präsident macht weiter Mittheilung von dem am 13. Juli erfolgten Ableben des c. M. im Auslände, Dr. Josef Müller, Professors in Turin.
Die Mitglieder erheben sich zum Zeichen des Beileides.
Se. Excellenz Paul Freiherr von Gautsch zeigt mit dem h. Erlass vom 2. October 1895 die Uebernahme des Ministeriums für Cultus und Unterricht an.
Der Secretär theilt die Dankschreiben der c. Mitglieder im Inlande, Regierungsrath Professor Dr. Schönbach in Graz und Professor Dr. Mitteis in Wien und der c. Mitglieder im Auslande geheimer Justizrath Professor Dr. Brunner in Berlin, J. de Goeje in Leyden und Maspero in Paris für die auf sie gefallene Wahl mit.
Dr. Ludwig Hartmann dankt für die Bewilligung einer Subvention zur Herausgabe des ,Tabularium sanctae Mariae in Via Lata'.
Der Secretär legt eine Abhandlung des Herrn Theodor Unger, I. Adjunct am steierm. Landesarchive in Graz: ,Proben
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eines deutschen Wörterbuches der österreichisch - bairischen Mundart' vor, deren Verfasser um Bewilligung einer Subvention zur Drucklegung des Werkes ersucht.
Die Abhandlung wird einer Commission zur Begutachtung tibergeben.
Der Secretär tiberreicht weiter eine Abhandlung des Herrn Dr. Heinrich Kretschmayr in Wien: ,Ludovico Gritti. Eine Monographie', um deren Aufnahme in die Schriften der kais. Akademie der Verfasser ersucht.
Dieselbe wird der historischen Commission überwiesen.
Das w. M. Herr Professor Dr. Friedrich Müller legt eine flir die Sitzungsberichte bestimmte Abhandlung : ,Die arme- nischen Handschriften des Klosters Arghana' vor.
Das w. M. Herr Hofrath Dr. Theodor Gomperz übergibt eine flir die Sitzungsberichte bestimmte Abhandlung: ,Beiträge zur Kritik und Erklärung griechischer Schriftsteller V.
XX. SITZUNG VOM 16. OCTOBER 1895.
Der Präsident überreicht ein ihm von der Botschaft der französischen Republik tibersendetes Exemplar des ,Recueil des Instructions donnees aux ambassadeurs et ministres de France. T. XIII. Danemark'.
Weiter werden folgende Druckwerke vorgelegt: ,Mittheilungen des k. k. Finanzministeriums', I. Jahrg., 1. und 2. Heft, tibersendet vom k. k. Finanzministerium;
,Staats -Voranschlag für das Jahr 1895, IX. Ministerium flir Cultus und Unterricht' und ,Finanzgesetz für das Jahr 1895', übersendet von Sr. Excellenz dem Herrn Curator-Stellvertreter;
VII
,Bericht über den Handel, die Industrie und die Verkehrs- verhältnisse in Niederösterreich während des Jahres 1894', über- mittelt von der Handels- und Gewerbekammer in Wien;
,Archiv Öesk^', XIV. Bd., übersendet vom Landesausschuss des Königreiches Böhmen ;
,Grundsätze für die Reform unseres staatlichen Lebens' von Eduard Hammer.
Das w. M. Herr Dr. Otto Benndorf erstattet einen Be- richt im Namen der Commission, welche die Widmung seiner Durchlaucht des regierenden Fürsten Johann von und zu Liechtenstein für archäologische Erforschung Kleinasiens ver- waltet.
XXL SITZUNG VOM 23. OCTOBER 1895.
Herr Geheimer Rath Professor Ernst Curtius in Berlin spricht flir die Wahl zum Ehrenmitgliede der phil.-hist. Classe im Auslande seinen Dank aus.
Folgende Druckschriften werden vorgelegt:
,General Anton Josef Freiherr von Brentano' von Friedrich Freiherrn von Brentano;
,Oesterreichische Reichsgeschichte' von Dr. A. Luschin v. Ebengreuth. I. Theil, 2. Hälfte.
Das w. M. Herr Hofrath Siegel legt Namens der Weis- thtimer-Commission vor: ,Ocsterreichische Weisthümer, VIII. Bd., Niederösterreichische Weisthümer', herausgegeben von Gustav Winter. II. Theil.
VIII
XXII. SITZUNG VOM 6. NOVEMBER 1895.
Das von der kais. Akademie subventionierte Werk: ,Abü Firäs, ein arabischer Dichter und Held' von Dr. Rudolf Dvofdk wird vorgelegt.
Der Secretär überreicht eine Arbeit des Herrn Dr. Wilhelm Erben, Conservator am k. und k. Heeres-Museum : , Quellen zur Geschichte des Stiftes und der Herrschaft Mattsee', um deren Aufnahme in die Fontes der Verfasser ersucht.
Die Abhandlung geht an die historische Commission.
Das w. M. Herr Professor Dr. Friedrich Müller über- gibt eine für die Sitzungsberichte bestimmte Abhandlung: ,Das Personal-Pronomen der altaischen Sprachen'.
Das w. M. Herr Hofrath Dr. Wilhelm R. v. Harte 1 macht eine Mittheilung über eine lateinische Uebersetzung der Didascalia apostolorum, die Privatdocent Dr. Edmund Hauler in dem palimpsestischen Veronensis LV (53) theilweise ent- ziffert hat.
XXIII. SITZUNG VOM 13. NOVEMBER 1895.
Der Secretär legt folgende eingesendete Druckschriften vor:
,Die Leibniz-Handschriftcn der königl. öffentlichen Biblio- thek in Hannover', beschrieben von Dr. E. Bodemann;
,Die canonis tischen Handschriften der kais. öffentlichen Bibliothek in St. Petersburg', von Dr. A. Halban-Blumenstok;
,Topographic der Bukowina zur Zeit ihrer Erwerbung durch Oesterreich (1774 — 1785)' von Dr. D. Werenka.
IX
Das w. M. Herr Regierungsrath Dr. Fr. Kenner legt vor: ^Bibliographie gönörale des inventaires imprimte' par F. de Mely et Edmund Bishop. 2 T.
Die Kirchen väter-Comraission legt vor: ,Corpus scriptorum ecclesiasticornm latinorum. Vol. XXVIII (Sect. III, Pars 3). S. Aurelii Augustini Quaestionum in heptateuchum libri VII, Adnotationum in Job liber unus' ex rec. J. Zycha.
XXIV. SITZUNG VOM 20. NOVEMBER 1895.
Es werden folgende Druckschriften vorgelegt:
, Festschrift zur 100jährigen Geburtstagsfeier fllr Paul Josef Safafik' (mit einer Bronzemedaille) , übersendet von der böhmischen Kaiser Franz Josefs- Akademie in Prag;
Hugo Schuchardt: ;Sind unsere Personennamen über- setzbar?';
Th. Gomperz: ,Griechische Denker. Eine Geschichte der antiken Philosophie', 4. und 5. Lieferung; gespendet von den Verfassern.
,Mittheilungen des k. und k. Kriegs- Archivs', N. F. IX. Bd., eingesendet von der Direction desselben.
Die Kirchenväter-Commission legt eine für die Sitzungs- berichte bestimmte Abhandlung von Otto Günther In Berlin: ,Avellana-Studien' vor.
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XXVII. SITZUNG VOM 18. DECEMBER 1895.
Der Secretär verliest eine Mittheilung der Fürst Liechten- stein'schen Hofkanzlei ddo. 11. December 1895, Z. 11603, dass Se. Durchlaucht die Fortsetzung der im Jahre 1890 zur Förderung der archäologischen Durchforschung Kleinasiens ge- machten Widmung nach Ablauf der ersten sechs Jahre auf weitere drei Jahre, d. i. pro 1896, 1897 und 1898 mit dem Jahresbetrage von 5000 fl. ö. W. zu bewilligen und der kais. Akademie zur Verfügung zu stellen geruht haben.
Der Secretär legt folgende Druckschriften vor:
,Mittheilungen des k. k. Finanzministeriums', 1. Jahrg., 3. Heft;
,Arabica' par le Comte de Landberg, Nr. III.
Der Secretär legt im Auftrage des w. M. Herrn Hofrathes Mussafia eine für die Sitzungsberichte bestimmte Abhandlung desselben: ,Zur Kritik und Interpretation romanischer Texte' vor.
Das w. M. Herr Hofrath v. Hartel überreicht Namens der Kirchen väter -Commission: ,Corpus scriptorum ecclesiasti- corum latinorum. Vol. XXXV. Epistulae imperatorum ponti- ficum aliorum, ex rec. Ottonis Guenther. P. 1/
XII
I. SITZUNG VOM 8. JANNER 1896.
Die ^Geographische Gesellschaft in Lissabon* ladet aur
Theilnahme an der am 8. Juli 1897 stattfindenden Feier der
vor vier Jahrhunderten unternommenen Expedition des Vasco de Gama ein.
Das Curatorium der Schwestern Fröhlich* Stiftung zur Unterstützung bedürftiger und hervorragender schaffender Ta- lente auf dem Gebiete der Kunst, Literatur und Wissenschaft übersendet die Kundmachung über die im Jahre 1896 statt- findende Verleihung der Stipendien und Pensionen der be- zeichneten Stiftung.
Der Secretär legt ,Studien - Stiftungen im Königreiche Böhmen* HL Bd. (1755—1800), übersendet im Auftrage Sr. Excellenz des Herrn Statthalters des Königreiches Böhmen, vor.
IL SITZUNG VOM 15. JÄNNER 1896.
Das w. M. Herr Hofrath W. v. Hartel überreicht das Manuscript des IX. Bandes der ,Tabulae codicum manuscrip- torum praeter graecos et orientales in Bibliotheca Palatina Vindobonensi asservatorum*.
XIII
III. SITZUNG VOM 22. JÄNNER 1896.
Es werden folgende Druckschriften vorgelegt:
,Oesterreichischer Erbfolgekrieg 1740 — 1748', bearbeitet in der kriegsgeschichtlichen Abtheilung des k. und k. Kriegs- archivs, I. Bd., 1. und 2. Theil, übersendet von der Direction des k. und k. Kriegsarchivs;
,A Collection of Prakrit and Sanskrit Inscriptions', ge- spendet von Sr. Hoheit Raol Shri Takhtsingji, Maharaja von Bhavnagar;
, Archäologisch-epigraphische Mittheilungen aus Oesterreich- Ungarn', herausgegeben von 0. Benndorf und E. Bormann.
Die Kirchenväter-Commission legt eine für die Sitzungs- berichte bestimmte Abhandlung des Herrn Professor Dr. Ed- mund Hauler vor: ,Eine lateinische Palimpsestübersetzung der Didascalia apostolorum'.
Das w. M. Herr Professor Dr. Heinzel überreicht eine für die Sitzungsberichte bestimmte Arbeit: , Abhandlungen zum altdeutschen Drama'.
I. Abb.: Fr. Müller. Das Porsonal-Pronomon der altaischen Sprachen. 1
I.
Das Personal-Pronomen der altaischen Sprachen.
Von
Dr. Friedrich Mütter,
Professor an der Wiener Universität.
Die vorliegende kleine Abhandlung bringt eine verglei- chende Analyse des Personal-Pronomens der altaischen Sprachen, wobei, wie ich glaube, zum ersten Male der Versuch gemacht wird, der Bildung dieses bei der Sprachvergleichung den Aus- schlag gebenden Redetheiles auf den Grund zu kommen. Sie soll eine Ergänzung meines ,Grundriss der Sprachwissenschaft' II, 2, S. 214 und 274 (1882)' bilden.
Man wird, wie ich hoffe, aus meiner Darstellung er- sehen, dass das Pronomen der ersten und zweiten Person der altaischen und uralischen (ugro-finnischen) Sprachen mit den consonantischen Elementen desselben Redetheiles der indo- germanischen Sprachen, nämlich m, t sich deckt, dass aber die Ausgestaltung des Pronomens auf den beiden Gebieten eine radicale Verschiedenheit zeigt, so dass die Sprach- vergleichung über diese beiden Elemente, nämlich w, t nicht hinausgehen darf.
Die Uebersicht des Pronomens der ersten und zweiten Person der altaischen Sprachen lautet wie folgt:1
I. Person. Singular Plural
Nom. Oblique Cas. Nom. Oblique Cas.
Mandzu bi min- be, muse men-, muse-
Tungus. 6t min- bil mün-
1 Vgl. meinen ,Grundriss der Sprachwissenschaft' 11,2, S.274, und J.Grunzel, »Entwurf einer vergleichenden Grammatik der altaischen Sprachen', Leipzig 1S95. 8°. S. 66. Sifcnngsber. d. pbil -bist. Cl. CXXX1V. Bd. 1. Abb.. 1
I. Abhandlung: Fr. M Aller.
|
Mongol. |
bi |
min |
-, nam- |
bide |
man-, biden |
|
Burjät. |
bi |
min |
-, nam- |
bide |
man- |
|
Jakut. |
min |
min |
b isigi |
bisigi- |
|
|
Türkisch |
ben |
ben- |
II. Penon. |
biz |
biz- |
|
S |
ingular |
Plural |
|||
|
Nom. |
Oblique Cas. |
Nom. |
Oblique Cas. |
||
|
Mandzu |
8% |
sin- |
sue |
suen- |
|
|
Tungus. |
$in- |
M. |
Hin- |
||
|
Mongol. |
tii |
Uima- |
ta |
tan- |
|
|
Burjät. |
H |
&ama- |
ta |
tan- |
|
|
Jakut. |
an |
än- |
äsigi isigi |
äsigi- isigi- |
|
|
Türkisch |
sen |
sen- |
siz |
siz- |
Innerhalb der ersten Person decken sich Mandzu- Tungus. - Mongol. -Burjät. bi vollständig; dagegen schliesst sich Jakut. min an den Stamm der obliquen Casus dieser Sprachen min- vollkommen an. Wie die osttürkischen Dialekte und die Suffixe des Verbums zeigen (^,*, ^»X-U-L«, l£*U, ^j^U, sjJU und fjy^y f^Sl> für £x*jy*, c^V*^)» *st ^as wes*tür^scbe ben aus m#n, min hervorgegangen. Und min selbst dürfte auf mi-na zurück- zuführen sein.
Der Plural unterscheidet sich vom Singular sowohl im Nominativ als auch im Stamm der obliquen Casus lediglich durch die Vocal-Variation, so Mandzu: Singul. bi, min-, Plural be, men-y Tungus.: Singul. bi} min-, Plural bil, miln-, Mongol.- Burjät.: Singular bi, min-, Plural man-. Der auffallende Stamm der obliquen Casus im Mongol. -Burjatischen nam- dürfte eine durch den Stamm der zweiten Person Uima-, Sama- beeinflusste, beziehungsweise entstandene Neubildung sein.1
1 Die Declination de« Pronomens der ersten Person Singul. im Mongoli- schen setzt sich aus folgenden Stämmen, beziehungsweise Formen zu- sammen: Nom. bi, Genit. wun-w, Accus, nama-ji, Dat.-Locat. na-dury na -da (r= nam-dur, nam-da). Das -da in nada ist das mandä. -de (Dat.), türki- sche -da, -de (Local); es kommt im Mongolischen noch manchmal, z. B. in söni-de »Nachts*, tuun-da-ki ,im Wasser befindlich' vor. In den übrigen Casus ist der Dativ-Local nada als Stamm zu Grunde gelegt; man sagt daher Instram. nada her. Social nada higa, Ablat. nada et#e.
Dos PerbODal-lJrououten der altaiacken Sprachen. 3
Innerhalb der zweiten Person zeigen Mand2u: SinguL si9 «m-, Plural sue9 suen-, Tungus.: SinguL $i, Sin-, Plural iü, 8ün- dieselbe Vocal-Variation der beiden Zahlen, welche wir oben innerhalb der ersten Person beobachtet haben. Dagegen bieten Mongol.-Burjätisch zwei äusserlich verschiedene Stämme, nämlich Mongol. : SinguL tSi, tSima-, Plural ta9 tan-, Burjät.: SinguL H9 sama-, Plural ta9 tan-. Wir werden aber weiter unten sehen, dass t$i, H und ta miteinander zusammenhängen, und dass dann zwischen ttima- und tan- dieselbe Vocal-Variation wie innerhalb der Reihen des Mandäu-Tungusischen herrscht.
Kehren wir nun wieder zum Pronomen der ersten Per- son zurück und wenden wir unsere Betrachtungen denjenigen Formen zu, welche wir oben vorderhand bei Seite gelassen haben, nämlich Mandzu muse9 Mongol. bide, biden*, Tlirk. biz9 Jakut. bisigi. Wie kommt vor allem Anderen die Sprache dazu, neben be eine Form muse zu bilden und die Formen bide, bidtn-9 biz9 bisigi9 welche von den regelmässig gebildeten Formen des Mandäu-Tungusischetf ganz abweichen, einzuführen?
Am deutlichsten von diesen Formen ist unstreitig Mand£. mute ,wir' (inclusiv),1 welche in mu + #e sich zerlegt. Das Element se kann nichts Anderes sein als sue9 der Plural der zweiten Pcrsonr. Auf dieselbe Weise muss auch Mong.-Burjät. bide gebildet sein, welches mithin in bi -f de zu zerlegen ist, worin de mit taf dem Plural der zweiten Person identisch sein muss. Ist aber bi in bide nichts Anderes als bi9 der Nom. Sing. der ersten Person, dann kann auch mu in muse nur den obli- quen Stamm des Singulars der ersten Person min- repräsentiren.
Doch könnten sowohl Mandi. muse, als auch Mongol. bide auch anders erklärt werden, indem man -se9 -de (= -te) als Pluralsuftixe deutet. Im Mandzu kommen -sa, -se, -ta, -te als Zeichen des Plurals vor, z. B. sabi-sa ,Schüler', mori-sa ,Pferdo', agu-se ,Herren', merge-se , Weise, Meister'; ama-ta , Väter', sefu- ia , Lehrer', da-ta , Fürsten', eme-te , Mütter', deo-te Jüngere Brüder'. Das Mongolische besitzt das Pluralzeichen -de in den Pronominen e-ne9 te-re, welche im Plural e-de, ede-ger, te-de9 tede-ger lauten. Sonst erscheint das Pluralzeichen -de beim
1 musei ama ist ,unser (aller) Vater* (der Kaiser), dagegen meni ama tuuser (leiblicher) Vater*.
4 I. AbfcMriluf : Fr. Mtller.
Nomen als -d (z. B. mori-d , Pferde', noja-d , Fürsten') wie auch das Mand2. -say -se uns hier blos als -s (z. B. ere-8, ,Männer', eme-* , Weiber*) entgegentritt.
Angesichts der Bedeutung des Mand2. muse ziehen wir es jedoch vor, an der ersten Erklärung festzuhalten und Mong. blde davon nicht zu trennen.
Darnach bedeuten muse = min -}- sue, bide = bi -\- ta so viel wie ,ieh + ihr', d. h. ropräsentiren den inclusiven Plural, zum Unterschiede von be, bü7 obliqu. Cas. »wen-, mün-, man-, welche den exclusivcn Plural repräsentiren müssen.
Mit dem Mongol.-Burjät. bide ist das Jakut. bisigi identisch, das in bisi-gi zerlegt werden muss. Das jakut. « ist hier aus d, beziehungsweise t (ta) hervorgegangen * ähnlich wie in den Possessiv-Suffixen 3. Pers. Sing, -ta = türkisch ^y**, 1. Pers. Plural -büt = türkisch j-«.1 — Türkisch biz ist mit jakut. bisi iden- tisch. Lässt man diese Erklärung gelten, dann kann das Pro- nomen der zweiten Person Plural äsigi, isigi, siz nichts Anderes als si~si = ,du + du' d. h. als ursprünglicher Dual der zweiten Person erklärt werden.
Darnach möchte ich in Betreff des Pronomens der ersten und zweiten Person der altaischen Sprachen die nachfolgenden Sätze aufstellen:
1. Als Stamm der ersten Person fungirt mi, welches selb- ständig (im Nominativ) in bi überging und in den obliquen Casus zu mi-na- (min-) erweitert wurde.
2. Als Stamm der zweiten Person fungirt ta, das conform mit dem Stamme der ersten Person selbständig (im Nominativ) zu ti (das wieder zu tsi, H, si sich weiter entwickelte) wurde, und in den obliquen Casus als tSima-, Sama-, sin-, sin- auftrat.
3. Der Plural wurde ursprünglich vom Singular durch die Vocal-Variation,8 nämlich die Verwendung des stärkeren
1 Man könnte auch jakut. bisigi, tiirk. biz und dann auch jakut äsigi, isigi, türk. siz mit Böhtlingk (Sprache der Jakuten, S. 168) aus bi \- si ,ich + du', si + si ,du + du* erklären, wobei die Function der Form (Dual) dieselbe bleibt. Ich ziehe es jedoch vor, die jakut-türkischen Formen der ersten Person Plural an das mongolische bide anzuschlieasen und in äsigi, isigi, siz eine an das nicht mehr verstandene bisigi, biz sich an- lehnende Neubildung zu vermuthen.
8 Dieser Process wird in diesen Sprachen auch zur Bezeichnung des Ge- schlochtes angewendet, wobei der Vocal a das stärkere oder grossere
Bas Porsoual-Prynomen der altaisohen Sprachen.
Vocals e, u, a im Plural, gegenüber dem schwächeren Vocal i im Singular abgeleitet.
4. Später bildete sich in den einzelnen Sprachen (Mandzu, Mongolisch, Türkisch) einerseits ein inclusiver Plural (,ich + ihr'), andererseits ein Dual (,du + du'), der theils neben dem gewöhnlichen (exclusiven) Plural stehen blieb (Mandzu), theils ihn verdrängte (Mongolisch, Türkisch).
Darnach wäre die im Anfange der Abharidlung gegebene Uebersicht des Pronomens folgendermassen zu corrigiren:
|
I. Person. |
||||||
|
Sin |
gular |
Excl. |
, Plur. |
Incl. |
Plur. |
|
|
Nom. |
Obl. C«s. |
Nom. |
Obl. Cas. |
Noin. |
Obl. Cas. |
|
|
Mandzu |
u |
min- |
be |
men- |
muse |
mu8e- |
|
Tungus. |
u |
min- |
bü |
mün- |
— |
— |
|
Mongol. |
u |
min- |
fehlt |
man- |
bide |
biden- |
|
Burjät. |
bi |
■ mxn- |
fehlt |
man- |
bide |
— |
|
Jakut. |
fehlt |
min- |
fehlt |
— |
bisigi |
bisigi- l |
|
Türkisch |
fehlt |
ben- |
fehlt |
— |
biz |
biz- |
Dass im Jakutisch -Türkischen das fast überall auftau- chende bi durch den Stamm des obliquen Casus (min-, ben-) ersetzt wird, darf uns gar nicht wundern, tritt doch derselbe Vorgang in den neupersischen Formen ^^c, y, U, U-& (ur- sprünglich Genitivformen) deutlich zu Tage.
|
il. Person, |
• |
||||
|
Sin |
gular |
Pli |
iral |
Dual |
|
|
Nora. |
Obl. Ca». |
Nom. |
Obl. Cas. |
Nom. Obl. Cas. |
|
|
Mandzu |
8% |
sin- |
sue |
suen- |
— — |
|
Tungus. Mongol. Burjät. |
u tfi H |
Sin- tHma- Sama- |
Sü ta ta |
Sün- tan- tan- |
— — |
|
Jakut. Türkisch |
fehlt fehlt |
än- sen- |
fehlt fehlt |
fehlt fehlt |
äsigi- isigi- — siz- |
(männliche), der Vocal e das schwächere oder kleinere (weibliche) In- dividuum ausdrückt, z. B. maudi. ama , Vater', eine ,Mutter' ; xaXa »Mann1» %e%e ,Weib'. Man vergleiche ferner nioh-mjaxa }Gans(, mje^e ,Ente*. 1 Oder ursprünglicher Dual, wie weiter unten äs igt, 1*1*7»?
1. AbluudluDg: Fr. Müller.
Von grossem Interesse ist die völlige Uebereinstimmung der uralischen (ugro-finnisehen) Sprachen mit den altaischen in diesem Rcdethcile, sowohl was die Stämme als auch die Entwicklung des Personal- Pronomens anlangt. Man vergleiche:1
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I. Person. |
||
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Singular |
Plural |
|
|
Suomi |
minä |
me |
|
Vcpsisch |
mina |
mö |
|
Votisch |
miä |
mö |
|
Estnisch |
mina |
me |
|
Livisch |
mina |
meg |
|
Mordvinisch |
mon |
min |
|
Tsehcremiss. |
min |
m'ä |
|
Lappisch |
mon . |
mi |
|
Votjakisch |
mon |
mi |
|
Syrjäniseh |
me |
mi |
|
Permisch |
me |
mie |
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Ostjakisch |
via |
mehy muh |
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Vogulisch |
am, am |
man |
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Magyarisch |
en IL Person. |
mi, mink |
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Singular |
Plural |
|
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Suomi |
tfinä |
te |
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Vepsisch |
sina |
tö |
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Votisch |
sitt |
tö |
|
Estnisch |
sina |
te |
|
Livisch |
sina |
leg |
|
Mordvinisch |
ton |
tin |
|
Tscheremiss. |
tyn, tin |
tu |
|
Lappisch |
don |
di |
|
Votjakisch |
ton |
• ti |
1 Vgl. meinen ,Grundriss der Sprachwissenschaft' II, 2, S. 214, und Nikolai Anderson »Studien zur Vergleichung der ugrotinnischen und indoger- manischen Sprachen*. Dorpat 1879. 8°. (Verhandlungen der gelehrten estnischen Gesellschaft zu Dorfrat. Band IX) S. 29.
Das Porsonal-Pronomen der altaischen Sprachen.
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Syrjänisch |
te |
ti |
|
Permisch |
tö |
*W< |
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Ostjakisch |
neu |
neu |
|
Magyarisch |
te |
ti} tik |
Hier tritt überall ganz augenscheinlich der im altaischen Personal-Pronomen zwischen Singular und Plural bestehende Vocalwechsel zu Tage. Und hierin stimmen Suomi, Vep- sisch, Votisch, Estnisch, Livisch und Tscheremissisch mit den altaischen Sprachen ganz tiberein, insofern als sie den schwa- chen Vocal im Singular, den starken Vocal dagegen im Plural aufweisen, während Mordvinisch, Lappisch, Votjakisch, Syrjä- nisch, Permisch, Ostjakisch und Magyarisch umgekehrt den starken Vocal im Singular, den schwachen Vocal dagegen im Plural zeigen. Der letztere Vorgang dürfte eine Umbildung involviren.r
II. Abh.: Gomperx. Beitr. s. Kritik u. Erklärung griechischer Schriftsteller.
II.
Beiträge zur Kritik und Erklärung griechischer
Schriftsteller.
Von
Theodor Gomperz,
wirkl. Mitglied« der kais. Akademie der Wissenschaften.
V.
1. Aeschyl. frg. 360 NA Die von Bernardakis (Plut. Mor. V 486, vgl. Nauck's Trag. dict. ind. p. X) nach der Les- art des cod. Palat. 170 berichtigten Worte rcocioußptv BJxiqv 7cupo$ erinnern so auffällig an Heraklits fcßpiv xptj cßevvueiv (xaXXov fj xopxaüjv (frg. 103 Byw.), dass man schwerlich an ein zufalliges Zusammentreffen zu denken hat. Vielleicht entdecken Andere auch sonstige heraklitische Anklänge bei Aeschylos. Ein solcher liegt kaum vor in dem Verse: ä 8si, rcapuv fpovitCs, jjwj Kapw i*f,; (Stob. ed. III 10 = III p. 194, 10 Wachsm. - Hense ver- glichen mit Heraklit frg. 3 B.) , da von der mangelnden Ver- bürgung seines äsehyleischen Ursprungs abgesehen, dem Dichter nicht «owohl der heraklitische Ausspruch als das von diesem angeführte Sprilchwort vorgeschwebt haben mag. Ein Nachhall dieser sprüchwörtlichen Redensart begegnet übrigens auch in Augustins Confessiones, VI 13: adero itaque absens etc.
2. Alexander Lycopolit. ed. A. Brinkmann p. 26, 11 ist das 2> der Ueberlieferung nicht mit Combefis in o>; sondern in wv zu verändern. Eine Parallelstelle lässt über die Richtigkeit dieser Verbesserung keinen Zweifel bestehen. Man vergleiche
p. 26, 11: etrs ouv 2>v eT/sv itj
p. 34, 9: xtvi TcoTS &v eT^evj &pd -ye ttj [uyßiiari xpb$ otüTtjv 8c(a 8u- vafxet; .... aXXa tyj araxTW xivt^jei ;
SiUangaber. d. phil.-hist. Cl. CXXXIV. Bd. *. Abh.
2 IL Abhandlung: Gomporz.
P. 28, 3 schreibe man: xat x£|j.vovxes xaOarcep (xa)xa jjipir). In Betreff des p. 14, 9 ausgefallenen Wortes kann man wohl nur zwischen fytepos und eraQu^a schwanken; das letztere konnte vor exYjXOev gar leicht ausfallen.
3. In Antiphons so überaus werthvollen Bruchstücken, die Blass im npoxpexuxo; des Jamblichos entdeckt hat, harren noch einige Stellen ihrer Besserung. P. 97, 2 Pist. glaube ich *2vu5v tilgen zu müssen. Wäre das Wort echt, so müsste man als Gegensatz auch ein dvaOa erwarten. Beides ist jedoch gleich sehr entbehrlich. Man vermisst nichts in dem Satze: dXXa auvTpafTJvai xe auxjj 8et *at crjvau^O^vat xwv jjiev eipYC[ievov [xax&v] xäI X6fü>v xai tqöwv, xd $' eTiciYjSsuovxa xat x«TepYa£o|ji.iVOv <^>v xcXXw Xpcvto %<x\ bJijxsXsia.
P. 97, 21 ist die überlieferte Wortstellung xal arcelvat xpeiccov oüio t) rcapeivai tadellos. Warum Blass (Kieler Fest-Progr. 1889, p. 14) hier die Worte umgestellt hat (auxb xpeTrcov), ist mir unerfindlich. Ebendort Z. 24 entspricht dem vorangehenden aYaOb; xsXew; das blosse TOrptoxo;, während das diesem bei- gefügte xsXew; aus dem Vorigen zur Unzeit wiederholt scheint.
P. 98, 24 sind die von den Herausgebern mit vergeblichen Conjecturen heimgesuchten Worte Sit touto 9J &-fi eaxiv % ty-x/ji meines Erachtens zu tilgen. Der Ursprung der Interpolation liegt in der missverstandenen freieren Construction : fiXc^u/oSot [asv xautYjq ojv 9si8ovi«i %xe., wobei xauxtj; auf das in yXotyuyovGi enthaltene tyr/+t zurückgeht. Aehnlichen freien Constructionen begegnen wir in diesen Bruchstücken mehrfach.
P. 100, 13 wird der unklare Satz sofort durchsichtig, wenn wir schreiben: cuv dXXv^Xoi; Se E?vai auxou; xai (5^ £v) dvo|xia 8iai- xobQai ou/ °*-v TS ***• Unmittelbar vorher hat das von Blass vor Ttpb$ ouxyjv eingeschobene xa die Construction verdunkelt. icpbs auxTjv heisst so viel als: im Hinblick auf sie (die Not- wendigkeit).
Erstaunlicher Weise haben die Herausgeber bisher keinen Anstoss genommen an dem ungeheuerlichen Sätzchen p. 104,4: xo><; Y<*p #v aXXw; ei; eva fxovap/Ja Treptaxatir; ei pwj y.x!., was doch nicht minder sinnlos ist, als wenn es hiesse : tcü>$ äv ei? jiovapxov jAOvapxt« ^sptcxaiYj; Natürlich ist {/.ovap/ta zu tilgen und das Sub- jeet aus dem Vorangehenden zu entnehmen, wenn nicht viel- mehr die Construction eine unpersönliche ist, etwa wie in dem
ßeitr&ge zur Kritik and Erklärung griechischer Schriftsteller. 3
verwandten Sätzchen Herodots (III 82): £x 8e toO *6vou drceßrj e$ (JLcuvapxtYjv — .
4. Im §. 18 des Aristeas-Briefes (S. 66 der Ausgabe von Moritz Schmidt = Merx, Archiv f. wiss. Erforschung des alten Testaments I, 306) ist augenscheinlich eine kleine Lücke zu erkennen und also auszufüllen: !6o<; *(dp ecri, *a6u>s %«t ob YivcJbcxeu;, aq ftq Äv rt[L&pa$ (fopov;) b ßaatXelx; dpxijiat xp^K^^&iv [A^/pc?
5. Aus Ariston (augenscheinlich aus den "Opioia des Keers dieses Namens) wird bei Stobäus 11120,139 (III 554 Wacbsni.- Hcnse) die Gnome angeführt: ttjv xaxoXoYiav t; fyrpj ^aivexai okto- Yewwoa &cxe tj fAifaip oux doreia. Den Weg der Verbesserung hat Bücheier mit der Ergänzung o><; Te(xv«) betreten. Ich glaube, die begonnene Herstellung zu vollenden, indem ich zu schreiben vorschlage: ttjv xaxoXofiav tq bprft\ ^atve-cat ttco-fcwäca w$ ts(xv« xaX)rj (Ji^iTip oux daisTa. Schimpf- und Scheltreden, die Früchte des Zornes, sind etwas Niedriges und Gemeines und verhalten sich zu dem edeln und männlichen Affect wie unschöne Kinder zu einer schönen Mutter. Dies durfte zwar kein Stoiker oder Epikureer, wohl aber ein Peripatetiker schreiben, dem die Affecte nicht etwas schlechthin Verwerfliches sind, ja dem der Zornmuth als das unerlässliche Organ des Kampfes und der Strafe, als eine der ,Sehnen der Seele' galt oder als einer der Krieger, ohne welche der Feldherr (die Vernunft) zur Unthätig- keit verurtheilt ist (vgl. Philodem de ira col. 31 ff. und Plutarch de cohib. ira 7 — 9 und frg. 17 Dübner).
6. Der unter Demokrit's Namen gehende Ausspruch bei Stobaeus IV 79 (HI 237 Wachsm.-Hense) lässt sich am leichtesten durch Einsetzung eines Wörtchens heilen: 'Avov^ove; CühjS bpbfovxau. (ovti) T^paoq Öavatov SeSotxiies. ,Die Thoren hängen am Leben, indem sie statt (wie sie sollten) das Alter (und seine Beschwerden) vielmehr den Tod fürchten/ Vgl. Plato Phädr. 2606: xoxd rcpdrretv dvr' d-faOüto. Wird doch ävt! ,oft bra- chylogisch mit seinem Substantiv für einen entsprechenden Satz gebraucht' (Krüger, Gr. Gr. §. 68, 15, 1).
7. Ein witziges Wort des Kynikers Diogenes möchte ich vor Anfechtung, beziehentlich vor Schlimmbesserung schützen. Ee lautet bei Stob, floril. 6, 52 M. (= HI p. 295, 1 Wachsm.- Hense): Aio^evr^ ctöev euuvocepov eivat [aos/ou 5iu>p(£eT0 tyjv tyur/ip
1*
4 II. Abhandlung: öomper«.
twv 5payjjiYj<; (Lviwv rcpoVejjivou. Diogenes will damit sagen: nichts Qeringwerthigeres gibt es als den Störer des ehelichen Friedens — nach seiner Selbstschätzung nämlich, da er sein Dasein um das aufs Spiel setzt, was er um eine Drachme haben könnte. Nauck wollte eua>v6rspov in avou<rcepov oder ävourepov ändern (Mö- langes Gröco-Rom. VI 113). Meine oben gegebene Erklärung befriedigte ihn nicht, da euwvo$ nicht , billig verkaufend4 be- deuten könne. Gewiss nicht. Auch wäre das nicht der* hier erforderte Gedanke. Allein man durfte doch wohl euuwo; gerade so wie avi;to; nicht nur von Dingen gebrauchen, die thatsächlich um einen geringen Preis verkauft werden, sondern auch ohne Rücksicht auf wirklichen Kauf und Verkauf von dem Gering- werthigen oder als solchem Veranschlagten. Nun bewerthet sich eben der \Lzv/oq nach der Meinung des Kynikers selbst so niedrig, dass er sein Leben um dessentwillen hergibt, was für eine Drachme erhältlich ist. Zum Gedanken vergleiche man die gleichfalls dem Diogenes zugeschriebene Aufforderung an einen Jüngling: eTueXOs elq 5ropvsT6v kou, Iva fxaöt); Sri twv dva$u*>v xa Tifjiea ov>8&v 5i«p£pet (Plutarch de educ. puer. 7 fin.).
Ein anderes derselben Sphäre angehöriges Dictum des Diogenes ist von Cobet missverstanden und kritisch misshandelt worden. Demetr. de elocut. § 261 schreibt: rcpoorcaXatwv xaXtj» TtatSt Aio^evT); 8iextvY)(hj m*); tö atöotov. tou 8e xatZb$ foßijöevTOS xai aiuo'mQS^aavTo^ ,öipp£i, <*> rcai5(ovc, elrcev, ,oux Eijxi Tairnj Sfioio^. Die Pointe liegt natürlich darin, dass der Vernunftmensch Diogenes die animalische Regung wie etwas seinem Wesen Fremdes von sich abschüttelt und sie nicht seiner Persönlichkeit, sondern dem ungeberdigen Körpertheil zugerechnet wissen will. ,Glaube nicht' — so sagt er etwa — ,dass ich diesem (ta6Tfl, zu denken ist rrj xögOttj) ähnlich, d. h. dass ich so zuchtlos bin wie dieses/ Cpbet aber verstand dies so wenig, dass er dazu schrieb: ,Pro absurdo Sjjioco; lege <j>OB€POC' (Mnemos. N. S. V 276).
Aus den mannigfachen bei Nauck verzeichneten Brechungen des Frg. trag, adesp. 284 (wozu noch kommt Gnomol. Paris, ed; Sternbach n. 24) darf man wohl die Urform gewinnen: dbwoXt; dtocxo; ß(ov ^ywv iy Vjfxipav.
8. Das auf einer Hermensäule verzeichnete Epigramm, über welches einst Böckh und Gotfr. Hermann so heftig stritten, wird jetzt von Kirchhoff (Corp. inscr. Att. I Nr. 522, p. 216) also
Beiträge zur Kritik und Erklärung griechischer Schriftsteller. 5
gelesen: ev jjtec(<j)ü) Ke<paXtfc te xa! acreo«;. Über den den Hexa- meter schliessenden Gottesnamen '£ppfc besteht kein Zweifel; nur die sechs vorangehenden Buchstaben haben noch keine befriedigende Deutung gefunden. Ich schlage vor i^\ab<; zu lesen, was der Fourmont'schen Abschrift, vom letzten Buch- staben abgesehen, der ja unmöglich richtig überliefert sein kann, so gut als völlig genau entspricht. Vgl. Kaibel Epigr. Gr. 812, 1.
9. Sollte noch Niemand in dem von Damascius de prin- cipiis p. 382 ed. Kopp (= I 322 Ruelle) überlieferten wichtigen Bruchstück des Eudemos (Fragmenta coli. Spengel p. 171, 17) die Lücke bemerkt und ausgefüllt haben, die den Bericht über einen Hauptpunkt der Zoroastrischen Religion bis zur Unver- ständlichkeit entstellt hat? Man schreibe wie folgt: ouiot 8' o3v iwza ttjv dtöwixfiTov $>6atv Staxptvofxevr^v rcotoöci tyjv Jitxyjv auaiot/tav töv xpeiTtovwv (ts xal sauXoTepu>v $aipi6vwv, wv) tyjs p.&v ilfreiaOac tov 'Opopiac^v, zrt$ 8e ibv 'Apeipiivtov.
10. Eurip. Hei. 34 liest man oupavoü ^Osia' ofoo. Es ist von dem Trugbild der Helena die Rede, das Hera geschaffen und an ihrer Statt dem Paris übergeben hat. Soviel ich weiss, hat niemals und nirgendwo oupavo$ etwas anderes bedeutet als den Himmelsraum oder die Himmelsdecke. Die hier erforderte Bedeutung von Aether oder Himmelsstoff ist (von der nicht hieher zu ziehenden empedokleischen Kunstsprache abgesehen) nur für diese Stelle erfunden worden. Auch daran , darf er- innert werden, dass asyndetisch aneinander gereihte Aorist- Participien in ihrer Abfolge der Folgeordnung der durch sie wiedergegebenen Vorgänge zu entsprechen pflegen, was hier nicht der Fall ist. Ich zweifle nicht daran, dass eine kleine Lücke vor Alters ungeschickt ausgefüllt worden ist, und schlage vor, also zu schreiben: 4
3i'$ü>?( 8'cux i\*.\ aXX' Gfjiotctiffaa' i\ko\ etBwXov ejxTTVOüv, cüpavou xo^etc* dfao, nptajjiou Tupavvou xatSi — .
Eurip. frg. 92:
wtü) Vaspwv a)v Sartq avOpawco? f^fos ^fxov xoXouet /p^pt-aaiv -pupouiJisvoq.
Die beste Rechtfertigung des vielfach, auch einst von mir ohne ausreichenden Grund angefochtenen ayöpwwo? liefert die Dar-
6 II* Abhandlung: Gompers.
legung desselben Gedankens durch Antiphon in den jüngst von Blass diesem Sophisten zugewiesenen Bruchstücken bei Jam- blichos Protrept. c. 20. Dort liest man p. 104, 6 ff. Pist.: Bei y*P tbv av$pa tcutov , lq tt]v Bixyjv x.aT«X6et xat tbv vofxov tov xaa» xoivbv xat cujjupipovra dq>atpTQGSTai, d8a[xavTtvcv ^svlaÖai, et (jieXXsi ouX^aerv xauTa rcapi toö zX^flouq twv avOpcJtauv e\$ a>v xapa icoXXwv • aipxtvo<; 8e xal 8{xoio; xoT; Xonto?? -yevoixevoq xt§. Nur ein Uebermensch — dies will der Dichter sagen — könnte das vollbringen, was für unsereins, was für einen Menschen von Fleisch und Blut, der nur auf seinen Reichthum au pochen vermag, ein vernunft- loses Wagnis wäre.
In Betreff des Bruchstücks 334 muss ich eine alte Ver- muthung nicht sowohl zurücknehmen als modificiren. Nicht ab- trennen möchte ich nunmehr die zwei letzten Verse, wohl aber sie einer zweiten Gesprächsperson zuweisen. A (v. 1 — 3) miss- billigt es, dass B sich in einen eiteln Wortstreit mit Schlechten (so verallgemeinert ausgedrückt) einlässt und dadurch auf ihr Niveau herabsteigt. B (v. 4 — 5) rechtfertigt sein Verhalten, indem er es für unerträglich erklärt, die von Schlechteren ausgehende Beschimpfung stillschweigend hinzunehmen. Dem xaxouj». in v. 2 entspricht genau xaxiovwv in v. 5.
Eurip. frg. 832 ist es vielleicht nicht überflüssig, das un- gewöhnliche eis Taux* £7cpäaaov durch eine Parallele zugleich zu beleuchten und der Aenderungslust gegenüber zu stützen. Eine solche bietet Sophokl. frg. 555, d. h. die von einem Grammatiker angeführte Phrase st? opQbv fpovslv. Man kann sich die letztere Wendung vielleicht so verständlich machen, dass man das opOcv als das Ziel des <ppcvsw ansieht und an unserer Stelle als das Endziel des -pauae».v5 das ja niemals in zwei Fällen ein völlig identisches ist, die Summe des aus dem individuellen Lebens- schicksale resultirenden Glücks oder Unglücks ansieht. Dann will der Sprechende mit den Worten:
et &'euaeßY)$ ojv towi BusaeßscraTOis
etc Taui* iTcpajcov, icw; Tao° Äv xaXa>$ £7,015
ungeflihr dieses sagen: was nützt mir meine Frömmigkeit, wenn ich mit den Unfrömmsten schliesslich an das gleiche Lebensziel gelange?
Beiträge zur Kritik und Erklärung griocbischer Schriftsteller 7
Eurip. frg. 833:
t(<; S'ot&ev £t £vjv tcuO' 3 xsxXt;Tai öavetv, to £i}v $e (Mjaxetv eaxi; icXrfv Sjaux; ßporöv vosouglv ol ßXexovces, ol o°6X(i>X6tss ouSsv vocouatv ouSe xe'xxYjvTai xaxd.
Die zwei durchschossenen Worte hat Nauck ,verba vitiosa' ge- nannt. Ein begreifliches, aber, wie ich glaube, ein übereiltes Ur- theil. Suchen wir die Verse getreu wiederzugeben, so kommt uns auch im Deutschen eine ganz ähnliche Partikelverbindung in den Sinn, nämlich: ,nur freilich'. Zuerst sagt der Dichter: ,Wer weiss, ob nicht das, was wir Tod nennen, in Wahrheit Leben, das Leben aber Tod ist?' Dann hebt er mit beissender Schärfe einen Unterschied hervor, der zugleich einen Nachtheil auf der Seite des Lebens darstellt. Er hätte sich ebensogut also ausdrücken können: o{xo>; Se (jtivot ol £<3vt6$ voaouatv xt£. Die Einschränkung der in jener rhetorischen Frage angedeuteten Behauptung wird durch eXVjv, der Widerspruch gegen die darin enthaltene Gleichstellung von Leben und Tod durch Sjjkos hervorgehoben. Die Verbindung der beiden Partikeln mag immerhin ungewöhnlich, vielleicht unerhört sein 5 ich denke nicht, dass dies einen ausreichenden Verdachtsgrund bildet, wenn eben diese Verbindung eine der Gliederung des hier dargelegten Gedankens vollständig entsprechende ist.
11. Ein paar Besser ungs vorschlage zu dem auf Gorgias be- züglichen Theile des Libellus de Melisso Xenophane et Gorgia seien dem letzten trefflichen Herausgeber zur Erwägung em- pfohlen. 979 fin. (= 191, 5 Apelt) ist mir die Ergänzung (etvai Sclv), soweit das zweite Wort in Betracht kommt, nicht wohl verständlich, während eTvat zwar dem Gedanken gemäss, aber entbehrlich erscheint. Man wird nichts vermissen, wenn man die Stelle mit den übrigen Ergänzungen des Herausgebers wie folgt liest: eYo$ Se (jmj) ovtoq, cuB* äv (5Xü>;) eTvat ouBev. jatj (y*P 5vtos evbf) [wfie %ok\d. et 8e jx^ie (Sv, fiQdCv), jjltjts icoXXa eVciv, ofcSev ecTiv.
980» 16/7 = 192, 9/10 (Apelt) ist, meine ich, zweimal xcßjxa durch Taura zu ersetzen in dem Satze: xat fap &G7:ep ixet woXXol 5v taura Töotev, xai evraoöa rcoXXol av tauta 8tavoY)6e?ev. Die Identität der Erkenntnis ist so wenig wie jene der Sinne«-
8 H. Abhandlung: Ooapers.
Wahrnehmung eine Bürgschaft gegenständlicher Wahrheit. Eben- dort Z. 17/8 (= 980b 2) verlangt Xe-fst ein Object, also doch wohl: xal (X6yov) Xeyet 6 Xe^wv, 4XX* ou xpäpa ouBi TCpxy|jt.a. Doch ist hier ein Zweifel möglich, so gilt dies nicht von 193, 17 (= 980 b 14). Dort muss Gorgias mehr beweisen wollen als bloss dies, dass die Empfindungen des Einen mit jenen eines Anderen kaum vollständig übereinstimmen. Auch fehlt das beim Optativ atsöotxo unentbehrliche av. Beide Anstösse ver- schwinden durch die Schreibung: &rre c/oXtj aXXo) v'av (statt irav) xaurb aTaOotTÖ ti;. Das nachdrückliche yi findet im Zusammen- hang seine volle Rechtfertigung; geht doch unmittelbar vorher: <pa(veTai 3e 008' abtb$ auT<j> Spioia aiaöav6(Aevo; ev tw auro) xp6vq>, &XX' erepa tyJ dbwfl xat tt} J^et, xal vuv te xat miXat £ta?öp<i>; — .
12. Herodot 134. Herwerden's Erinnerung, dass aic6XXuju von Herodot niemals im Sinne des Verlierens, sondern nur in jenem des Verderbens gebraucht werde, ist voller Beachtung werth, und einleuchtend richtig ist die von ihm daraus gezo- gene Folgerung, dass in o&yjFft cßtjpeTj das Subject zu dnroXeT zu suchen ist. Soweit folge ich ihm und schreibe daher beide Worte als Nominative, nicht als Dative. Weiter vermag ich ihm jedoch nicht zu folgen. Denn keineswegs ergibt sich aus dieser Veränderung nunmehr auch die Nöthigung, das Particip ßXtjOera zu tilgen. Das Traumgesicht verkündet dem Krösos in Betreff seines Sohnes Atys, ,dass eine eiserne Lanzenspitze ihn treffen und verderben werde', <S>s abroXe! jjuv alxw ciStjp^Q ßXrjödvra. Das letzte Wort antasten heisst die Fülle des hero- dotischen Ausdruckes beschneiden; und wie misslich dies ist, weiss jeder Kenner der Diction des Halikarnassiers.
13. Die Stelle des Hippokrates oder wer sonst der Ver- fasser des herrlichen Buches ,Ueber Luft, Lage und Wasser' sein mag (Littr^ II 84, 1 = Kühlewein I 67, 4 ff.) hat meines Erachtens also zu lauten: [amb] to6twv etxös aioöovscöai xal ttjv f£- veciv ev t?j avpirffeti xou yövov, (&ct' oXXot') aXXijv xai jxij xw owtü> tt,v auiYjv YtvscÖai sv ie xw 6£pet y.al tu> /eijjiwvt xte. Die Tilgung von xk6 und die Einschaltung von «XXote rührt von Koraes her; ich habe ftcre hinzugefügt und dadurch dem Satz, wie ich glaube, eine gegen jede Anfechtung gesicherte Gestalt gegeben. Auch der Ursprung der Lücke ist nicht schwer zu erklären; konnte doch das Auge eines Schreibers gar leicht von OY in y^voü äu^
Beitrige zur Kritik und ErklAmng griechischer Schriftsteller. 9
OT in aKkot' abspringen, da T und Y in den Handschriften oft kaum, wenn irgendwie zu unterscheiden sind.
Prognost. c. 3 (II 120 L. = I 82, 6 K.) schlage ich vor, das Sätzchen (in dessen Schreibung ich mit Littre dem Mar- cianus folge) «XXa izpoki^ei^ ä%y dpifow xfvBuvov eaöjxevov von seiner Stelle zu rücken. Denn das Vorangehende enthält nichts, wor- auf a* dp^otv sich beziehen könnte. Ist doch hier nur von einem Symptom, dem Zähneknirschen im Fieber, die Rede. Wenn dieses Symptom fj.avix.bv xal öavaruiSe; heisst, so erwächst uns daraus doch keineswegs das Recht, das eine Anzeichen in zwei zu zerlegen, wie dies Littr£ mittelst der folgenden Uebersetzung that: ,Le grincement et le dölire, s'ils se r£- unissent, pr^sagent du danger par leur reunion.' Weder von zwei Symptomen noch von ihrer Vereinigung wird mit einem Worte gesprochen. Auch fehlt es nicht an einer directen Widerlegung der Littr^'schen Deutung. Sie liegt in den jenem Sätzchen unmittelbar nachfolgenden Worten: ty 5e xat rcapafpo- vewv tcuto ttonj, $Xe6ptov ^wz-zai xipia v^yj. Jene von Littrd vor- weggenommene Vereinigung des Zähneknirschens mit einer Bewusstseinsstörung wird hier ausdrücklich aufgeführt und kann daher unmöglich schon im Vorangehenden zwischen den Zeilen gelesen werden. Auch begreift man nicht, was nach öavorcoSs; noch xfv&uvcv eac|xev3v besagen soll. Das wäre doch ein wunderbarer Antiklimax. Da nichts auf eine Verderbniss hinweist, so bleibt uns nur die Wahl zwischen der Annahme einer Lücke und einer Umstellung. Denn Ermerins' Tilgung des an sich tadellosen Sätzchens ist gewaltthätige Willkür. Jeder Anstoss schwindet, wenn man den Satz um wenige Zeilen hinaufrückt und an die Stelle anschliesst: ercl faoTepa 5e xefrfai, <!> jj«} o6vyj66? eaxt vuxi uYtÄ^V0VTt d™* xotpwwOeu, rcapafpocuviQV ttva oTjfJuxivet ^ o&uvyjv twv djx^t ttjV x,o'.X(tjv toxwv (ich folge auch hier Littr^'s Schreibungen, doch sind die Abweichungen von Kühlewein's neuem Text nicht von wesentlichem Belang). Hier wird wenn nicht von zwei Symptomen, so doch von einer zwiefachen Möglichkeit der Auslegung eines Symptoms ge- handelt. Und hieran schliessen sich passend die Worte aXXa spoXe-fsiv — ecopiÄvov an, die dann bedeuten: mag der Grund jener ungewöhnlichen Lage der eine oder der andere sein, in beiden Fällen ist das Symptom ein gefahrdrohendes.
10 II. Abhandlung: Uomperz.
14. Der (bald Menandcr bald Philemon zugeschriebene) Doppel vers eines Komikers:
6 fJLYj y^Xcotoc &&<; av ^ ^£\u>q^ auiou y^Xwto^ rcc^uxs xardveXw^ —
ward noch von Meineke in so schlechter Ueberlieferung vor- gefunden, dass er nach vergeblichen Herstellungsversuchen hin- zufügt: ,nisi versus est politicus' (IV 274, frg. 181). Sternbach's Mittheilung (Appendix gnomica im Anhang zu Photii patriarchae opusculum paraeneticum, Krakau 1893) bietet einen ungleich handlicheren Text. Ich schiebe nur ein Wörtchen ein und ersetze a£to<; durch a!|cov, und die ursprüngliche Gestalt des Verspaares ist augenscheinlich wiedergewonnen:
b fEXurc, eav (ti) jjlyj yj y^wto; aijtov,
auiou xe^uxe toü ^tkmzoq xaiavs)^;.
Ein anderes aus derselben Quelle (der Comparatio Me- nandri et Phil.) stammendes Verspaar scheint noch an einem mit leichter Mühe zu beseitigenden Gebrechen zu leiden. Ich meine die Verse 238 f. (bei Wilh. Meyer, die athenische Spruch- rede u. s. w., Bayrische Akad.-Abh., München 1891, S.64 [288]):
fepwv ^oyL&izq [Ar, ^d\xs.i vecoxspav aXXov y«P 25eij icatSavcuv^cet? 8e cu — wozu Nauck (M61. Gr&jo-Rom. VI 1 p. 132) bemerkt: ^Passender dürfte sein {xciy^bv -^p 25«'- Gelinder in jedem Sinne ist wohl die Schreibung aXXo<; ^ap fijei. Man vergleiche, wenn dies Noth thut, Callimach. epigr. 28 v. 5 f.
Aücoviyj, ab 8e vafyi xaXb$ xaXoq' dXXa iuplv fifestv toOto cra©w?, r^to ftjjt xiqm ,aXXoq £xel'« Mangel an Lebenskenntnis hat Nauck mitunter zur un- richtigen Behandlung der das Leben selbst abspiegelnden Aeusserungen der komischen Dichter vermocht. So wenn er zu Menander's Frg. 623 K: toüs tov TBiov 8oc;uavümas dXoYiorw; ßiov to xaXö; äxoüetv x<xyb icoieT rceivrjv (so statt ^aciv Bentley) xoexw;
bemerkt (a. a. 0. S. 120): ,Statt to xaXto; dxojsiv wäre ein Aus- druck wie Tb izokV dvaXouv deutlicher und angemessener'. Was sollte — so darf man vielmehr fragen — xb tcoXX* dvaXouv nach xbv iSiov SoncavövTa«; ß(ov? Nauck vergass hier, dass Verschwender, die ,leben und leben lassen', die ,das Geld unter die Leute
Beitrage zur Kritik und Erklärung griechischer Schriftsteller. 1 1
bringen', sich zumeist grosser Beliebtheit erfreuen. Dem grossen Haufen ^erscheint jeder Sparer in dem Licht eines Aufspei- cherers .... Wer hingegen sein Vermögen in unproductivem Verbrauch ausgibt, wird so angesehen, als ob er ringsum Wohl- thaten verbreitete, und er ist ein Gegenstand so grosser Gunst, dass ein Theil dieser Popularität ihm selbst dann treu bleibt, wenn er das verausgabt, was nicht ihm gehört'. Diese Sätze J. S. MilPs (Politic. Economy, Buch I, Cap. 5, §. 5) bilden den besten Com- mentar zu dem missverstandenen Bruchstück des Menander.
Ebenso wenig hätte Nauck, wenn er das Leben des ge- meinen Mannes im Süden zu beobachten Gelegenheit gehabt hätte, den von Aristophon Frg. 1 (II 276 K.) veranschaulichten Gedanken, dass der Winter die Uebel der Armuth an den Tag bringe, einen seltsamen genannt und das von Kock in vollkommen befriedigender Weise erklärte Bruchstück mit Aenderungsvorschlägen heimgesucht (a. a. 0. S. 96). Hätte er sich endlich erinnert, dass die Geburt von Söhnen allezeit und wohl bei allen Völkern ungleich erwünschter war als jene von Töchtern (vgl. z. B. Schrader Sprachvergleichung und Urge- schichte 387 f., H. Spencer Justice 171, Daniell Handbuch der Geographie I 236, ,Der Mädchenmord in Indien', Neue Freie Presse Abendbl. vom 14. Juli 1887 n. s. w.), er hätte nimmer- mehr das eben hierauf bezügliche Fragment des Poseidippos (IV p. 516 Mein. = III 338 K.) angetastet (MdL Gr.-Rom. V 244). Dass er übrigens in seiner von unermesslicher Belesen- heit und von staunenswerther Combinationsgabe zeugenden Besprechung der Kock'schen Fragmentsammlung vielfach irre gegangen ist, dies hat mir der treffliche Mann in dem letzten Briefe, den ich von ihm empfing, bereitwillig zugestanden, wie er denn seine Beanstandung von ,!6vc<; bei Menander und Antiphanes (S. 118)' einen ,ganz abscheulichen Flüchtigkeits- fehler' nannte.
Um der Sache willen seien hier noch einige in jener Ab- handlung enthaltene Aenderungsvorschläge kurz besprochen. In Menander Frg. 249, 3 ff.: — aXX' exstvoq f>fj[i.a tt | iyU^ax' ouSev e[A?ep£c, [xa töv A(a, | tu 7yvCtöi aaüxov', ou3e toi«; ßoa)(xevocg | •coutois — will Nauck toi; ßowpiivotq durch dpoXou|jievoi<; ersetzen. Dazu scheint uns nicht die mindeste Nöthigung vorzuliegen. Von Herodot (III 39: xpi-ftLuta ßeßwjxsva <zva trjv 'Iwvftqv, VIII 14:
12 IL Abhandlung: Gomper».
eß(«>o6iQ dva xaaav ttjv 'EXXdda) bis auf die spätesten Autoren liegt eine lange Reihe von Belegen für die hier erforderte Bedeutung von ßooböat vor. Unmittelbar hierauf bespricht Nauck Mc- nandr. frg. 252:
eufatpovi'aq eTa>6' Ozepijfaviay (so Meineke statt uxeptj^avta;) «otECv.
,In dieser von Anderen hergestellten Fassung bleibt noch an- stössig das ganz unpassende xpoöfy.w; : es war zu schreiben . . . Kpo/etfwc.' Zur Rechtfertigung von 7:poö6{xa); genügt es, auf die bekannte Wahrnehmung zu verweisen, dass ,sehr häufig ... in der Absicht, ein Wort nachdrücklich hervorzuheben, die Ne- gation demselben nachgesetzt wird' (Kühner II 739 ähnlich Krüger 67, 10). Nauck hätte sich bloss des Frg. trag, adesp. 439 zu erinnern brauchen:
go?y) jjl£V ■JäiAYjv, aXXa xavi' oux eüTux^S.
Philemon Frg. 75 (II 498 K.) lauten die ersten zwei Verse nach den Handschriften (des Stob, floril. 102, 4) wie folgt:
av6pü)7:ov 3v?2 paSiov -apatveaac ecrctv, xortjcai 2' owtov ou^t £a8iov.
Die Worte avOpwicov 5vta gehören zum ganzen Satze und vor- nehmlich zu dessen zweitem Gliede. Sie sind als Apposition zu einem hinzuzudenkenden xiva aufzufassen. Eine prosaische Paraphrase hätte etwa also zu lauten : faotov plv am tö xapatveTv, yaXeicbv 5s ib & v.$ rcapatvei xae outcv icoieiv avOpuncov 5vt«. Die in jenen zwei Worten enthaltene Erinnerung an die menschliche Schwäche, der es leicht fällt, gute Rathschläge zu ertheilen, schwer aber, sie selbst zu befolgen, scheint mir hier nicht weniger am Platz wie in so vielen anderen Fällen; z. B. Me- nandri monost. 8 (IV 340 Mein.): avOpwrcos S>v |A6^/Yjao xifc xotvifc tü^tj?, Eurip. frg. 1075 N.2: ösoü ßiov ö)v aiJtoTq avOpwicoc Äv oder Dionys. archaeol. V 4: ävöpc&rcous 8' Sviaq (jhqSsv Gitsp -rijv avöpiomvtjv fuetv Tcovstv. Anders dachte Bentley, der statt avOpw^ov 5vTa zu schreiben vorschlug aXXw tcovoövti. Ihm sind Meineke, Kock und auch Nauck gefolgt. Dass jedoch diese Textes- änderung eine unnöthige ist, glauben wir soeben gezeigt zu haben ; dass sie falsch ist, beweist, wie wir meinen, das i;ori}a«i des zweiten Verses, das aufs beste zu unserer Auffassung, aber ganz und gar nicht zu derjenigen Bentley 's stimmt. Auf letz-
Beiträge zur Kritik and Erklärung griechischer Schriftsteller. 13
teren Umstand hat Nauck a. a. O. (S. 102) hingewiesen. Nur zieht er freilich ans dieser Incongruenz die Folgerung, dass, wer Bentley's ^einleuchtende Emendation . . . billigt', nun auch ^unbedingt V. 2 icovifcai statt 7uorij<xai schreiben* müsse. Uns will vielmehr scheinen, dass es auch diesmal der Fluch einer ver- fehlten Conjectur ist, dass sie fortzeugend weitere verfehlte Conjecturen hervorbringt.
Das von Stob. III 12, 5 Wachsm.-Hense = IV 292 Mein, mitgetheilte Bruchstück des Menander: xpeitiov eXeoOai <]jeuBo<; t) akrfiiq xoxov haben die Kritiker bisher wohl allzu schüchtern angefasst. Man hat sich damit begnügt, den wankenden Bau des Verses zu stützen, indem man entweder ein überflüssiges Je einschob (xpeurov &') oder das völlig sinngemässe eXeoOai durch ein jedenfalls nicht sinngemässeres, aber mit consonan- tischem Anlaut versehenes Verbum wie XiyeaQzi, Ss/ejöai u. dgl. m. ersetzte. Man übersah dabei, dass der Verbindung aXr,6e; xaxsv nicht füglich das blosse <|>eu&o<; entsprechen kann Der Vers mag ursprünglich also gelautet haben: ayadov eXsaOat üzfäo$ % oikrßiq xaxov, während das zur Vervollständigung des Gedankens Erforderte im Schluss des vorangehenden, vom Gno- mologen weggelassenen Verses enthalten war.
15. Moschion Frg. 9 (Fragm. trag. Gr. 816 N.2) ist das schöne Bild eines unglücklichen, tiefgesunkenen Fürsten in seinem Anfang verstümmelt. Aus dem sinnlosen cuv alci (sie), ouv alcvi oder cuvejei der Handschriften möchte ich avvvpu? 6 gewinnen:
c6vvou$ 6 86§tj rcp6c6e xat ^evet jAeya^
"Ap^ou«; SuvaaiYjs Xenb; ex Tupavvtxcov
Opovcov, rcpoatxnfjv OaXXöv ^-fxaXiafjivo^
Iffxet^ev et«; ^T/v o\l\lcl auvve^ec; <popa>v xxl. Die letzten zwei Worte habe ich in der ihnen von Meineke- Nauck und Herwerden verliehenen Gestalt angeführt. Was dieser Vers mit einer gewissen Ausführlichkeit schildert, das fasst jenes Eingangswort wie in einen Strich zusammen. Das Sub- stantiv cuvvoia wird von den drei grossen Tragikern gebraucht. Dass das Adjectiv bisher weder bei ihnen noch bei einem ihrer Nachfolger nachgewiesen ist, darf schwerlich als ein Ein- wand gegen unsere Vermuthung gelten.
16. Jene Verse des Parmenides, die Simplicius im Com- mentar zur Physik I 3 (p. 145, 23 ff. Diels) anführt, glaube ich
14 II. Abhandlung: Qomperz.
ohne Aenderung eines Buchstabens durch blosse Umstellungen verbessern zu können, indem ich sie also schreibe:
oüBe Biaipexov ecm • ebv fap eovrt raXa^st • ouBe Tt Tfl [/.äXXov, xav o**I(ji,t:Xs6v ecriv eovioc,
Tco ^uv6)T6<; ^av eariv, ircel 5uav eoriv ojjloTov.
Für völlig sicher gilt mir die Umstellung der zwei Halbverse 24 und 25. Denn einen Sinn gibt nur die Verbindung gu8s v. Xeipctepov, xo xev etpvot pitv cuve/eoOat. Den Zusammenhang des Stoffes oder des Seienden kann nicht ein Plus, sondern nur ein Minus oder ein Minimum, wenn nicht ein Fehlen von Stoff beeinträchtigen. Da nun hier (anders als in dem verwandten Verse ou yap flww^ijsi tö tcsXov tou iovzoq i^soöat) vom Leeren nicht die Rede ist, so muss eine Annäherung an das Leere, eine weitgehende stoffliche Verdünnung gemeint sein. Vgl. Ari- stot. de gejier. et corrupt. I 8, insbesondere die Worte: oW au rcoXXa eTvat [i^ 5vto? tou 8te(pYovtoc; auch des Verfassers Grieeh. Denker I 442 f.
In den uns nur durch die lateinische Uebersetzung des Caelius Aurelianus bekannten Versen des Parmenides ist v. 143/4 Stein, wie ich meine, die Interpunction zu ändern (beziehentlich Karsten's Interpunction wiederherzustellen) und v. 147 statt per- mixto in corpore, wo permixto aus dem vorangehenden Vers irrthümlich wiederholt ist, vielmehr zu schreiben mixtae uno in corpore. Darnach hätten die sechs Verse zu lauten:
Femina virque simul Veneria cum germina iniscent venis, informans diverso ex sanguine virtus, temperiem servans, bene condita corpora fingit. at si virtutes permixto semine pugnent nee faciant unam mixtae uno in corpore, dirae nascentem gemino vexabunt semine sexum.
17. Den bei Philodem und bisher nur bei ihm nach- gewiesenen Worten ah<xkr$i<x und aSiaXvjxreuü) (vgl. Sitzungsber. Bd. CXXIII, VI S. 59 f.) ist noch hinzuzufügen das Derivat a8taXifcrceu|*a in dem Satze (Vol. Herc.2 X 76 col. XI) : ßXexets ?£ (5)t; <S>$ av (ifj %)ep\ ts tococutä xai xotauxa 6£ü)p^{j.axa Y^^K*^ Siavoia oux. Äv S^w y£ivoit(o) rcavrb«; aStaXijir^fj^aro*;). Auch das Ad- jeetiv aStaXtprro? und das Adverb d§taXnjxHi>$ begegnen ebenda- selbst 77 col. XIII und 75 col. VIII. Selbst für die Entscheidung
Beiträge zur Kritik und Erkl&rung griechischer Schriftsteller. 15
der Frage nach der Autorschaft dieser Schrift, die Körte (Metro- dori Epicurei Fragmenta, Leipzig 1890) ohne zulänglichen Grund dem Metrodor zugewiesen hat, dürfte diese sprachliche Wahr- nehmung nicht ohne Belang sein.
18. Pia ton, Staat 387 b: ouxoüv üv. %a\ ra xspt Tauia ovojxaia irdvTa ta Secva ts v.a\ ^oßepa arcoßXiQTsa, Kü>kutoö<; ts xal Ztuy«S xai evspcix; xal aX(ßavT«<;, xat aXXa oca toutou tou tutcou 5vc{jLaC6p.sva fpir- T£'.v 3tj TCOtet u>s oieTat rcivT«$ tob; axcuoyca^. Das sinnlose oiexai der Handschriften ist noch immer nicht gebessert. Weder oTov Tc noch cca lv(\ noch o'lxdxa; noch das jüngst vorgeschlagene 5vt« vermag zu befriedigen. o>; anzutasten ist kein Grund vor- handen, und da empfiehlt es sich doch am meisten, an einen Vergleich zu denken, und zwar mit Wesen, deren Furchtsam- keit eine notorische ist. Schrieb nicht Piaton o>$ otSt«? Man ver- gleiche des Photios Glosse olBta • wpoßaxta. Die Glosse könnte wenigstens aus des Boethos XsSjewv nXaromy.üW ouva^wp^ °der aus seiner Schrift rcept tuv rcctpa ÜXi-wvt axopoujAsvwv Xeijeuv, die Photios gekannt und verwerthet hat, geschöpft sein (vgl. Naber 's Prolegomena p. 55).
Piaton oder Pseudo-Platon , Hippias maior 283* : evavTiov Y«p 'Ava^avöpa ?aGt cujxßijvat •?) ujjlTv • xaTaXeis0evru>v yoip auiw tcoaXüW XptjjMtrwv xaia{/.£Xqaai x,ai objoXeaai zavra • o&tgx; auxbv avoiQTa ao©{- £ec6at. Das allzu derbe, durch den Zusammenhang ganz und gar nicht gerechtfertigte dvorjxa ist sicherlich durch dvcvyjTa zu ersetzen. Ich bemerke nachträglich, dass diese Vermuthung schon von einer Handschrift, nämlich vom Paris. F, dargeboten wird. Stallbaum erwähnt sie, verwirft sie aber mit der meines Erachtens thörichten Begründung: ,Sed vera est lectio vulgata qua ad voöv illud Anaxagorae alluditur.' Die Zürcher Heraus- geber, K. F. Hermann, M. Schanz finden jene Lesart wohl darum, weil sie keinen urkundlichen Werth besitzt, nicht ein- mal der Erwähnung werth.
19. Schwer verständlich ist es mir, dass die Herausgeber des Thukydides die spartanische Rede des Alkibiades (VI 92) noch nicht von einem offenbaren Emblem befreit haben. Ein solches ist doch dort mit voller Sicherheit zu erkennen, wo in einen ganz allgemein gehaltenen Satz ein die specielle Nutzanwendung enthaltendes Wort eingefugt ist. Und solch eine Einschaltung konnte um so leichter dort erfolgen, wo der völlig generell
16 II. Abb.: Gomperz. Beitr. z. Kritik u. Erkl&rung griechischer Schriftsteller.
ausgedrückte, dem Leser die specielle Anwendung überlassende Gedanke von Sätzen umgeben ist, die solcher Allgemeinheit entbehren. All dieses trifft in unserem Fall zusammen. Alki- biades will das Misstrauen beseitigen, das sein vaterlandsfeind- liches Vorgehen sogar bei den Feinden seines Vaterlandes wachrufen könnte, und spricht also zu den Spartanern: ?v)fis Te Y«p e^r" **% T^v eSfi^affovtwv zovrjpias %<xi ou ttj; ujutef a$, ^v 7si<hQo6s (jiot, axps/aa;, xat icoXsjAiwTepoi ou^ ol tou; tcoXsjjliou; zou ßXa<CaVTS? [üjjleT«;] 9) ol xouq ftXou^ Äva^^icavie? ::oXefj.iou$ ^evsoflar t6 ts <ptX6xoXe oük cv & a$ixoü[xai fe'xw9 ^^ *v $ aasaXu>s exoXtTejöyjv. ou&' face iza- tp(8a oucav Itt f^oupLat vüv Uvai, koXu 5& (AaXXcv tyjv oüx ouaav ava- xxiaOat. xal 9 iXöxoXt«; outo$ cp6ü>^, oü/ $s av ttjV iaurou d&(xo>{ dzoXeaa^ {jlyj facty, «XX* Sq äv ex xavTO«; Tp6xoi> Bia tb factöufxstv xeipaö^ aurr^v avaXaßetv. Die letzten Worte erinnern mich übrigens an einen noch nicht mit Sicherheit hergestellten, vielleicht nicht mit Sicherheit herstellbaren Vers des Euripides (frgm. 1045 N. *). In den Worten \in\ xajjive RorpiSot cyjv XaßcTv rceipctyjLgvos ist das Simplex XaßsTv, wie längst erkannt, nicht haltbar. Ob aber Bothe's und Mähly's TCarpiBi cuXXaßciv das Richtige trifft, darf wohl bezweifelt werden. Nicht eben gewaltsamer und an sich wahrscheinlicher ist wohl unsere Vermuthung: fxtj xdjAve rcäcrpav avaXaßetv 7retpa>fj.£vo^. Oder irre ich mit der Annahme, dass ftstfxift- jxsvos eher auf diesen als auf jenen Gedanken zu führen scheint?
Register.
Seite
Aeschylos I
Alexand. Lycopol lf.
Antiphon 2
Aristeasbrief 3
Ariston 3
Aristophon H
Demokrit 3
Diogenes 3f-
Epigramm 6
Eudemos &
Euripides 5ff.u. 16
Gorgias (bei Ps. Aristot.) . . . 7f.
Seite Herodot 8
Hippokratos 8 f.
Komiker 10 f.
Menander 10 ff.
Moschion 13
Parmenides 14
Philemon 12 f.
Piaton 10
Poseidippos H
Thukydides 15 f.
Tragiker 4
Volum. Herc. " 14 f.
III. Abb.: Kfthnert. Ueber den Rhythmus im Chinesischen. 1
III.
Ueber den Rhythmus im Chinesischen.
Yon
Dr. Fr. Kühnert,
Priratdocent an der Unirersittt Wien.
öyntax, Rhythmus und Euphonie sind die Grundelemente des chinesischen Sprachbaues. Der Syntax wurde bereits in den hervorragenden Grammatiken grosse Aufmerksamkeit zu- gewendet — man sehe nur Gabelentz' Grammatik mit Aus- schluss des niederen Stils — dem Rhythmus hingegen wurden nur wenige stiefmütterliche Bemerkungen gewidmet.
Hienach könnte es den Anschein haben, als ob im Chine- sischen beim Sprachbau der Rhythmus keine grössere Rolle spiele als etwa im Deutschen, als ob er auch im Chinesischen nur ein willkommener Schmuck, ein Ausfluss des Schönheits- gefühles sei, der vorhanden sein kann, aber nicht vorhanden sein muss.
Dem ist aber nicht so. Gleich wichtig wie die Syntax ist auch der Rhythmus, ja Syntax und Rhythmus stehen in einem derartig innigen Zusammenhange, dass ohne detaillirte Kenntniss des Rhythmus alle syntactischen Regeln stellenweise nahezu werthlos sind, wie so manche Uebersetzungsfehler selbst bei hervorragenden Autoritäten in Sinologicis darthun.
Der einfachste Maueranschlag, die trivialste Veröffent- lichung enthält — wie bereits Hirth1 schon bemerkt — einen solchen Rhythmus, dass derartiges sich fast wie ein euro- päisches Gedicht liest.
Bald nach meiner Ankunft in China, im Verkehre mit den Chinesen wurde mir klar, welch wichtiger und leider nur
1 Hirth, Notes on the Chinese documentary style, p. 16 Anm. Sitzungsber. d. pnil.-hist. Cl. CXXIIV. Bd. 3. Abh. 1
2 III. Abhandlung: Kuhnert.
allzusehr unterschätzter Factor der Rhythmus im Chinesischen ist. Mein unablässiges Streben war nun bei den ferneren Studien darauf gerichtet in das Wesen des Rhythmus einzudringen, mein von Jugend auf ausgebildetes rhythmisches Empfinden für den Rhythmus des Chinesischen dienstbar zu machen, bezüglich des- selben zu erweitern und zu befestigen.
Erforderte dieser Theil der Arbeit schon eine vollständige Anspannung der notwendigen Kräfte, so war er im Verhält- niss zur Aufgabe, das Wahrgenommene allgemein verständlich darzustellen, dennoch der leichtere. Wie sollten Dinge, die lediglich auf Empfindung beruhen, dargestellt werden, damit durch zweckentsprechende Vorstellungen im retrospectivenWege derartige Wirkungen so genau wie möglich erreicht werden, wie sie der chinesische Rhythmus bietet.
Als zweckentsprechend erschien es nach reiflicher Ueber- legung durch schickliche Vergleiche Anhaltspunkte dafür zu schaffen. Dies erforderte aber weitere Studien in dazu geeig- neten Disciplinen. Das brauchbarste Material liefert dafür die Musik, bezüglich deren sich die zutreffendsten Analogien dar- boten. Füssen doch die musikalischen Gebilde im weitgehendsten Sinne auf dem Rhythmus, und zwar dem Rhythmus im weiteren und engeren Sinne. Der Musik zunächst kam die Prosodik und Metrik der deutschen Sprache. Hier jedoch zeigte sich bereits, dass sehr häufig in der Bezeichnungsweise nicht auf das hiedurch Bezeichnete Rücksicht genommen wird, sondern dass dies nur Ausdrücke sind für Dinge, deren Wesen wo anders her bekannt ist.
So konnte es nicht fehlen, dass zum Theil die Arbeit selbst eine kritische bezüglich verwandter Materien wurde, um auf ihr eigentliches Ziel lossteuern zu können.
Hierin mag theilweise die bisherige stiefmütterliche Be- handlung des chinesischen Rhythmus ihren Grund haben. Ein anderer Factor dürfte aber darin zu suchen sein, dass eine Berücksichtigung dieses Elementes bei dem Betreffenden zu- nächst ein weitausgebildetes rhythmisches Empfinden, etwa wie das eines guten Musikers voraussetzt, dann weiter directen Verkehr mit den Chinesen selbst, vor Allem aber die Fähig- keit, das Wesen des Rhythmus ergründen und angeben zu können.
Ueber den Rhythmus im Chinesischen. 3
So naheliegend die letztere Bedingung erscheint; so ge- hört sie doch zu den am schwersten zu erfüllenden, wie die Erfahrung lehrt.
Wer rhythmisches Gefühl besitzt, wird ohne Zweifel jeder- zeit wahrnehmen, ob sich in einem Gebilde Rhythmus vorfindet oder nicht. Wer aber nur nach so manchen vorhandenen De- finitionen urtheilt, wird einzelnen Dingen, wo thatsächlich ein Rhythmus wahrgenommen wird, nach diesen Definitionen, einen solchen absprechen müssen. Daraus folgt aber nicht, dass die Empfindung im Irrthum ist, sondern nur, dass die Definitionen zu enge sind.
Eine Betrachtung einzelner solcher Definitionen wird dies zur Genüge erweisen.
So heiß8t es an einer Stelle: ,Rhythmus ist jede takt- mässige Bewegung, namentlich der abgemessene, gesetzmässige, in seinen verschiedenen Formen zur Versinnlichung verschie- dener seelischen Bewegungen dienende Wechsel von Hebung und Senkung der Sylben in Worten, der Töne in Tonstücken u. s. w/1
Da weder in der Poesie noch in der Sprache nach Takten gemessen wird und werden kann, sondern nur in gewissen Formen der Musik und im Tanze, so enthält obige Definition bereits eine schädliche Beschränkung. Weitere Mängel werden im Späteren zu Tage treten.
In der Prosodik und Metrik der deutschen Sprache liest man: ,Metrum ist das Versmass ohne Berücksichtigung seines Tonverhältnisses und seiner Glieder, aus welchen es zusammen- gesetzt worden ist, so dass es äusserlich als ein Ganzes, als ein Vers dasteht. Rhythmus aber ist die Musik, welche über dem Metrum hinschwebt.'8 ,In Hebung und Senkung beruht der jedesmalige Rhythmus eines Verses; das Tonverhältniss der einzelnen Verstheile wird durch einen stärkeren und schwächeren Aufschlag hergestellt/3 ,Indem im ersten Hauptstück das Zeit- mass der Sylben bestimmt worden ist, haben wir nun Längen und Kürzen erhalten, durch deren geregelten Wechsel wir eine
1 Brockhaas, Co n versa tionslexikon, s. v. Rhythmus.
* J. Minckwitz, Lehrbuch der deutschen Verskunst oder Prosodik und Me- trik, p. 21.
* J. Minckwitz 1. c. p. 97.
1*
4 m. Abhandlung: Kniinert.
rhythmische Reihe zusammensetzen. Eine solche Reihe nennt man einen Vers/1
,Metrik d. h. namentlich Rhythmik, denn auf den Takt kommt es an, weniger auf die Regeln, nach denen der Takt sich richtet, auf den Gesichtspunkt, nach dem sich die Hebungen und Senkungen vertheilen.
Auf Hebungen und Senkungen, guten und schlechten Takt- theilen beruht der Rhythmus.
Wirkung des Rhythmus ist es, dass wir den Takt mit dem Fusse treten.'2
Wäre Rhythmus die Musik,3 welche über dem Metrum hin- schwebt, dann könnte die Musik keinen Rhythmus haben; denn eine Musik über der Musik ist eine Contradictio in terminis.
Auch mit dem Takte, wie Scherer andeutet, kann der Rhythmus nicht identisch sein. Davon später. Man müsste nach dem Obigen daher nur sagen: ,Rhythmus ist der nach einem bestimmten Gesetze geregelte Wechsel langer und kurzer oder starker und schwacher Silben/
Diese Definition schliesst — ganz conform ihrer Bestim- mung lediglich für die Prosodik und Metrik der Sprache — Musik und Tanz aus; denn weder die Musik noch der Tanz bestehen aus einem Wechsel langer und kurzer oder starker und schwacher Silben. Nichtsdestoweniger hat auch sie trotz der zum voraus gemachten Einschränkung des Geltungsbezirkes ihre Achillesferse.
Berlioz4 sagt: ,Rhythmus ist symmetrische Eintheilung des Zeitmasses durch die Töne/
Piel5 gibt an: ,Das Dauerverhältniss der Töne zu der Dauer der Taktzeichen und untereinander bezeichnet man mit dem Ausdruck Rhythmus/
1 J. Minckwitz 1. c, p. 95.
9 W. Scherer, Poetik, p. 273, 274.
8 Auch nicht die Melodie, was offenbar hier unter Mnsik gemeint ist; denn die verschiedenartigsten Melodien können über dem gleichen Rhythmus aufgebaut werden, wie z. B. die Unmasse von Walzern wohl zur Ge- nüge erweist, weil nicht in den tonischen Intervallverh<ni&sen der Me- lodie der Rhythmus gelegen.
* H. Berlioz, Gesammelte Schriften, I. Bd. (A travers chants), p. 9 (deutsch v. Pohl).
5 P. Piel, Harmonie-Lehre, II. Aufl., p. 8.
Ueber den Rhythmus im Chinesischen. 0
In Lobe's Compositionslehre1 wird erklärt: ,Zum Rhyth- mus in der Musik gehört: Geltung der Töne, Takt, Tempo, Accent, und im höheren Sinne Perioden, Gruppen, Theile.'
Sieber2 äussert sich: ,Die Musik, die sich nicht sowohl an die gewöhnliche Sprache, als an die poetische Diction, die gebundene Rede anlehnt, hat es mit der letzteren gemeinsam, dass zu bestimmten Zeiten regelmässige Betonungen wieder- kehren. Dem Metrum des Gedichtes entspricht der Rhyth- mus der Musik. Der Rhythmus aber wird durch die Wahl der Takt arten von Seite des Componisten festgestellt. Jede Taktart hat ihre eigenthUmlichen, wiederkehrenden Accente.' Jungmann nennt Rhythmus den gesetzmässigen Wechsel von Länge und Kürze.9
Nach A. Westphal ist flir ein Werk der musischen Kunst (Musik, Orchestik, Poesie) eine gesetzmässige Gliederung und Ordnung der von ihm ausgefüllten Zeit der Rhythmus oder Takt(8ic!), der, insoferne er in der Poesie erscheint, mit dem be- sonderen Namen Metrum bezeichnet wird.4 Im Weiteren wird nach Aristoxenus gesagt:6 ,Der unserem Geiste innewohnende Sinn flir Ordnung und Gesetzmässigkeit verlangt, dass die durch ein Kunstwerk ausgefüllte Zeit eine gesetzinässig gegliederte sei und dass wir uns dieser Zeitgliederung durch die Eigen- artigkeit der nacheinander zur Erscheinung kommenden ein- zelnen Momente des Kunstwerkes bewusst werden. Die so gegliederte Zeit heisst Rhythmus/6
Aristides definirt: Qv&tidg roivw iari ovarrjpA %i i% yra)Qip(ov %q6v<ov xard xiva rd^iv avyxeinevov, was Capeila übersetzt: Rhythmus igitur est compositio quaedam ex sen-
1 J. C. Lobe, Lehrbuch der musikalischen Composition, I. Bd., p. 414.
* F. Sieber, Vollständiges Lehrbuch der Gesangskunst, p. 158 (II. Aufl.).
* J. Jungmann, Die Schönheit und die schöne Kunst, p. 336.
4 Theorie der musischen Künste der Hellenen. A. Rossbach und R. West- phal, Bd. I, p. 33. (Das Wort Takt schränkt das Frühere total ein. Ein musisches Kunstwerk hat als Gliederung der von ihm ausgefüllten Zeit auch Perioden, Abschnitte, Kola etc., die durch das Wort Takt sofort ausgeschlossen werden.)
6 Theorie der musischen Künste, I. Bd., p. 41.
6 Also nicht das Zeitglied, sondern die gegliederte Zeit, nicht Mos der Theil, sondern auch das Ganze.
6 III. Abhandlung: K Innert.
sibilibus collata temporibus, ad aliquem habitum ordinem- que connexa.1
In demselben Werke wird später gesagt: ,Beide Aus- drücke werden aber auch in concreter Bedeutung gebraucht. Rhythmus als ein grösserer oder kleinerer Theil eines musischen Kunstwerkes insoferne dasselbe durch Takte oder Takttheile gegliedert ist; Rhythmopöie dagegen von der Gliederung nach Takten und zugleich von den Tönen des Gesanges und der Instrumente/8 Ferner: ,Das Grund- princip des Rhythmus besteht darin, dass die aufeinander folgenden Zeitmomente in bestimmte Gruppen zerfallen, die als solche von der aiadrjatg scharf gesondert werden können. Die einzelne Gruppe heisst bei den Alten Qv&pög oder ftovg, wir nennen sie Takt/8 (sie!?)
Und abermals: ,Auch der moderne Vers ist der sprach- liche Ausdruck des Rhythmus/*
,Zum Rhythmus gehören nun nothwendig Verse, Ftisse und Kola, beim melischen Vortrag ausserdem noch Perioden (Verse) und Systeme (Strophen)/5 ,Stets werden mehrere Füsse durch einen einzigen Hauptaccent zu einer höheren rhythmischen Reihe verbunden/6 ,Die rhythmische Theorie der Alten sieht jede Reihe als einen einzigen grösseren Fuss an und bezeichnet ihn nach der Morenzahl und der rhyth- mischen Gliederung der Haupt- und Nebenarsen/7 ,Gesun- g'ene Poesie hält sich strenger im Takte als deklamierte; in jener herrscht der ^v&(i6gy diese erscheint nur als £v#- uoeidrjg mit bestimmter Arsiszahl/8 Vergleicht man mit dem Vorgeführten noch die folgende Stelle: ,Nach Aristoxenus ist die Bewegung der Stimme entweder eine q>ovij Xoyixij oder eine qtwvi) ^ehfiäiy.ij. Der Rhythmus der q>wvij Xoyutij ist nicht
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1 Theorie der musischen |
Künste, |
I. Bd., |
p. 60. |
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8 1. |
c. |
I. Bd., p. |
86. |
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8 1. |
c. |
I. Bd., p. |
102. |
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* 1. |
c. |
Ill/i Bd., |
p. 1. |
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8 1. |
c. |
HI/j Bd., |
p. 58. |
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e 1. |
c. |
HI/9 Bd., |
p. 4. |
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7 1. |
c. |
III/a Bd., |
p. 5. |
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8 1. |
c. |
III/j Bd., |
p. 513. |
Ueber den Bhythmua im Chinesischen. 7
ganz derselbe wie der Rhythmus der qxorfj pehpdixi},' x so dürfte die Bedeutung von Qv&fiög hiedurch nichts weniger als klar werden.
Es erschwert sehr das Verstand niss, dass Westphal sich darauf steifte novg als Takt aufzufassen, wozu in Aristoxenus' Lehre nicht die mindeste Nöthigung vorliegt, wo im Gegentheil vielmehr die Anwendung des Wortes Takt, welches für uns einen vollkommen unzweifelhaft festgelegten Begriff ausdrückt, contraindiciert ist. Würde doch hiedurch die wunderbar logische Auseinandersetzung Aristoxenus' unlogisch, wie die Schwierig- keiten zeigen, auf die Westphal selbst stösst. Es möge hier in Kürze der Gedanke des Aristoxenus angedeutet werden.
Da der Rhythmus im weiteren Sinne (der grosse Rhyth- mus) genau denselben Gesetzen unterworfen ist, wie der Rhyth- mus im engeren Sinne (der kleine Rhythmus), so bezeichnet Ari- stoxenus die kleinste rhythmische Gruppe des grossen Rhythmus genau wie die kleinste rhythmische Gruppe des kleinen Rhythmus als novg oder Fuss. Darum be- zeichnet er auch das xälov unter gewissen Bedingungen als novg. Damit nun die kleinste Gruppe sowohl des grossen wie des kleinen Rhythmus der aloxhjatg als Einheit erscheine, muss sie mindestens zwei Accente haben, einen Haupt- accent (&doig) und einen Nebenaccent (ÜQffig). Sie kann aber auch drei Accente haben, einen Hauptaccent und zwei Neben- accente, welch' letztere wieder an sich im Verhältniss von $ioiq und äjHTig stehen. Mehr als vier Accente derselben Ord- nung kann eine rhythmische Gruppe überhaupt nicht haben, weil eine grössere Abstufung — müssen ja die vier Accente unter einander verschieden sein — vom Ohr nicht gefasst werden kann.*
2t](ieTöv bedeutet einfach den Accent, welcher die Grup- pierung der Empfindung bemerkbar macht, und hat an sich mit einer Takteintheilung nichts, mit dem Taktschlag aber nicht das Mindeste zu thun.8 Es ist auch unmöglich, dass
1 Theorie der musischen Künste, 111/j Bd., p. 1.
* Vgl. Theorie der musischen Künste, I. Bd., p. 110 ff.
* Man beachte die wundervollen Rhythmen Beethoven's in seinen Scherzis der Symphonien, die trotz des dreischlägigen Taktes (*/4) häufig zwei-
8
III. Abhandlung: Kühnert.
arjiietov, wie Dr. Baumgart will, den XQdvog itQ&rog bezeichne. Der Daktylus hat mindestens vier Chronoi protoi, aber nur zwei Accente (Semeia).
Nehmen wir ein Beispiel aus unserer Poesie und zwar: Im Hexameter steigt des Springquells flüssige Säule,
_ — I W *-/ • I I W V-/ I KS
Hier ist der XQÖvoq TtQ&vog die Kürze ^. FLobg davv&eTOQ ist jeder einzelne Versfuss, dem eine &t<Hg und ÜQGig zukommt.1 Als nötig ovvd'€TOs treten hier auf: ,1m Hexameter steigt' und ,des Springquells flüssige Säule'. Im ganzen Distichon ist nun wieder der Hexameter wie der Pentameter rtobg avv&ezog.
Wir erhalten also folgende übersichtliche Gruppierung:
■
V A
Im Hexameter steigt des Springquells flüssige Säule
Accente l. Ordnung & a
' I '
— w \j \ _ —
1. XQÖvoi noSixol
& a i & a \ S a
w ks
& a
& a = noösq da&v&eto*
Accente 2. Ordnung
=ss nödeg <röv&£T(u
2. X^. ^o*o„«c »«i { } s ? JK So!
Accente 3. Ordnung a & = noifg <r6v&fzo$
zu 12 XQ^V0L noSutol aus den einzelnen Verstössen und zu 2 aij/LLtta als
Fuss (im grossen Rhythmus) an sich.1
So wird auch klar, was Aristoxenus sagt:3 ,Durch das eben Vorgetragene darf man sich aber nicht zu der irrigen Meinung verleiten lassen, als ob ein Fuss nicht in eine grössere Anzahl von Theilen als vier zerfalle. Vielmehr zerfallen einige Fiisse in das Doppelte der genannten Zahl, ja in ihr Vielfaches. Aber nicht an sich zerfilllt der Fuss in solche grössere Menge, son- dern die Rhythmopöie ist es, die ihn in derartige Abschnitte
schlägig sind, z. B. in der IV. B-Dur., Qiaig wie &Qctv<; sind jedes ein G7\(jlüov, ein Zeichen, das uns den Rhythmus fühlbar macht.
1 Thesis und Arsis sind hier auf Grund der Untersuchungen Westphals (Theorie, Bd. I, p. 103 ff.) auch in der Prosodik sowie in der Musik ge- nommen, dass Thesis den schwerbetonten, Arsis den leicht betonten Theil nieint.
8 Theorie, I. Bd., p. 122, 123.
• Theorie der musischen Künste, Bd. I, p. 118; vgl. auch Bd. HI/,, p. 167 ff.
XJeber den Rhythmus im Chinesischen. 9
zu zerlegen heisst. Die Vorstellung hat nämlich auseinander zu halten: einerseits die das Wesen des Fusses wahrenden Accente (Semeia), andererseits die durch die Rhythmopöie bewirkten Zertheilungen (Semeia). Und dem Gesagten ist hin- zuzufügen, dass die Accente (Semeia) eines jeden Fusses überall wo er vorkommt, dieselben bleiben, sowohl der Zahl als auch dem Megethos nach, dass dagegen die aus der Rhythmopöie hervorgehenden Zertheilungen eine reichere Mannigfaltigkeit gestatten.
Nach Hanslick l ist der Rhythmus eine Einheit, zu welcher aufeinander folgende Zeittheilchen sich zusammenfassen und ein anschauliches Ganze bilden.
Hauptmann8 nennt das stetige Mass, wonach die Zeit- messung geschieht, Metrum, Rhythmus die Art der Bewegung in diesem Masse.
Nach diesen Definitionen schon könnte man sagen, dass jeder der betreffenden Herren empfand, wo Rhythmus sei, wenige jedoch in der Lage waren, das Wesen des Rhythmus anzugeben. Wer aber nach Durchlesung derselben angeben sollte, was Rhythmus sei, dürfte höchstens sich zur Antwort herablassen: ,Rhythmus ist Rhythmus/ Diese Schwierigkeiten werden noch vermehrt, wenn man auf den sprachlichen Ge- brauch des Wortes Rhythmus sich beziehen will.
So sagt man z. B. : ,Steht die Hebung vor der Senkung, so ist der Rhythmus des Versfusses fallend. Steht aber die Senkung vor der Hebung, so ist der Rhythmus steigend/ So hat /Treue* einen fallenden, ,bewusst' einen steigenden Rhythmus.
^Rücksichten auf Wohlklang und Rhythmus sowie auf die Anknüpfung des Satzes (in der Prosa) gestatten Abweichungen von der geraden Wortfolge (Inversionen)/
Berlioz3 sagt an einer anderen Stelle: ,Dieser Rhythmus besteht einzig und allein aus einem Daktylus, dem ein Spon- deus folgt, und wird ununterbrochen bald dreistimmig, bald einstimmig, dann wieder von allen Stimmen zugleich fort- geführt/
1 Ed. Hanslick, Vom musikalischen Schönen. VI. Aufl., p. 162.
* M. Hauptmann, Die Natur der Harmonik und der Metrik. II. Aufl., p. 211.
* 1. c. p. 52.
10 IH. Abhandlung: Kühnert.
Bezüglich des Chinesischen sagt v. d. Gabelentz:1 ,Gerne werden mehrere Sätze von gleicher Silbenzahl aneinander ge- reiht, zumal viersilbige. Nor erwarte man nicht, dass der an- genommene Rhythmus in eintöniger Weise ununterbrochen herrsche. Der ' Rhythmus ist theils einfach, d. h. aus je gleich- langen Sätzen bpstehend, theils zusammengesetzt, d. h. derartig, dass Sätze von verschiedener Silbenzahl in gleicher Reihen- folge wiederkehren. Folgende8 Satztheile dürfen bei Messung des Rhythmus ungezählt bleiben (sie !), also überzählig sein, ohne den Rhythmus zu stören: satzeröffnende Conjunctionen, Adverbien, Interjectionen , die Negation >^ put, wenn der Parallelsatz an dieser Stelle einen positiven Ausdruck hat; im Allgemeinen alle Satztheile, welche in den folgenden Gliedern stillschweigend weiter wirken/
,Was der Ton dem Worte, ist der Rhythmus dem Satze/ heisst es bei Wade,4 wogegen Mateer6 erklärt: ,Unter rhyth- mischer Emphase des Satzes ist verstanden der relative Grad der Emphase, welcher den einzelnen Wörtern gegeben wird, ihre Vertheilung in Gruppen, und die Schnelligkeit oder Lang- samkeit, mit welcher sie einzeln gesprochen werden.'
Premare6 vergleicht in seiner bisher nicht übertroffenen, dem Sprachgeiste völlig adäquaten Erläuterung des Chinesischen den Rhythmus mit den Versen in der französischen Poesie, welche freie und gemischte genannt werden, weil nach dem Wohlgefallen des Dichters längere mit kürzeren untermischt sind. Er vergleicht ihn mit dem numerus oratorius und ftihrt zur Erläuterung Cicero's Stelle an : O singularem sapientiam judices etc. ; deutet darauf hin, dass ein Element des Rhythmus in dem Verhältniss der Betonungen ping und tse zu suchen sei, welche ähnlich wie die Quantität der Silben bei der an- tiken Metrik und Poesie den Rhythmus bestimmen, und schliesst mit dem Satze: Frustra hie adderem minuta praeeepta multa-
1 Gabelentz, G. v. d. Grammatik, p. 344.
* 1. c. p. 619, §. 1454.
" 1. c. p. 520, §. 1466.
4 Tzu erh chi, Vol. I, p. 9. II. Aufl.
B C. W. Mateer, A course of mandarin lessons, p. XX.
0 Premare, Notitia linguae sinicae, Malacca 1831, p. 190 — 192.
Ueber den Bhjthmus im Chinesischen. 1 1
que in variis ad exempla quae proferam notis longe melius insinuabuntur et clarius per ipsamet exempla intelligentnr.
Dies dürfte an Citaten über den Rhythmus im Chinesi- schen genügen, um zu zeigen, dass auch hierin von dem eigentlichen Wesen des Rhythmus in den seltensten Fällen gehandelt wird.
Bezüglich der zunächst zur Frage kommenden Bedeutung der Sprachrhythmik sagt treffend Hauptmann:1 ,Die Sprach- rhythmik an sich, von der Metrik abgesehen, ist in ihren Quantitätsnuancen vergleichbar der Sprachmelodie, der Wort- und Silbenbetonung in Absicht auf Höhe und Tiefe des Klanges. So wenig als diese in harmonischer Intervallbestimmung dar- zustellen sein würde, wiewohl sie eben auch den Sprachton sich heben und senken lässt; ebenso wenig ist eine Bestimmung festzusetzen für die unendlichen Abstufungen und Uebergänge, in welchen der Rhythmus der Redetheile sich den rein metrischen Formen nähert, mit ihnen zusammentrifft und wieder von ihnen abweicht; indem er in der gemessenen Rede im Ganzen doch das Mass hält und auch in den Gliedern der- selben eins zu sein scheint.
Es würde aber geradezu absurd zu nennen sein, wenn man sich einbilden wollte, ein poetisch belebter Redevortrag müsse oder könne den mathematischen Formbestimmungen einer starren Metrik sich überall genau anschliessen, oder diese selbst in aller Strenge darstellen. Die metrische Form ist das feste Skelett, das Knochengerüst, um welches das Weiche, dem das Leben innewohnt, sich bildet, in rundenden in sich selbst über- gehenden Formen, die des fest bestimmten Haltes wohl nicht entbehren können, diesen selbst aber nicht, oder doch nur in verhüllenden, in gemilderten, scheinbar sich selbst bestimmenden Umrissen erscheinen lassen.
Der antike Vers hat die sprachlichen Quantitätsbestim- mungen zu seinem formellen Kunstelement: Länge und Kürze der Silben. Der moderne Vers setzt für die Länge die accen- tuirte, die logisch betonte Silbe, für die Kürze die unbetonte, die accentlose.'
1 Natur der Harmonik und Metrik, p. 842.
12 III. Abhandlung: Kuhnert.
Durch kritische Beleuchtung der im Vorhergehenden ge- gebenen Citate dürfte es möglich sein, mit Bezug auf die Bedeutung des Wortes Rhythmus ($v&(i6g) sich das Wesen desselben; d. i. seine charakteristischen Eigentümlichkeiten klar zu machen.
Das griechische Wort Rhythmus wurde angewendet in dem Ausdrucke: im Schritt marschieren (iv Qv&(i$ ßalveiv), im Takte tanzen (iv $v&it$ ÖQ%uo&ai), für die harmonische Bewegung der ungebundenen Rede, den Wohlklang der Rede (numerus oratorius), das Ebenmass der einzelnen Theile eines Ganzen, das richtige, schöne Verhältniss derselben (Proportion), überhaupt von jeder nach einem gewissen Ebenmass bestimmten Gestalt, für Charakter, Sitte, Gemüthsart.1 Hienach erscheint das Wort Rhythmus nach jetzigem Sprachgebrauch in zwei- facher Anwendung, einer engeren und einer weiteren. Einmal nämlich zur Bezeichnung der accentuierten Bewegungsart in einer angenommenen Zeiteinheit, welch1 letztere durch die Bewegungsart als anschauliches Ganzes der Empfindung sich darstellt; das andere Mal für das schöne Verhältniss der Theile eines Ganzen, das sich aus Bewegung zusammensetzt, weil die Anschaulichkeit des Ganzen ein richtiges schönes Verhältniss der einzelnen Theile bedingt.
In diesem Sinne setzen die früher gegebenen Definitionen von Hanslick und Hauptmann auch den Begriff des Rhythmus fest.
Dass nicht die Taktart in der Musik den Rhythmus aus- macht, lässt sich an einem Beispiele sofort erkennen. In der Tanzmusik haben z. B. Menuett, Walzer, Polka Mazur dieselbe Taktart, den 3/* Takt. Trotzdem wird jeder Tänzer bei den ersten Klängen im Klaren sein, ob man eine Menuett, einen Walzer oder eine Polka Mazur beginne. Nicht einmal den ganzen ersten Takt, geschweige denn das ganze Musikstück braucht er zu hören, um darüber zur Entscheidung zu kommen. Da sich nun diese drei Tänze und deren adäquate Musik durch den Rhythmus unterscheiden, so kann derselbe nicht durch die Taktart gebildet werden, einfach deshalb, weil diese bei allen dreien gleich ist. Eine Gleichheit kann aber nie und nimmer einen Unterschied bewirken.
1 Paasow, Griech. -deutsch. Wörterb. s. v. $v$juöe.
Ueber d«o Rhythmus im Chinesischen. 13
Ebenso wenig kann der Rhythmus in der regelmässigen Wiederholung von Gegensätzen bestehen.
Der Jambus besteht aus Kürze und Lauge oder aus Senkung und Hebung. Vom Jambus aber sagen wir, dass er steigenden Rhythmus hat. Wo ist hier eine Wiederholung? Eine Kürze, eine Länge oder eine Senkung, eine Hebung, nirgends etwas wenigstens nur doppelt, wie es der Begriff der Wiederholung bedingt; noch mehr, wo ist hier eine Wieder- holung von Gegensätzen? Eine Kürze und eine Länge oder eine Senkung und eine Hebung bilden zusammen einen Gegen- satz. Wo sind die absolut erforderlichen zwei Gegensätze beim Jambus, wenn in der Wiederholung der Begriff des Rhythmus läge? Nirgends, und doch hat der Jambus einen Rhythmus.
Der Jambus jedoch ist eine Einheit, die aus zwei auf- einanderfolgenden Zeittheilchen gebildet wird, welche durch die Accente (Senkung, Hebung) sich der Empfindung als an- schauliches Ganze kundgibt.
Im Jambus haben wir das Gesetz, dass die Kürze vor der Länge oder die Senkung vor der Hebung stehen muss. Ein Wechsel ist infolge dessen vorhanden, und so wäre in diesem Falle die oben (p. 4) angeführte Definition richtig. Wie ver- hält es sich aber mit dem Spondeus ?
Nach der antiken Metrik, heisst es, werde nur nach Quan- titäten gemessen, und daher müsste ein Wechsel langer und kurzer Silben den Rhythmus bilden. Dann könnte aber der Spondeus keinen Rhythmus besitzen, weil Länge und Länge kein Wechsel von Länge und Kürze ist. Dessenungeachtet schreibt die antike Metrik dem Spondeus einen Rhythmus zu. Demnach ist die Definition des Rhythmus als Wechsel langer und kurzer Silben zu enge.
Der Spondeus aber als Einheit von zwei Längen, auf deren erste die Hebung, auf deren zweite die Senkung fällt oder umgekehrt, stellt sich hiedurch der Empfindung als an- schauliches Ganze dar.
Hieraus erhellt, dass auch für die antike Rhythmik der Accent mit ein Erforderniss ist.
In ähnlicher Weise geräth Berlioz mit sich in Wider- spruch , wenn er bei der Analyse des Allegrettos aus der VII.
14 III. AbUndlunf : Kfthnert.
Symphonie Beethovens sagt:1 ,Der Rhythmus besteht einzig aus einem Daktylus, dem ein Spondeus folgt/ Dass diese Folge einen Rhythmus gibt, leugnet wohl niemand, dass hier aber eine sym- metrische Eintheilung des Zeitmasses vorläge, dürfte kaum ohne weiteres zugestanden werden. Denn eine Länge zwei Kurzen zwei Längen sieht wenigstens nicht symmetrisch aus.
Nichtsdestoweniger liegt in dieser Folge Rhythmus, weil sich in derselben aufeinanderfolgende Zeittheilchen zu einer Einheit zusammenfassen und durch die Accente als anschau- liches Ganze der Empfindung darstellen.
Ein sich drehendes Transmissionsrad hat Bewegung, gibt aber keinen Rhythmus, weil diese Bewegung der Accente entbehrt.
Weiter in die einzelnen Definitionen einzugehen, dürfte überflüssig sein, weil eigenes Nachdenken jeden dahin führen wird und führen muss, die Richtigkeit oder die Mängel der- selben zu ergründen.
Das Wort Rhythmus findet auf grössere rhythmische Ge- bilde gleichfalls Anwendung. So sprechen wir von einem Rhyth- mus des Verses, der Strophe, des Gedichtes, vom Rhythmus der Sätze und Perioden in der Musik. In allen diesen Fällen hat man mit der Definition Hanslick's das Auslangen.
Die übliche Bezeichnung des Versmasses und Angaben wie etwa: den Vers bilden fUnffussige Jamben, deuten uns nur auf den Rhythmus des Versfusses, nicht aber auf den Rhythmus des Verses. Hauptmann sagt daher mit Recht: ,Die gebräuchlichste Art das Versmetrum zu bezeichnen, wie sie für die rhythmischen Nuancen einer genauen Unterscheidung er- mangelt, befasst sich auch nicht damit, über die innere metrische Beschaffenheit des Verses Aufschluss geben zu wollen.' Es be- stehen solche Angaben nur in einer äusseren Zusammenzählung der Glieder; von der inneren Structur der metrischen Form ist ganz abgesehen, denn man erfährt durch eine solche Be- zeichnung nicht viel mehr, als durch die Angabe nach Silben- zahl und darf die Benennungen eben nur als Namen für Sachen
1 Berlioz, Gesammelte Schriften, Bd. I, p. 62. 8 Natur der Harmonik und Metrik, p. 334.
Ueber den Rhythmus im Chinesischen. 15
betrachten, die ihrem Inhalte and ihrer Eigenschaft nach uns schon bekannt sein müssen/1
Ein fÜnfiUssiger trochäischer Vers ist es nicht, wenn nur schlechthin fünf Trochäen aneinander gereiht werden, es müssen noch gewisse Accentverhältnisse hinzutreten, damit der Vers sich der Empfindung als Einheit darstellt, mit anderen Worten, dass der Vers einen Rhythmus erhält. Im ersten Falle haben wir nur den fünfmal wiederholten Rhythmus des Trochäus, im zweiten jedoch einen fünffüssigen trochäischen Vers, in welchem sich ausser dem fünfmal wiederholten Rhythmus des Trochäus noch ein weiterer Rhythmus kund geben muss, welcher den Vers als ein anschauliches Ganze der Empfindung markiert.
Aus gleichem Grunde kann man nicht sagen: Der Ga- lopp des Pferdes ist Rhythmus, sondern nur: Im Galopp des Pferdes ist Rhythmus.
/Treue, Schnupfen, Pferde, Menschen* bilden keinen vier- füssigen trochäischen Vers, sondern sind nur vier einzelne Tro- chäen; hingegen sind:
,Wol1te Gott, es war' vorüber' ,Ob die ersten Lerchen schweben'
sicher vierfüssige trochäische Verse, weil sie durch die Accente höherer Ordnung (Senkung, Hebung), sich als eine Einheit und ein anschauliches Ganze der Empfindung fühlbar machen.
So hat z. B. einen Accent ,Gott', es ist der schwächere, den zweiten ,wär' und dies ist der stärkere. Aber selbst jeder dieser Theile gruppiert sich wieder aus zwei Theilchen, nämlich einem mit stärkerem und einem mit schwächerem Accent, und zwar hat im ersten Theile ,Gott* den stärkeren, , Wollte' den schwächeren; im zweiten Theile ,wär' den stärkeren, ,ü< den schwächeren.
Lediglich in diesem Rhythmus im weiteren oder höheren Sinne, ohne den der Vers nicht Vers sein kann, ist der Grund gegeben, warum im sechsfiissigen jambischen Vers nach dem dritten Fusse eine überzählige Senkung und eine Diäresis, im achtfüssigen trochäischen Vers nach dem vierten Fuss eine
1 Natur der Harmonik und Metrik, p. 317.
16 m. Albandhtnf : Kübnert.
Diäresis stehen, warum im Hexameter im dritten Fuss eine Cäßur vorhanden sein, im Pentameter die Mitte durch eine Diäresis markiert werden muss. Ohne diese Merkzeichen konnten sie sich nicht der Empfindung als eine Einheit darstellen, zu der aufeinander folgende Zeittheilchen sich zusammenfassen und ein anschauliches Ganze darstellen. Sie hätten keinen Rhythmus im höheren Sinne und wären sonach keine Verse.1 Dass mitunter auch bei wirklichen Dichtern eine Ver- letzung dieses Rhythmus im höheren Sinne unterläuft, darf uns nicht irre machen. Es tritt dies immer ein, wenn man zu Gunsten des Versmasses von der normalen und logisch geforderten Betonung abweichen muss.2 Hiedurch ergibt sich ein rhythmischer Widerspruch, nämlich zwischen dem Rhythmus im engeren und weiteren Sinne, so z. B. in Bürger's ,Der Kaiser und der Abt' bei der Stelle: ,Hans Bendix soll ihm nicht die Schafe mehr hüten', wo eine Verletzung des ästhetischen Gefühls eintritt. Die logischen Hauptbetonungen müssen un- bedingt auf ,8oll' nicht jinehr* fallen, wogegen nach dem Rhyth- mus des Verses die Hauptbetonung im Gegentheil auf ,ihm' zu legen ist. Hans Bendix soll Schaf hirte überhaupt nicht mehr sein, nicht aber blos dem Abt von St. Gallen keine Schafe mehr hüten, hingegen jedoch anderen Leuten. Dies zeigt die Strophe deutlich:
Wir lassen dem Abt von St. Gallen entbieten : Hans Bendix soll ihm nicht die Schafe mehr hüten, Der Abt soll sein pflegen, nach unserm Gebot, Umsonst bis an seinen sanftseligen Tod.
Genau die kurz zuvor erwähnten Verhältnisse treten auch in der Musik zu Tage und müssen zu Tage treten, weil die Musik ihre Gebilde auf dem Rhythmus im engeren und wei-
1 J. Minckwitz, Lehrbuch der deutschen Venkunst, p. 100 sagt: ,Jeder längere Vers muss eine Cäsur oder einen Einschnitt haben. Er ist für den Rhythmus wesentlich und hat die Aufgabe zu verhindern, dass diese Verse in zwei gleiche Hälften zerfallen1, d. h. dass nicht jede Hälfte als Ganzes erscheine. 9 Dies trifft natürlich nicht Verse wie:
Während der frischhauchende Wind auf das Topsegel bläst, Sehen die Schiffsleute beglückt über die Meerfluth hinaus. Vgl. J. Minckwitz, Lehrbuch der deutschen Verskunst, p. 26, 87. 22.
Ueber den Rhythmus im Chinesischen. 17
teren Sinne aufbaut. Man sehe das Allegrefto der bereits citierten A-Dur Symphonie Beethoven's. Durch das accordliche Material werden die aufeinander folgenden Wiederholungen des sich gleichbleibenden Rhythmus im engeren Sinne, mit der Accentuierung des Rhythmus im weiteren Sinne bedacht, so dass wir folgendes anschauliche Ganze des ersten Satzes, d. i. der Aufeinanderfolge von Daktylus Spondeus Daktylus Spon- deus erhalten.
Durch die Halbkadenz auf dem ersten (Quintsextaccord) und den Ganzschluss auf dem zweiten Spondeus werden diese vier Rhythmen im engeren Sinne zu einer aus zwei Theilen bestehenden Einheit zusammengefasst und derart durch Accente zweiter Ordnung markiert, dass die beiden Theile im Verhältniss von Frage zu Antwort also von Hebung zu Senkung stehen. Durch den Bassgang ergeben sich Accente dritter Ordnung. Nämlich der erste Daktylus steht zum ersten Spondeus im Ver- hältniss von Senkung zu Hebung, ebenso der zweite Daktylus zum zweiten Spondeus.
Das Charakteristische des Rhythmus besteht so- nach in der Aufeinanderfolge einzelner als solcher erkennbarer Theile, die durch die Accentuierung sich zu einer Einheit für die Empfindung gruppieren. Die Erkennbarkeit der einzelnen Theile wird erreicht durch im Verhältniss zu einander längere oder kürzere Dauer derselben und durch Accente verschiedener Ordnungen.1
Dieses Charakteristische eignet auch dem oratorischen Numerus, der natürlichen Harmonie des Stils, und daher kann man auch von einem Rhythmus in der Prosa reden. Wohl- klang ist die Seele guten, will sagen schönen Stiles und zwar Wohlklang in einzelnen Wörtern und Wortfügungen (Eupho- nie), Wohlklang in Perioden und deren Gliedern (Numerus oder Rhythmus). Dieser Wohlklang der Rede wird bei unseren europäischen Sprachen befördert durch ein schönes Verhältniss zwischen Vocalen und Consonanten, zwischen einsilbigen und mehrsilbigen Wörtern, zwischen kürzeren und längeren Satz- gefügen, durch das schöne Verhältniss schneller zu sprechender
1 Vgl. Theorie der musischen Künste der Hellenen. A. Rossbach und B. Westphal, Bd. I, p. 42. ßitzungBbw. d. phil.-hist. Cl. CXXXIV. Bd. 3. Abb. 2
18 HL Abhandlung: Kfthntrt.
and flüchtiger zu berührender Wortgruppen, Satztheilen u. s. w. zu solchen, auf welchen die volle Wucht des Gedankens, des Tones, der Stimmerhebung feilt.1 Welch schönen Rhythmus haben nicht die folgenden Zeilen Matthisson's: ,Nur einmal möcht' ich, eh in die Schattenwelt Elysiums mein seliger Geist sich senkt, die Flur noch segnen, wo der Kindheit himmlische Träume mein Haupt umschwebten/ '
Wir unterscheiden in unseren europäischen Sprachen den Silbenaccent, die Dauer der einzelnen Silben markierend, ob scharf oder schwach geschnitten; zur Fixierung des Begriffes den Wortaccent, als Hervorhebung der logisch geltenden Silbe (Hochton) durch Hebung, Tonstärke und längere Dauer der- selben (grammatischer Accent); den Satzaccent als Hervor- hebung des logisch wichtigen Wortes im Satze durch grössere Tonstärke als Charakteristik der Satzarten (oratorischer Accent) und zum Ausdruck der verschiedenen Affecte des Sprechenden ' (pathetischer Accent) durch Tonhöhe und Dauer (Satzmelodie). Alle diese Accente nehmen theil an der Bildung des Rhythmus.
Das Charakteristische des Rhythmus eignet auch der chine- sischen Sprache, wird vom Chinesen als solches aufgefasst, wes- halb er die Begriffe Stil der Rede, Rhythmus, Melodie mit einem und demselben Charakter |£| diao bezeichnet. Vom gewöhn- lichen Satze in der Umgangssprache, bei dem sich infolge der logischen Accente (Senkung, Hebung, Tonstärke) der schneller oder langsamer zu sprechenden Worte mit Rücksicht auf jene, der schicklichen Wahl der Worte in Bezug auf die jedem ein- zelnen Worte zukommenden Shengs, ein Wogen und Wallen bemerkbar macht, also ein Rhythmus in der Rede schon fühl- bar ist bis zu den sublimsten Gebilden schönen Stils, in denen der Rhythmus im engeren und weiteren Sinne eine wichtige Rolle spielt, überall bekundet sich ein der Empfindung sich aufdrängendes, anschauliches Ganze aufeinanderfolgender Zeit- theilchen. Der Rhythmus ist organisch verbunden mit der chine- sischen Sprache.
Der einfachste Satz wie etwa: ,Dies ist nicht mein Fehler* hat oft im Chinesischen einen Rhythmus, wie wir Europäer ihn
1 Schleintnger, Grundzüge der Beredsamkeit, p. 164. •
* Alc&iflche Strophe.
Üeber den Rhythmus im Chinesischen. 19
nur in unserer gebundenen Rede anwenden; ja selbst einzelne Ausdrucke für einen Begriff z. B. tschän-tschän-tschlng-tschlng-ti für ,zitternd', höei-tschjü für ,heimkehren' weisen einen solchen auf. Dies wird jeder aus Erfahrung bestätigen , der unter An- leitung eines Chinesen die Sprache studierte, wenn er sich der Mühe erinnert, welche sich der betreffende Chinese gab, damit der Europäer genau seinen Rhythmus nachahmte, ohne den eben derartige Ausdrücke absolut unverständlich sind. Man kann allerdings in solchen Fällen beim schriftlichen Gedankenausdruck den Rhythmus nur durch Analoga aus bekannten Sprachen oder noch besser durch notliche Darstellung beschreiben.1 Das chine- sische Aequivalent des früher erwähnten Satzes ,Dies ist nicht mein Fehler' offenbart einen Rhythmus, der völlig identisch ist mit jenem der folgenden deutschen Worte: Der Altar prangte im Glanz.
Oder sollte jemand zweifeln, dass dieser deutsche Satz einen Rhythmus hat?
Es ist ein regelrechter vierflissiger daktylischer Vers, der durch eine Diäresis in zwei Hälften getheilt wird. Jede Vers- hälfte ist unvollzählig und hat einen männlichen Schluss. Der erste Versfuss ist ein Spondeus, wie solcher stets für einen Daktylus eintreten kann. In der ersten Vershälfte fällt der schwächere ^Accent auf ,der', der stärkere auf ,tar', in der zweiten Hälfte der schwächere auf ,prang', der stärkere auf ,Glanz'. Die erste zur zweiten Hälfte steht im Verhältniss von Senkung zu Hebung, da die Accente der zweiten Hälfte stärker sind als jene der ersten. So haben wir denn nach der üblichen metrischen Bezeichnung folgendes rhythmisches Gebilde:
1 ^ I > II v w w | >_ • So wie nun im modernen Vers der Rhythmus durch die logischen Accente entsteht, sind diese auch mit Ursache des Rhythmus im Chinesischen.
1 So ist der Rhythmus für tschan tschan tsching tschingti:
s Oder deutlicher in Notenschrift:
El J J U MH J^PTI
,8*
20 UI. Abkaadhuf : K«hn«ri.
Demnach ist es vollständig zutreffend, wenn Mateer sagt: ,Unter Rhythmus des Satzes im Chinesischen ist verstanden: der relative Qrad der Emphase, welcher den einzelnen Worten gegeben wird, ihre Vertheilung in Gruppen und die Schnellig- keit und Langsamkeit, mit welcher sie einzeln gesprochen werden/
Dieser Rhythmus des einfachen Satzes ffthrt zu den rhythmischen Gebilden im Stil, die dann einen Rhythmus im weiteren Sinne darstellen. Von letzterem — freilich blos in derselben unbestimmten Ausdrucksweise, wie in der Prosodik unserer Sprachen, wo nur von einer Abzahlung der Silben die Rede ist, nicht aber von der innersten Structur, dem eigent- lichen Wesen des Rhythmus — handeln die anderen rücksicht- lich des Chinesischen angeführten Citate wie: ,Gerne werden mehrere Sätze von gleicher Silbenzahl aneinandergereiht, zumal viersilbige. Nur erwarte man nicht, dass der angenommene Rhythmus1 in eintöniger Weise ununterbrochen herrsche/
Hier ist Rhythmus im engeren Sinne analog dem Rhyth- mus des Verstosses genommen. So wenig aber vier Längen oder vier Kürzen an sich ein Rhythmus sind, weil sie erst durch die Accentuierung sich der Empfindung fühlbar machen, und so wenig — wie oben erläutert — fünf willkürlich an- einandergereihte Trochäen einen fUnfiEÜssigen trochäischen Vers geben ; ebensowenig ist die blosse Aneinanderreihung beliebiger vier Schriftzeichen oder Silben im Chinesischen ein Rhythmus im engeren Sinne, noch weniger aber ist die blosse Aufeinander- folge von viersilbigen Sätzen ein Rhythmus im weiteren Sinne. Denn hätte auch jeder einzelne der viersilbigen Sätze einen, z. B. den vierschlägigen Rhythmus, ja hätten alle aufeinander- folgenden Sätze den gleichen vierschlägigen Rhythmus, so könnte man einem derartig losen Gefüge ebensowenig Rhythmus zu- sprechen, wie den früher erwähnten Trochäen: Treue, Schnupfen, Pferde, Menschen; denn es wäre nur eine x-malige Wiederholung des gleichen vierschlägigen Rhythmus, die das chinesische Ohr ebenso beleidigen würde, wie unsere Ohren der Satz: ,Manche
1 Also der vierschlägige , somit wird die Verbindung von vier Silben ein Rhythmus genannt und nicht die Wiederholung von je vier Silben als Rhythmus bezeichnet.
Ueber den Rhythmus im Chinesischen. 21
Menschen klagen immer über ihre Leiden ohne deren wahre Quelle zu erforschen/ in welchem ein Rhythmus wiederholt wird, dem aber als Ganzes betrachtet Rhythmus abzusprechen ist.
Man hatte diesen Mangel in der Auffassung des Wortes wohl gefühlt und darum als Auskunftsmittel zur Einführung des Parallelismus1 gegriffen, den man als Vereinigung von Rhythmus und Antithese angibt. Dies ist aber unnöthig. Der richtige Begriff des Rhythmus (im engeren und weiteren Sinne nämlich) umschliesst Alles von derartigen Erscheinungen. Ueber- haupt kennt der Chinese nur den Rhythmus, und eine einfache Wiederholung eines niederen Rhythmus ist im Chinesischen ebenso verpönt wie im Deutschen, also brauchte man für den Rhythmus im weiteren Sinne nicht das Wort Parallelismus, scheinbar als neuen Begriff einzuführen.
Wie bemerkt und wohl selbstverständlich ist, basiert der Rhythmus im Chinesischen auf der Sprechweise. Würde jedes einsilbige Wort gleich lang ausgesprochen und hätte ein solches lediglich nur die ihm logisch nothwendige Stimmbiegung (den Sbeng) nicht aber noch einen weiteren Accent, dann könnte das Chinesische überhaupt keinen Rhythmus haben oder, wenn man die Accente zugibt, nur einen spondeischen. Da aber die Empfindung uns belehrt, dass das Chinesische über die mannig- fachsten Rhythmen verfügt, so muss nach dem, was über Rhyth- mus gesagt wurde, ein Unterschied zwischen schnellerer und langsamerer Bewegung, ein Unterschied in der Accentuierung vorhanden sein. Dies kann im Chinesischen aber nur ebenso wie im modernen Versbau durch die logischen Accente erreicht werden und durch das Verhältniss der einzelnen Stimmbiegungen, und zwar namentlich der beiden sich gegenüberstehenden Hauptstimmbiegungen Ping undTse, durch welche, wie die Chinesen lehren, ein analoges Verhältniss zum Ausdruck kommt, wie das von Länge und Kürze.
Man huldigt in Europa meist der Ansicht, das Chinesische müsse, da es der Hauptsache nach eine einsilbige Sprache
1 Was die Chinesen «f Bjg dh'i Um nennen, ist ganz etwas anderes als was in dieser Angabe unter Parallelismus verstanden wird. Davon später.
22 m. iUioAuc: Kftfcn«rft.
ist, abgehackt klingen. Das (iegentheil aber trifft das Rich- tige. Wenn zwei Chinesen mit einander sprechen, klingt das Gespräch ebenso melodisch und flieset gleichfalls im ununter- brochenen Strome dahin, wie in den europäischen Sprachen. Ja noch mehr, das Chinesische klingt in der Mehrzahl der Fälle musikalischer als die europäischen Sprachen. Hierin mag auch der Grund liegen, dass die Harmonie der chinesischen Musik fremd ist, geradeso wie wir bei den Italienern wohl den bei canto, aber keine ausgebildete Harmonik finden.
Die Shengs, oder wie man auch sagt die Töne, welcher sich das Chinesische zur Charakterisierung für einen bestimmten Begriff einer Silbe bedient, geben bereits einen Unterschied in der absoluten Dauer der einzelnen Worte. Sämmtliche Tse- sheng sind im V erhält niss zu den Ping-sheng kurz, trotzdem besteht unter den einzelnen Tse-sheng ein wesentlicher Unter- schied in der Datier des Klanges.
Beim Ping-sheng hallt die Stimme gleichmässig aus — wie ich in meinem Artikel über die Sheng bereits erwähnte1 — ; beim Shang-sheng setzt die Stimme kräftig und plötzlich ein und steigt mit einer gewissen Schnelligkeit, der Kjü-sheng setzt klar und ausgesprochen ein und nimmt hastig an Stärke ab, sich gleichsam in der Ferne verlierend. Beim Aju-sheng bricht die Stimme kurz und plötzlich ab, um sich gleichsam in sich zu verbergen. Hieraus zeigt sich schon, dass die Betonungen Ping und Tse nahe im Verhältniss von schwach und scharf geschnittenen Silben unserer Sprache stehen, dass jedoch be- züglich der schwach geschnittenen zwei Grade der Dauer, bezüglich der scharf geschnittenen drei Grade der Dauer im Chinesischen unterschieden werden. Es sind also zweifelsohne die Shengs ein Analogon unseres Silbenaccentes. Und nach- dem der Chinese sagt : ^p JJ^ ^ =p| die Ping und Tse stehen (hier) in keinem rhythmischen Verhältniss, von einer Stelle, bei welcher ein schönes Verhältniss der Ping und Tse nicht obwaltet, so folgt doch daraus, dass die Unterschiede der Ping- und Tse-sheng zur Hervorbringung des Rhythmus benützt werden.
1 S. Wiener Zeitechr. f. d. Kunde des Morgenlandes, Bd. VIII, p. 30S Anin.
Utber den Rhythmus im Chinesischen. 23
Aber das Chinesische besitzt auch ein Analogem des Wort- accentes. Auf den ersten Blick könnte es scheinen, als ob hier ein Widersprach mit der Einsilbigkeit der chinesischen Sprache vorliege. Dem ist aber nicht so. Unser Wortaccent hat den Zweck die logisch geltende Silbe herauszuheben wie in: gäbet und Geb^t. Und diesen Zweck hat auch das Ana- logon im Chinesischen. Wie oben (p. 19) bereits hingewiesen, gibt es im Chinesischen für bestimmte Begriffe Ausdrücke, die sich aus mehreren chinesischen Worten zusammensetzen. Von diesen zu einer begrifflichen Einheit sich zusammen* fassenden Worten hat dasjenige, auf welches das logische Hauptgewicht ftdlt, den Hauptton. So in ,Heimkehren' hoei- 9Jä? 3)ä entsprechend dem deutschen Heim.
Da also hier das logisch wichtigste Wort dieser zu- sammengesetzten Ausdrucksweise, eben wegen seiner logischen Bedeutung den Hauptton erhält, dieser Accent aber, welchen einzelne Theile (Worte) einer solchen begrifflichen Einheit ausser dem Sheng erhalten, stets und immer an dem be- stimmten Worte dieser Zusammensetzung haftet und zwar auch isoliert von jedem Satzzusammenhange, so kann und darf man ihn dem Wortaccente unserer Sprachen, dem eine analoge Bedeutung zufällt, vergleichen.1 Es lässt sich für die Bepechtigung der Anwendung des Ausdruckes , Wortaccent' auf das Chinesische direct ein schlagender Beweis erbringen.
Entsprechend unserem fragenden , welcher?' gebraucht der Chinese ^ ||£, das shen-mo* (pek. 8hen*-mol) zu transcri- bieren wäre. Thatsächlich spricht der Chinese diese Verbindung y9ch6mmoi aus, wie wir dieses zweisilbige Wort aussprechen würden. Er assimiliert sonach das schliessende n von shen dem anlautenden m von mo, und dies ist in der innigen Ver- schmelzung dieser zwei Worte zu einem Ausdruck durch die lautphysiologischen Gesetze begründet.
Daraus kann nicht gefolgert werden, dass das Chinesische eine polysyllabische Sprache sei, noch weniger aber, dass die Anwendung des Ausdruckes Wortaccent mit dem Monosylla- bismus des Chinesischen im Widerspruch stehe.
1 Vgl. MOllendorff, Prakt. Anleitung zur Erlernung des Hochchinesiflchen, p. 153.
24 HI. Abhandlung: Kühnert.
Monosyllabisch ist das Chinesische auch heutzu- tage, und auch in Bezug auf solche Zusammensetzungen zu einer begrifflichen Einheit insoferne, ab jede Silbe für sich noch gegenwärtig einen Begriff ausdrückt und als Wort für sich angewendet werden kann. Nicht bo bei un- seren Sprachen. Setze ich einfach ,Gebet* an, so wird Jeder- mann beim Sprechen dies in gebet trennen. Durch den Wort- accent hingegen wird uns fühlbar gemacht, dass flir ,g£bet' der begrifflichen Einheit nach in geb-et, für ,GebeY in ge-bet zu trennen ist. Von den beiden Silben jedes dieser zwei Worte ist je eine Silbe jeder selbstständigen begrifflichen Bedeutung nach dem heutigen Sprachgefühle bar. So ist in göbet die Flexions- silbe ,et' isoliert bedeutungslos im Sprachgefühl, ingleichen ,ge' in Gebebt. Aber noch mehr, obwohl wir den begrifflichen Gehalt je nachdem der Silbe ,geb' oder ,bet' zuweisen, ist doch keine derselben als selbstständiges Wort bei der sprachlichen An- wendung im Gebrauch, jederzeit muss hier noch eine weitere Silbe zur sprachlichen Fixierung des Begriffes hinzukommen. Und darin liegt der wesentliche Unterschied zwischen den chinesischen zusammengesetzten Ausdrücken und dem Polysyllabismus unserer Sprache.
Wollte man jedoch das Chinesische wegen der häufigen innigen Zusammensetzung zweier oder mehrerer einsilbigen Worte zum Ausdruck eines Begriffes mehrsilbig nennen, dann müsste man das Deutsche nicht eine mehrsilbige, sondern eine mehrwortige1 Sprache nennen.
Man sollte meinen, derartiges speciell hervorzuheben, wäre ,Eulen nach Athen tragen', praktische Erfahrung jedoch hat mir gezeigt, dass die Betonung dieser Verhältnisse eine Not- wendigkeit sei.
Rhythmus ist die Seele der chinesischen Sprache und in ihm liegt das Gegengewicht gegen die Monotonie der Ein- silbigkeit. Der Rhythmus fast ausschliesslich — und zwar
, Heimkehren' ist eine Wortzusammensetzung aus Heim und zurückkehren für ,nach dem Heim zurückkehren*. Das chinesische hoH-gj& ist genau dieselbe Zusammensetzung, nämlich »zurückkehren* }Heimc. Beide unter- scheiden sich nur dadurch, daas im Chinesischen die grammatische Rection erhalten ist, im Deutschen nicht.
Ueber den Bbythmui im Chinesischen. 25
Rhythmus im engeren und weiteren Sinne — bildet das Hilfs- mittel zur Erkenntniss des sprachlichen Baues von einem chine- sischen Satze, einem Satzgefüge, einer Periode. Ebensowenig nun als in der Musik, deren Gebilde gleichfalls auf dem Rhythmus ruhen, durch eigene von den tonlichen Schriftzeichen verschiedene Marken die Abgrenzungen der Satztheile, Sätze, Perioden augenfällig gemacht werden, ebensowenig dünkt es dem Chinesen nothwendig die Abgrenzung der Satztheile, Sätze und Perioden seines literarischen Productes durch Interpunktions- zeichen dem Auge ersichtlich zu machen.
So wie in der Musik der Rhythmus und das rhythmische Geftihl die einzigen Leitsterne bleiben, so sind sie es auch im Chinesischen. Daher muss dort wie hier erst ein sorgfältiges Studium vorangehen, damit man das rhythmische Gebilde in seiner Gänze und in seinen Theilen erfasse, um es richtig wiedergeben zu können in der Musik beim künstlerischen Vor- trag, im Chinesischen bei der Uebersetzung.1
Der vortragende Künstler muss auf derselben Höhe musi- kalischer Bildung stehen wie der Componist, soll er eine Com- positum so vorführen, wie sie gedacht war; der Uebersetzer aus dem Chinesischen hinwieder muss auf derselben Höhe sach- licher Bildung in der behandelten Materie stehen, wie der Autor, dessen Werk übersetzt werden soll.
- Und wie das Erkennen und Verstehen der rhythmischen Gliederung einer Composition erste und unerlässliche, wenn auch nicht immer leicht zu erfüllende Bedingung ist für die derselben zukommende Geltung, so ist auch beim Chinesischen das Er- kennen und Verstehen der sprachlichen Gliederung durch den Rhythmus Sache eines eifrigen Studiums des gegebenen Textes, unerlässliche Bedingung, mit derselben allein jedoch keineswegs noch die correcte Wiedergabe des chinesischen Gedankens ver-
1 So hat Westphal (Theorie der musischen Künste, Bd. I, p. 71) das Fugen- thema von Bach's Kunst der Fuge, wie es in Fuga I und XU auftritt, unrichtig rhythmisiert. Die Casur fällt nach dem aweiten Takte und nicht in die Hälfte des dritten , ingleichen der Schluss auf das Ende des vierten Taktes. Dies zeigen die Harmonisierungen und die thema- tische Arbeit im Verlauf der Fuge. Der Chronos protos ferner ist hier die Achtel, die consequent in der ganzen im Alla Breve-Takt ge- schriebenen Fuge beibehalten wird.
26 III. Albaaflluf: Kfthnert.
bürgt, wenn der Uebersetzer nicht des meritorisch Sachlichen der behandelten Materie vollständig Herr ist. Darum denn singt sich der Chinese selbst, — halblaut oder im Geiste — geradeso den Text des Aufsatzes vor, den er liest, wie der Musiker die Composition, um in die Satztheilung eindringen zu können, damit er beim zweiten Durchlesen den Sinn erfasse.
Diesen Verhältnissen gemäss ist auch die Hauptaufgabe des Europäers, der sich mit dem Chinesischen beschäftigen will, seine rhythmische Empfindung für den Rhythmus im Chine- sischen zu erziehen, keineswegs eine kleine mit Rücksicht auf alle Punkte, denen der Lernende seine Aufmerksamkeit zu- wenden muss. Der einzige Weg hiefiir bleibt nur die Aus- bildung viva voce, am besten an der Hand eines Chinesen, weil die Weckung und Ausbildung der Empfindung nur durch Sinneseindrücke geschehen kann. So wenig einem von Jugend auf tauben Menschen, der nie musikalische Klänge hörte, die geistreichste und sorgfältigste Analyse einer musikalischen Com- position für deren Verständniss Nutzen bringen kann, ebenso- wenig kann derjenige aus Erläuterungen über den Rhythmus eines chinesischen Satzgefüges nachhaltigen Vortheil ziehen, dessen Empfindung nicht praktisch hiefür ausgebildet ist. Er gleicht in diesem Falle dem von Jugend auf Tauben.
Bei der folgenden Erläuterung einzelner Beispiele bezüg- lich des Rhythmus, wird sich auch zeigen, dass chinesische Perioden, selbst wenn sie nach den bisherigen Angaben nur durch Wiederholung viersilbiger Sätze gebildet sind, des höheren absolut erforderlichen Rhythmus — sollen sie ein anschauliches Ganze bilden — nicht entbehren. Als erstes Beispiel mag ein freierer Rhythmus eine Stelle finden, bei dem es eines vollkommen ausgebildeten Empfindens für den chinesischen Rhythmus bedarf, um die Stelle richtig zu sprechen. Es bieten hiebei die Unterschiede zwischen den Shengs Ping und Tse fast gar keinen Anhaltspunkt, weil hier in denselben nicht das Hauptelement des Rhythmus zu suchen ist, sondern vor Allem in den logischen Accenten wie immer in der Um- gangssprache, zu welcher das Citat gehört. Aus der logi- schen Bedeutung ergibt sich, welche Stellen schnell zu spre- chen sind, und auf welchen wegen des Nachdruckes verweilt werden muss.
Ueber den Rhythmus im Chinesischen. 27
Es ist eine Erläuterung vor dem Yamen wegen der Be- helligung eines Dolmetschers und dem Koan-hoa tschi-nan (der Anleitung zum Hochchinesischen) entnommen, welcher von der japanischen Gesandtschaft zu Peking für die Japanesen publi- ciert wurde.
Dass einige specifische Pekinismen wie na-erh-tii tien-men- Jcou-erh statt na-li-ti, tien-men-Uou vorkommen, hat nichts auf sich. Die Erläuterung dieses Falles wird mit folgender Rede durchgeführt :
Die Transcription nach Nankinger Aussprache ist:
in-ei shä ie% %6 b\ gq x-qb fä-?-gä, Ung iö he-dshäo, däo mö tshe %6-lx 1qiy gä tä däo-lido nä-gb <ß-/§, d*lb dshe dsäi C-gb dein li-tq lido\ shel dshl nä-Xydx be sing, shdo gjein dö gal7 mei Xjy" sä 4 tsheng kjin7 dsät dein~men-kd-Xj ieng-dsi gä- kä, kji dskeng hd %6 lcö tshe be sen d*h&\ blng-tsil M gg* fä-C-gä, feng en näsel-gb be-slng, %q i dsy 8p.
Hier den Rhythmus schriftlich anzudeuten, hat mit Rück- sicht auf das bereits Erwähnte, bedeutende Schwierigkeiten, wenn man nicht zu rein musikalischer Notierung greifen will.
Um die logischen Accente zu erkennen, folge zunächst eine Uebersetzung dieser Rede. ,(Die Angelegenheit) bezieht sich darauf, dass im vergangenen Monat sich ein Dolmetsch (fa-i-koan) unserer Nation (bi-go*) nach einem gewissen Orte begab, nachdem er sich einen Pass verschafft hatte. Als er in jenem Orte angekommen war, stieg er in einem Gasthofe ab. Kaum aber — wer konnte dies wissen — hatten ihn die Be- wohner dieses Ortes nur wenig gesehen, so kam ihnen dies ganz ungewöhnlich (sonderbar) vor. Täglich drängten sich
28 m. Attanflhn« : Kftfciert.
Gruppen von drei oder fünf Menschen am Thore des Gast- hofes, um ihn darin zu sehen und es gab Leute, die sich nicht ehrerbietig ausliessen. Ueberdies erhielt unser Dolmetsch Kunde, dass jene Leute die Absicht hätten, Händel hervorzurufen/
Wie gesagt, spielt hier die rhythmische Emphase sowie die Schnelligkeit, mit der die einzelnen Gruppen zu sprechen sind, eine wichtige Rolle. Beachtet man, dass im Folgenden die Benachdruckung jenes Wortes einer Zusammensetzung, das den Hauptton hat, durch den Acutus markiert ist, jene Silben welche hervorgehoben werden sollen, durch ein untergesetztes _ bezeichnet, während jene der grössten Kürzen durch w an- gezeigt sind, so dürfte die folgende Schreibweise dazu dienen, den Rhythmus in etwas anschaulich zu machen.
index sckang yu& you bigöe iggo faniggÖan, lingyau hu- dschdUy dau mouUchu yöuli kjü, gan ta dduleao ndgo difang, dsiou dschu dsal iggo dein IMu-leau; schöet dschi, ndXjdi bering schdogjein dogdx, mdx XjA sanntschengkjün , dsal deinmenkoukj ydngdsi bueöendsche; bingtsei bigöe faniggÖan f ingoein nasStgo bering9 youi dsysy.
Vorstehendes ist ein freier Rhythmus (analog dem numerus oratorius)1 und zwar ein Rhythmus im niederen Sinne. Bei dem Rhythmus im weiteren und höheren Sinne, wo der Wechsel zwischen den Ping- und Tse-Shengs eine hervorragende Rolle spielt, sollen diese durch unsere Zeichen für Länge (_) und Kürze (v>) angedeutet werden, ohne dass damit etwas gesagt sein soll über die absolute Dauer der verschiedenen Längen und Kürzen, noch auch, dass alle Längen oder alle Kürzen absolut gleiche Dauer haben. Die weiteren Accente (Stärke- grade) sollen vom stärksten zum schwächsten durch die fol- genden Zeichen: a, >, i, • anschaulich gemacht werden.
Von diesem Beispiel, dem Lüniü* — einer Prosa — entlehnt, wird behauptet, es sei ein einfacher vierschlägiger Rhythmus, also aus je gleichlangen und zwar viersilbigen Sätzen bestehend.
1 S. oben p. 11 das hierauf besOgliche Citat aus Hauptmann.
* Der Bfichenprache angehörend, im Gegensats rar Umgangssprache.
Ueber den Rhythmus im Chinesischen. 2*J
Die Stelle lautet: dshi de* be heny An ddo be" de len neng el 16 ten nmg
> V
v-» w v*» — vy v-* vy v-» — w _ _
3S "Cr
e% e
• T
•
Die Betrachtung der untergesetzten Marken (_w) und der Accente zeigt deutlich, dass der engere Rhythmus ein vierschlägiger ist. Wenn auch jede Gruppe vier Silben, somit die gleiche Anzahl, enthält, so kann man doch nicht von gleicher Länge, d. h. von gleicher Dauer sprechen. Denn sonst müsste man sagen: Spondeus, Daktylus, Anapäst seien gleich lang, weil jeder ein zweischlägiger Rhythmus ist. Dass aber abgesehen hievon über das innere, das ist eigentliche Wesen des Rhythmus durch die Anzahl der Schläge nichts gesagt wird, liegt auf der Hand. Es wäre denn genügend zu sagen, der Hexameter sei eine Folge von sechs zweischlägigen Rhythmen.1 Da dies unzulässig ist, weil es zweifelhaft bliebe, ob der Hexa- meter aus Daktylen oder Anapästen bestehe, ob es erlaubt sei, den daktylischen Spondeus anzuwenden oder nicht, so ist es ebenso unzulässig die Anzahl der Silben als Charakteristikon des Rhythmus zu nehmen.
Obiges Citat besteht durchaus nicht aus vier gleichlangen Rhythmen, sondern besteht aus vier verschiedenen vierschlägigen Rhythmen, von denen der zweite die kürzeste, der vierte die längste Dauer hat. Ebensowenig kann es sich um eine Wieder- holung desselben Rhythmus handeln, wie nach der citierten An- gabe anzunehmen wäre; denn schon rücksichtlich der Ping und Tse besteht nicht die mindeste Gleichheit. DreLTse ein Ping; vier Tse; drei Ping ein Tse; vier Ping; ich finde nirgends eine Wiederholung desselben einfachen Rhythmus. Im ganzen Satze aber empfinde ich einen schönen Rhythmus im höheren
1 Wobei der rhythmische oder troch&ische Daktylus, als in der Metrik nicht verwendet, ausser Betracht gelassen ist, wenn gleich die Mehrzahl der Sprachdaktylen troch&ische sind, z. B. lächelnden, also dreischlägig.
30 ITL AbhandUng: Kttho«rt.
und weiteren Sinne. Das ganze Satzgefüge von 16 Worten zerftlllt in zwei der Empfindung deutlich sich darstellende Hälften zufolge einer Diäresis, welche durch abschneidende Stimmbiegung am Ende der zweiten kleineren Gruppe be- wirkt wird.
Die erste Hälfte spaltet sich für die Empfindung abermals in zwei scharf unterschiedene Theile dadurch, dass die erste Viergruppe mit einer gleichen Stimmbiegung, die zweite mit einer abschneidenden endet. Den stärksten Accent erhält die zweite Viergruppe und zwar deshalb, weil die ersten zwei Tse derselben nur durch die fallende und steigende Stimmbiegung markiert werden, so dass der hinzutretende Accent auf der vierten Silbe durch den abschneidenden Ton am meisten heraus- gestochen (staccatissimo) wird. In der ersten Viergruppe ist der Accent wegen der einleitenden abschneidenden Stimmbiegung auf der vierten Silbe schwächer, wozu die dauernde ebene Stimm- biegung gleichfalls ihr gut Theil beiträgt. Ohne Schwierigkeit wird man in ähnlicher Weise erkennen, dass auch die zweite Hälfte des grossen Ganzen in zwei Theile zerfallt, deren erster Theil auf seinem vierten Gliede wegen der steigenden Stimm* biegung einen stärkeren Accent haben muss als der zweite Theil auf seinem vierten Gliede.
Aber jeder der nun erübrigenden viersilbigen Theile wird wieder als eine Einheit empfunden, welche sich aus zwei Theil- chen zusammensetzt. Im ersten Viergliede bewirkt dies der Vocalwechsel (bei den alten Lauten der Verschluss p, k.) bei den beiden abschneidenden Stimmbiegungen, im zweiten der Wechsel von fallender und steigender, im dritten und vierten der Wechsel zwischen erster und zweiter ebenen Stimmbiegung. Das ganze Gebilde stellt sich also in folgender Weise dar, wobei in den kleinsten Gliedern nur die Hebung durch ' be- zeichnet ist:
12 3 4
' . 'I ' . 'II ' 'I ' 'II
" > _^ Z H— l
Senkung Hebung : Hebung Senkung
"N>-
Hebung Senkung
Ueto den Bbjthmns im Ohinesiiohen. 31
Eb correspondieren ferner noch die erste mit der dritten, die zweite mit der vierten Viergruppe, in der ersten sind drei Tse ein Ping, in der dritten drei Ping ein Tse, in der zweiten vier Tse, in der vierten vier Ping. Die erste mit der zweiten Viergruppe, sowie die dritte mit der vierten stehen gleichfalls in Correspondenz und zeigen, dass der vierschlägige Rhythmus hier ein doppelt zweischlägiger ist.
Nach dieser Betrachtung dürfte wohl jedermann ausser Zweifel sein, dass dieser chinesische Satz dem prosaischen Bücherstil entnommen, den schönsten Rhythmus im engeren und weiteren Sinne hat. In den kleinsten Theilen stei- genden Rhythmus, welcher auch in der nächst höheren Gruppierung beibehalten wird, während die zwei Hälften des Ganzen entgegengesetzten Rhythmus aufweisen, die erste Hälfte steigenden, die zweite fallenden Rhythmus. Die beiden Hälften zu einander bilden einen fallenden Rhythmus.
Diese rhythmische Gliederung ist aber nichts Zufälliges, sondern eine natürliche Consequenz des chinesischen Sprach- baues auf Grund der hier zum Ausdruck kommenden Gedanken- verhältnisse. Setzt man die Termini der Worte, mit welchen wir in unserem Satzzusammenhange die einzelnen chinesischen Charaktere wiedergeben müssen, nach der Terminologie unserer flectierenden Sprachen an, so erhält man folgendes Bild:
Zeitw. Obj., Neg. Zeitw. | Zeitw. Obj., Neg. Zeitw. || Fragew. Zeitw., Zeitw. Obj. | Fragew. Zeitw., Zeitw. Obj.
Und so gibt uns der Rhythmus den festen Anhalt über die logischen Beziehungen, welche in diesem Satze zum Aus- druck kommen, nämlich:
An der Tugend festhalten und nicht aufwärts streben, an die Vernunftform glauben und nicht standhaft sein; wie kann man dies im Stande sein und im Besitze (von Tugend oder Glauben) sich befinden, wie kann man dies im Stande sein und im Nichtbesitz (von Aufwärtsstreben oder Standhaftigkeit) sich befinden. Mit anderen Worten, wer Tugend hat, muss aufwärts streben, wer an die Vernunftform glaubt, muss standhaft sein, denn es ist undenkbar, dass jemand Tugend besitzt und nicht aufwärts strebt, den Glauben an die Vernunftform hat und nicht
32 IIL AU*o41uf : Kiba*rt.
standhaft ißt, es ist aber auch undenkbar, dass jemand aufwärts strebt, ohne im Besitze von Tugend zu sein, und dass jemand standhaft ist, ohne den Glauben an die Vernunftform.
Wem sollte es hier schwer fallen, die gedanklichen Be- ziehungen und ihre durch den Rhythmus markierte Stellang zu erkennen? Fahrt nicht der Rhythmus darauf, dass hier ~fc nicht ang sondern £ gelesen werden muss?
Vorstehendes Beispiel zeigt, dass auch in der chinesischen Prosa rhythmische Gebilde erscheinen, welche in aller Strenge den Formbestimmungen der Metrik genügen. Es kann nicht die Aufgabe sein hier durch Analyse von Beispielen, als dem sichersten Wege, alle rhythmischen Formen, welche in der Prosa des Bucherstils vorhanden sind, vorzufuhren,1 sondern es muss genügen die Hauptarten, in denen der Rhythmus im Chinesischen erscheint, zu erläutern.
Als Beispiel zu dem strengen Rhythmus der Prosa, welcher zu den metrischen Formen der Poesie überleitet, möge eine jener Schilderungen dienen, welche die Chinesen ^ Fu nennen und bei denen auch der Reim zur Markierung der einzelnen Absätze eine Rolle spielt. Zottoli sagt über dieselben:
,|^£ bedeutet nicht nur das beschreibende Gedicht, sondern auch eine Gattung schriftlicher Aufsätze, welche der gereimten Prosa nahezukommen scheint; denn sie macht vom Reime und Verse Gebrauch. Wenn die Phrasen auch sonst wohl gebaut und stellenweise parallel sind, so verlangt diese Aufsatzgattung doch keine vollkommen nach metrischen Gesetzen gebildeten, sondern gestattet je nach der Ausbreitung des Geistes mehr oder weniger Abweichungen. In der strengen Form der Rede- wendung hat sie Theil am Reime, in der freieren an der Phrase. Der Reim aber waltet nicht in der ganzen Rede vor, sondern ist auf die verschiedenen Abschnitte vertheilt. Einem und demselben Theile kommen verschiedene Reime zu , deren Aenderung auf einen Absatz weist So bedienen sich die hervor- ragenden Schilderungen einer solchen Ordnung in der Aus- schmückung, dass sie beim stufen weisen Fortschritt der Argu-
1 Abgesehen davon, dass dies auch nnausföhrbar ist, da die Erfindung rhythmisch schöner Formen in der chinesischen Prosa gewiss noch nicht abgeschlossen ist.
Ueber deu Kbythuias im Chinesischen. «'
mente jedem einzelnen seinen besonderen Reim zuweisen. Daher verwenden ihn die Neueren nicht blindlings, sondern wohl überlegt und bringen ihn in der Mitte oder gleich am An- fange an/1
Als Beispiel wähle ich den Anfang der Schilderung des dichterischen Historikers (|^p j$J Jjg£) von Tsang Shang-dsy.2 Zur Bezeichnung des Reimes bediene ich mich eines Asterisks.
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1 Zottoli, Cursus Vol. V, p. 640. 1 Zottoli, Vol. V, p. 698. Sttsoogiber. d. phil.-hirt. Cl. CXXXIV. Bd. 8. Abb. 3
34 111. Abhandlung: Kfthnert.
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ti tsdl dshhig-däj
ge* ge Img-tseng,
li tshdo kd~kd,
da teet Img-leng, ^ w
sy in u he bäo-Mln, ^ ^
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%a en v£n dshl Ing-häj gjö dsä shi-shi* ;
bei ge-gjä dshl t&tw-g\ sietn dse gjln-tfaig. ^ ^
sin e tsq u *j)-bi,
fei gjin lc6-i shy-dsheng.
*
_ v^> v^> • — V^ — —
v^ v^ v^ vy — —
,Einst ein Censor unter den Tang, war er ein Nachkomme Tsin Yuenkai's, in der Heimat Tu's erhob er sich plötzlich zur Höhe in der Zeit (der Periode) Kai-yuen. Er überragte die gewaltige Kraft unter den Han und Wei und merzte aus die süssliche Lieblichkeit unter den Tsi und Leang, er machte Kiüe und Song zu seinen (stilistischen) Hauptautoritäten (wörtl. Tribunalvorstehern) und nahm Ho und Wei als ihre (adäquaten) Begleiter (wörtl. Lictoren). Streng und ehrenhaft in seinen inner- sten Gefühlen prüfte er aus der Ferne die Quellen der Sitten und des Anstandes, im Ausdrucke seines Urtheils genau und bedächtig stimmte er stricte mit den Gesetzen des Tschüin-tsiou überein.
,An Gestalt und Erscheinung thatsächlich hervorragend, von kräftigem Körperbau, bei Hofe von unerschütterlicher Offen- heit, in höchster Ehrenhaftigkeit von eckiger Geradheit, wendete er in seiner Ausdrucksweise in verdeckter Form Lob und Tadel an und beabsichtigte dem Sinne nach in offen zu Tage liegender Weise Ermahnung und Warnung. Die schönsten Blüthen brachte er im Garten der Literatur hervor, verbarg sie aber lange in in den Bibliotheken. Er vervollständigte ,die gepflegten Alter- thümer des Staates', er trug zur Kenntniss der ,Goldbände' (chin-teng) bei. In Wahrheit hat er sich in Nichts zu schämen in Bezug auf seinen geschieh tsschreiben den Pinsel, und kann nicht zu sehr in der Dichtung gelobt werden/
Die rhythmische Gliederung und die sinnige Verwendung des Reimes, im ersten Abschnitte i, im zweiten eng, bedarf wohl keiner weiteren Erläuterung. Es ist hier durchgehends der Rhythmus durch den Satzbau bedingt. Die parallelen Phrasen
Ueber den Rhythmus Im Chinesischen. 35
and die parallele Satzconstruction bei dem correspondierenden Rhythmus fallen wohl jedermann in die Augen. Der hier ge- meinte Historiker ist $fc ffi Ta'fu> (712~ 77° P- Chr) der unter den Tang Censor war und daher Kritik am Hofe üben musste. Zu seinen literarischen Mustern wählte er sich Kiüe- yuen ( J[jJ ]§» ) und (tJJ 3£) Song-yü aus dem Reiche Tschou, sowie die Dichter Yin-kien (Jf£ ££) und Ho-siüen (-fäf j^) aus den sechs Dynastien. Steingemächer (^ ^) heissen die Bibliotheken, weil einst die verborgenen Bücher in Felsen de- poniert waren. Goldband (chin-teng fe fü^) ^8t das 8ec^8te Capitel der Annalen von Tschou im Shu.
Ist durch das Vorhergehende der freiere und strenge Rhythmus in der Prosa erläutert, so tritt nun die Frage heran, ob in jenen Gebilden, die von Europäern unter dem Begriff des Parallelismus zusammengefasst werden, andere Ge- setze obwalten, als die bisher an den Beispielen erläuterten.
Als Probestück chinesischen Parallelismus1 wurde das Folgende gepriesen. Die Untersuchung wird zeigen, ob es nOthig war einen neuen Begriff einzuführen oder nicht; mit andern Worten, ob der Chinese sich anderer Mittel bedient als in dem eben behandelten Beispiele.
Tshing d$y i ddo tsheng ei fe shen 'd ei gei %i i ddil dse' ieV fh dsi) dshhiq ieV qhl.
In ähnlicher Weise wie früher bezeichnet, liegen hier folgende Verhältnisse vor:
3 4 5 6
_;_yi_-;_>l_l ,wil
deren Accente sich gleich beim Lesen ergeben und zwar wegen der Reime:
mm w £ j*\ mm •• £ \ m»
%$% fe} ie% gei
1 In dem früher angegebenen Sinne einer Vereinigung von Rhythmus und Antithese, nicht aber im Sinne der chinesischen Aiisdrucksweise dVi-lfin. Gabelents, Gramm, p. 346.
3*
36 Hl. AMuwdliiiit: Kühu«rt.
cinestheils and wegen des Tonfalles der Vocale und Stimm- biegungen (der drei Arten des Tse: ^) bei den übrigen Ab- schnitten anderntheils.
Ferner machen sich auch gleich: ddo tsheng; shen'dn; daht (he ; dsp dshhig als zusammengehörig geltend.
1 und 4 als Personalbezeichnungen sind abzutrennen und geben die Hauptabtheilungen. Es correspondieren 2 und 5, 3 und 6.
Hienacb ist:
1 2 3
v I > I
t ' t
Reim Reim
4 5 6
f I
Reim Reim
Hebung Senkung1
Hier fällt vor allem ins Gehör, dass der Rhythmus der zweiten Hälfte conform ist jenem der ersten, nämlich fallender Rhythmus, während im früheren Beispiele (p. 29 f.) die Rhythmen der beiden Hälften einander entgegengesetzt waren, steigender zu fallendem. Aber auch der Rhythmus des Ganzen ist con- form fallender Rhythmus. Entsprechend diesen rhythmischen Verhältnissen müssen, wie kurz zuvor gesagt, auch die logischen Beziehungen der Gedanken im Satze und somit der hierauf gegründete Sprachbau des Chinesischen sein. Demnach lautet diese Stelle:
Tsching-dsy hält Vernunftfulle für Reichthum, Selbstzu- friedenheit für Würde; ich nenne Wissensftllle Reichthum, Selbst- achtung Würde.
Walten also in dieser Stelle andere Mittel vor als in dem oben (p. 29 f.) erläuterten Beispiele? Gewiss nicht. Hier wie dort ist es lediglich der Rhythmus, welcher, auf den logischen Beziehungen fussend, uns auf diese führt, sohin ist der neue Begriff von Parallelismus als Verbindung von Rhythmus und Antithese überflüssig.
Ein Unterschied gegen das frühere Beispiel drängt sich wohl auf und das ist der Reim. Dieser hat aber hier keinen anderen Zweck als der Reim unserer modernen Verse, deren
Ueber den Rhythmus im Chinesischen. 37
Rhythmus gleichfalls durch die logischen Accente (die logisch betonten Silben) gebildet wird. Er soll das metrische Element, das an sich von dem logischen Inhalte absorbiert wird, heben und kunstvoller gestalten.1
So wenig wir aber in der Poesie die rhythmischen Formen mit Reim von den reimlosen oder gar die ein für alle Mal metrisch festbestimmten Formen der daher gebundenen Rede von der freien Form des Rhythmus in der Prosa (Rhyth- mus, Numerus oratorius) durch das Wort Parallelismus unter- scheiden, ebensowenig darf man dies auch im Chinesischen. Der Blankvers des Dramas bleibt trotz des mangelnden Reims ein fünffüssiger Jambus (Quinar) und niemandem fällt es ein, die aus filnffüssigen Jamben mit Reim gebildete Strophe von der reimlosen durch das Wort Parallelismus zu unterscheiden; denn dies wäre ungereimt.
Von diesem strengeren Rhythmus in der chinesischen Prosa des Bücherstils gilt gleichfalls, was Hauptmann sagt:2 ,Wie die metrischen Formen in der musikalischen Anwendung nicht mit mechanischer Strenge ausgeübt werden, indem sie durch har- monische und melodische, sowie durch die Bedingungen eines belebten Vortrages fortwährend kleine Abweichungen von der mathematisch genauen Bestimmtheit erleiden; so ist das Sprach- metrum in der relativen Quantität seiner Glieder noch weit mehr den Bedingungen des erfüllenden Wortinhaltes, den logischen wie den phonetischen zu Modifikationen hingegeben/
Wer daher beim Vorlesen oder bei der Recitation deutscher Gedichte die VersfÜsse klappern und die Reime klingen lässt, versündigt sich nicht nur gegen den Sprachgeist, sondern auch gegen das Gesetz des Schönen und beweist hiemit zugleich, dass er kein rhythmisches Gefühl besitzt.3
Hauptmann, der am eingehendsten mit den Gesetzen der Rhythmik sich beschäftigte, sagt hierauf bezüglich weiter:4 ,Nicht zu verwechseln ist mit diesen durch den besonderen
1 Hauptmann, Natur der Harm, und Metrik, p. 344.
* Hauptmann 1. c. p. 347.
* Vergleiche diesbezüglich auch, was Westphal (Theorie der musischen Künste III1 Bd. p. 31) über Recitation griechischer Verse sagt, und J. Minkwitz (Lehrbuch der deutschen Verskunst), p. 64, §. 120.
4 Hauptmann 1. c. p. 348.
38 HL Abhandlang: Kühne rt.
Wortinhalt entstehenden Modificationen, der an sich nur gleich- zeitig fortgehende Rhythmus (der metrisch unabänderlichen Form in der deutschen Poesie), wie ihn die nur allein accen- tuirte metrische Bildung entstehen lässt. Hier ist der Unter- schied von Länge und Kürze eben gar nicht vorhanden; der Wechsel besteht nur in der Folge betonter und nichtbetonter Glieder: in Hebung und Senkung. Dieser Art sind meisten- teils unsere gereimten Verse/
Nachdem, wie erkannt, der Begriff des Parallelismus als Vereinigung von Rhythmus und Antithese filr die rhythmischen Gebilde der Prosa überflüssig ist, muss untersucht werden, worauf schon hingedeutet, welche Gesetze jene Gebilde auf- weisen, die die Chinesen mit Doei'-lein bezeichnen.
Doei-lei'n sind die sogenannten ScrolPs, parallele Tafeln mit parallelen Phrasen. Das für diese parallelen Phrasen geltende Gesetz ist: es müssen alle einzelnen Schriftcharaktere der beiden Sätze nach ihrer Geltung im Satzbau miteinander correspondieren. An jener Stelle, wo in der einen Tafel das Subject steht, muss es auch in der zweiten sich finden, Prä- dicat mit Prädicat, Attribut mit Attribut, Zeitangabe mit Zeit- angabe u. s. w. correspondieren,1 kurz Wort mit Wort nach seiner satzlichen Geltung z. B.
Prädicat Object
•**
5je # m * # fa
ei dshl ming lein dsäl ho tshe
Neg. Zeitw. Attrib. Subst. Zeitw. Pron. Subst. Zeitangabe
% W — B m it #
be' kö i1, Ijy* e tsy gjin
Neg. Zeitw. Attrib. Subst. Zeitw. Pron. Subst.
Zeitangabe
Prädicat Object
1 Schlegel (La stele funeraire du Teghin Giogh, p. 30) sab sich daselbst veranlasst auf dieses Gesetz hinzuweisen, das auch Zottoli (Curs. litterat. sinicae, Vol. V, p. 776) andeutet. Weiter ausgeführt hat Schlegel dasselbe in: La loi du parallel isme, Leiden 1896, welche hochwichtige Erörterung während des Druckes dieser Arbeit erschien.
Ueber den Rhythmus im Chinesischen. 39
Sieht man sich den Rhythmus an,
V-/ I — ) V> _ W I
' I ' 'I
W V> I W V*» , W — I
so ist selbstverständlich auch darin Parallelität, weil der Rhyth- mus wie schon öfter gesagt, Ausfluss und Zeichen des Satz- baues ist, der durch die logischen Gedankenverbindung bedingt ist. Auch hier sieht man dieselben Gesetze walten, welche früher schon bezüglich des Rhythmus nachgewiesen sind.
Die Chinesen bezeichnen also mit parallelen Phrasen (ob selbe nacheinander oder nebeneinander geschrieben sind, ist gleichgültig) zwei solche, welche
1. die gleiche Anzahl Worte enthalten und wo
2. in jedem der zwei Sätze genau an derselben Stelle derselbe Satztheil steht, die also einander symmetrisch sind.
]fö lein heisst nämlich: verbunden, associert, combiniert, in Ord- nung verbunden, ^aj* dhl: Pendants, correspondieren, antworten, vis k vis, ein Paar,
$j* Ijljp del-Uin sonach: parallele Mottos, wo die Sätze der Ordnung nach verbunden sind, also ein Paar bilden.
Parallel kann aber nur Gleichartiges sein, nicht Entgegen- gesetztes, also z. B. nur zwei gerade Linien, nicht aber eine gerade und eine krumme Linie; sohin schliesst die chinesische Ausdrucksweise schon an sich den Begriff des Entgegengesetzten (Antithese), des Gegensatzes aus, und schliesst nur den Begriff des Vis ä vis, des Gegenüber ein. Ihre Ausdrucksweise be- zieht sich daher nur auf die Parallelität des Satzbaues in jeder der beiden Phrasen, also der gleichen logischen Verhältnisse innerhalb eines jeden der beiden Urtheile, nicht aber auf die logischen Beziehungen der beiden Urtheile zu einander. So wie bei uns ,Distichon' nur auf die Verbindung von Hexameter und Pentameter weist, nicht aber zugleich auf die logischen Beziehungen der in beiden Theilen ausgedrückten Gedanken; so ist das logische Verhältniss der beiden Sätze eines Doei-lein in dieser Ausdrucksweise gleichfalls nicht berührt.
Es ist deshalb unstatthaft, dieses logische Verhältniss der beiden Urtheile mit in den Begriff der Parallelität aufzunehmen, abgesehen davon, dass dies zu einem logischen Widerspruch fiihrt, weil die Chinesen dies nicht mit einbezogen wissen wollen
40 HI- Abhandlung: Kfitinert.
und daher dasselbe nicht bei allen solchen parallelen Phrasen dasselbe sein mnss and auch nicht ist. Aber noch einen weiteren Nachtheil hiebei hat man ins Auge zu fassen. Der Chinese deutet durch kein äusseres Mittel das logische Verhältniss der beiden Urtheile an, sondern letzteres muss aus den beiden Ur- theilen selbst abgeleitet werden. Zieht man jedoch ungerecht- fertigter Weise ein bestimmtes Verhältniss in den Begriff hinein, dann kann dies leicht zu einer total unrichtigen Uebersetzung führen.
In vielen Fällen mag ja ein antithetisches Verhältniss vor- liegen, in eben so vielen Fällen aber auch nicht. Es verhält sich damit geradeso wie mit dem Begriffe des Paares, den ja auch Doe'i repräsentirt. Ihm kommt keineswegs zu, dass die beiden zu einem Paare verbundenen Dinge in einem anti- thetischen Verhältniss stehen, wenn auch des öftern eines vor- liegt. Unter einem Schuhpaar verstehen wir gewöhnlich einen linken und einen rechten Schuh, unter einem Pferdepaar aber nicht, dass das eine ein Hengst, das andere eine Stute sei, denn man kann auch sagen Hengstenpaar, Stutenpaar. Wir sprechen von einem ,schönen Paar' und verstehen darunter Mann und Frau, d. i. ein Menschenpaar, hingegen von einem Schwesternpaar, wo die Gleichheit der Geschlechter, die Ab- stammung von denselben Eltern den Ausschlag gibt. Der Tanz- meister ruft bei der Quadrille nach einem Vis k vis.
Der Begriff des Paares bedingt nur zwei Individuen der- selben Art, also zwei Schuhe und nicht einen Schuh und einen Strumpf; der Begriff des Paares bezieht sich nur auf das den beiden Dingen Gemeinsame, aber nicht auf das, wodurch sie sich unterscheiden. Haben oder vielleicht hatten die Frauen kein Schuhpaar an, weil keiner der Schuhe speciell filr den rechten oder linken Fuss gemacht war?
Eine Regel, die eine Ausnahme hat, kann streng genommen nicht als Regel gelten, sie gleicht einem lecken Schiffe, bei dem man das Leck durch Werg verstopfte, um es mit Noth für kurze Zeit noch über Wasser zu halten.
Unter dem Sprich worte: nulla regula sine exceptione ver- birgt sich im Grunde nur Homer's Schlafmomentchen, d. h. es ist ein Deckmantel für Bequemlichkeit oder ein frühzeitiges sich Genügenlassen.
Ueber den Rhythmus im Chinesischen. 41
Gesetz für die Doei-lein oder die Satzpaare ist nur:
1. gleiche Anzahl der Schriftzeichen in jedem der beiden Sätze,
2. vollständig gleiche Satzconstraction, dass also das Subject des einen Satzes an gleicher Stelle steht wie jenes des zweiten, dass Prädicat mit Prädicat, Ortsangabe mit Orts- angabe etc. an der analogen Stelle correspondiere.
Als accessorische Erscheinungen können auftreten, müssen es aber nicht: schicklicher Wechsel der Betonungen Ping und Tse zwischen dem ersten und zweiten Satze, eventuelle Ver- wendung der gepaarten Ausdrucke des Sprachgebrauches, seien sie antitethisch oder coordiniert.
In dem oben citierten Doei-lein ist ein adversatives Ver- hältniss der beiden Urtheile zufällig vorhanden:
,Ich weiss noch nicht, wo ich nächstes Jahr sein werde; und doch kann ich nicht ohne diesen Herren sein/
Wo im nächsten die Antithese liegen soll, ist schwer zu erkennen:
-fe fil # U WlWl =
r *ß w m it % * + #
Quant. Hauptw. Zeitw. Hauptw. Zeitw. Zahlvv. Mass Zahlw. Mass.
,Sieben Enten schwammen auf den Kjang (Yangtsy), rechne wie du willst, so sind es nur drei Paare und eine. Eine Schlange von einem Fuss kam aus ihrer Höhle, miss wie du willst, so ist sie nur neun Zoll und zehn Linien/1
Noch weniger kann bei dem Folgenden von einer Anti- these gesprochen werden:
,Wie du niemals einen Pflugochsen schlachtest, so wirf auch kein beschriebenes Papier weg.'
Die Rhythmen beider vorstehenden parallelen Sätze stellen sich wie folgt:
1 Der chinesische Fuss hat 10 Zoll, der Zoll 10 Linien.
42 IIL Abh»ft41u|r: Ktfcaert.
tw* in fq qjn she «fc sä shä »* <*ä** «&* tofo** <frn<7 ߣ ^ 27? fr?*1 **** /?*
Die Rhythmen der drei Paare der Uebersicht halber zu- sammengestellt, ergibt:
1. [p.38] wl . I_; wlw }7Worte
2. [p. 41]
V* — f — — W w
- ~ w 7 ' ) 10 Worte
3. [p. 41] -;- -; J4 Worte
Wo hier die Regel zum Ausdruck kommt, welche Herr William Scarborough1 für den Parallelismus als /Verbindung von Rhythmus und Antithese' aufstellt, ist unerfindlich. Die Regel lautet in deutscher Uebersetzung:
»Ein Tui-tzü kann irgend eine Anzahl Worte enthalten; die gebräuchlichste Zahl aber ist sieben in jeder Zeile. Es muss so geschrieben sein, dass die Ordnung der Töne (Shengs) in der ersten Linie sein soll: der erste ein geneigter (^ Tse) der zweite ein ebener (_ Ping) der dritte ein geneigter; in der zweiten Zeile: der erste ein ebener (~\ der zweite ein geneigter (w). der dritte ein ebener (_ i oder umgekehrt Sollte der erste, dritte oder fünfte Charakter diese Regel verletzen, so ist dies ohne Bedeutung; der zweite, vierte oder sechste dürfen dies aber unter keinen Umständen. Es ist wesentlich auch, dass der letzte Charakter der ersten Zeile einen geneigten Ton und der letzte in der zweiten Zeile einen ebenen Ton habe. Dieselben Charaktere sollen nicht in jeder Zeile wiederholt werden, und es ist wesentlich, dass sich eine Antithese vor- finde sowohl im Sinne als in den Tönen der Worte, welche die zwei Zeilen des Paares bilden/
1 A Collöctiou ot Chinese Pn>verbs. lutrod. p. X.
Ueber den Bhjthuras im Chinesischen. 43
Ehe auf die inneren Widersprüche dieser Regel einge- gangen wird, soll sie an den vorgeführten Beispielen erprobt werden.
Dass diese Beispiele 3. Doei-lein sind, versichern nns die Chinesen. Das erste führt Zottoli1 an, die beiden anderen sind aus dem Werke Scarborough's* selbst genommen. Trotzdem sieht jedermann auf den ersten Blick, dass nicht alle voll* kommen mit der angegebenen Regel stimmen.
Das zweite, welches Scarborough selbst ausdrücklich als Tui-tzü hervorhebt, verletzt die Regel des Tonwechsels im zweiten und sechsten Gliede, von einer Antithese im Sinne oder in den Worten dürfte schwer etwas zu finden sein.
Das dritte verletzt die Regel, dass nicht in jeder Zeile an derselben Stelle der gleiche Schriftcharakter vorkomme, beim ersten Schriftzeichen, sowie die Regel bezüglich des Tones vom letzten Schriftzeichen und bezüglich des Tonwechsels, des- gleichen kann auch hier von einer Antithese im Sinn oder in den Worten nicht die Rede sein.
Das erste endlich verletzt, abgesehen davon, dass auch hier von keiner Antithese in den Worten gesprochen werden kann, diese Regel direct. In der ersten Zeile ist der fünfte Charakter ^£, in der zweiten fffe, nun ist aber der Gegensatz zu ^ nach Sprachgebrauch >£f, wenn eine solche Antithese beabsichtigt ist. Analog verhält es sich auch mit 'jnf und ]|£ . Gegensätzlich sind fifc und fä.
Was bleibt also von dieser Regel übrig? Uebrigens ent- hält sie auch einen Widerspruch in sich. Soll der letzte Cha- rakter der ersten Zeile einen Tse-sheng, der letzte der zweiten einen Ping-sheng haben, dann gibt es bei einer geraden Anzahl Worte überhaupt nur die eine Form, dass in der ersten Zeile der zweite, vierte, sechste, überhaupt jeder gerade Charakter einen Tse-heng haben muss, in der zweiten Zeile jeder gerade Charakter einen Ping-sheng, wenn es wahr wäre, dass ein Abweichen von dem Betonungswechsel bei den geraden Cha- rakteren unter keinen Umständen gestattet ist. Dass aber dieses Festhalten an den bestimmten Tönen nicht Regel ist, haben
1 Zottoli, Curat» litteraturae sinicae, Vol. V, p. 798, Nr. 101. * 1. c. Introd. p. XI and p. 281, Nr. 1668.
44 III. Abhandlunjc K 6b Bert.
wir bereits gesehen, ebensowenig als die Regel, dass der letzte Charakter der ersten Zeile ein Tse-heng, der letzte der zweiten ein Ping-8heng sein muss.
Sohin kann die Antithese, der von Scarborough aufgestellte Betonungswechsel etc. kein wesentliches Erforderniss der paral- lelen Phrasen sein. Derartige Dinge können sich vorfinden, müssen es aber nicht. Was jedoch nur sein kann und nicht sein muss, darf nicht als Regel ausgegeben werden.
Die gleiche Anzahl der Charaktere (Worte) und die corre- spondierende Satzconstruction, an gleicher Stelle Subject, Prädi- cat, Orts-, Zeitangabe u. s. w. sind bei diesen parallelen Phrasen in jeder der beiden Zeilen vorhanden, entsprechend dem Be- griffe der Parallelität, welcher allein die Gleichartigkeit ein-, hingegen die Ungleichartigkeit an sich ausschliesst, sohin sich nur auf das bezieht, was bei zwei Dingen gleichartig ist, nicht aber auf das, worin sie sich unterscheiden. Nicht weil es ein rechter und ein linker Schuh ist, bilden beide ein Paar, sondern nur deshalb, weil beide Schuhe sind. Ein Stiefel für den linken Fuss und ein Schuh für den rechten können nie und nimmer als Paar aufgefasst werden; denn was wäre dies für ein Paar? Ein Stiefelpaar? Gewiss nicht. Vielleicht ein Schuhpaar? Auch nicht.
Die zuletzt betrachtete Art des Rhythmus leitet über zu den rhythmischen Gebilden in der chinesischen Poesie. Der wesentliche Unterschied zwischen dem strengen Rhythmus der Prosa und den rhythmischen Formen der Poesie besteht darin, dass in der Poesie die metrische Form ein für allemal festgelegt ist. Der Dichter ist sonach an eine bestimmte metrische Form gebunden, der Schriftsteller hingegen bestimmt seinen selbst strengen Rhythmus lediglich nach dem jeweiligen Gedankenausdruck.
Die bestimmte metrische Form beruht auf einer als Norm festgesetzten Aufeinanderfolge der Betonungen Ping und Tse, je nach dem bestimmten Strophenbau, bei dem unter Umständen auch der Reim zur Geltung kommt.
Eine Aufzählung der metrischen Formen in der chine- sischen Poesie ist hier nicht beabsichtigt, da Zottoli in seinem Cursus litteraturae sinicae Vol. V., p. 435 ff. Muster derselben gibt. Hier soll nur auf den Rhythmus in der Poesie ab einen
Ueber den Rhythmus im Chiuesischeu. 45
ein für allemal an die fixe metrische Form gebundenen, hin- gewiesen werden, im Gegensatz zu dem strengen Rhythmus der Prosa, der allein von den Gedankenverhältnissen vor- geschrieben wird. Hiezu genügt ein oder das andere Beispiel. Nehmen wir eines der Gedichte, dessen Verse aus fünf
Worten bestehen (3£ ^f jljf) un^ zwar von (j£ jfe) ^en verkürzten fünffüssigen (Quinarii recisi).
^ flj^1 tshiin mein
5§£ HJ1 >P tt B|l tshiin mein be* gjo* hjäo
f$+ f& & $$ >% ^i ^H &1 t* nldo
l£ 3fc JR PS $ ^ täfpg %i &m
tt l£ 3& $> & Hl°* d^1 db- sk-do'
Hierin haben wir folgende Vertheilung von Ping und Tse:
V> *>J v>
v-# V-/ _
v-> — — w
Zottoli äussert sich über diese Strophenform in folgender Weise:
,Was das Metrum >fejj fp| anbelangt, so ist die alte und neue Form vor Allem zu unterscheiden. Die erste hat den fünf und siebenfüssigen alten Vers, in denen der Reim echt (2p) oder unecht (|^) sein kann, die Accente aber unter- liegen keinem anderen Gesetz, als dass in demselben Verse nicht alle unter sich gleich sein können. Die neuere Form umfasst die verkürzten fünf- oder siebenfüssigen, die normalen und die verlängerten, deren Gesetz ist: In den fünffüssigen sollen die Accente also vertheilt sein:
v-> l J w \~/
— _ w ^ _ (Reim) _ L «w» J — \s s~*
w l_ J w w — __ (Reim) oder umgekehrt:
— L vx J — v> w
»j[_lw w _ _ (Reim)
__ _ w w _ (Reim)
1 Zottoli 1. e. p. 488.
46 m. Abhandlvnc! Kfthiiert.
Der Reim in den filnfftissigen kann wie bei den übrigen echt (^f ) oder unecht (jX) seinf ^ den verlängerten mnss er echt sein/
Wie man sieht, will das vorgeführte, aas Zottoli selbst genommene Beispiel (und zwar das erste) mit obiger Regel nicht stimmen. Denn weder das erste noch das zweite Schema ist jenes des gegebenen Gedichtes. Das Gedicht stammt aus der Tang-Dynastie, hat Meng Hao-jan (689 — 740 p. Chr.) zum Verfasser, und ist ein Quinarius recisus.
Wie Zottoli selbst bemerkt, kann der Reim planus (^p) oder implanus (JX) se*n* Seine obigen beiden Schemata gelten aber nur für den Planus. Wenn man mehrere dieser Strophen aus fUnffftssigen Versen miteinander vergleicht, so kommt hiebei ein etwas weiter gefasstes Gesetz zur Geltung, das im Schon- heitsgefühl begründet ist: unitas in varietate.
Der zweite Quinarius in Zottoli ist:
*fr [& ifr ■% ¥ w Hf4 «•* **
iL $k Hf ÜtL A aje lin3 <**>' l% fy™
Ü Kfc fö % #• $* **$*' m£ h§ ttdo
M Ixa ilt *ft i hsijit^di teÄtm
der vierte:
;*: slt Üt iß # dädäodthc vi/a*
0 jk H % *■***" *jy* sjü kß dö
3£ |§£ fk & -f" ilin9 9& 9§M <**$
§? ^f ^ 3£ SJ **? **? f **' ^
Die Rhythmen dieser drei Gedichte neben einander ge- stellt, ergibt:
l. 2. 3.
|
/ 1 / 1 w v> v>> |
1 ' |
' 1 ' KS KS 1 «^ W |
|
w ^» 1 _ _. w Reim 1 |
— v/ 1 w — _ Reim 1 ' |
— w _ w _ Reim ' 1 ' *»/ — 1 w — w |
|
_ ^ 1 _ _ ^ Reim |
- - 1 w w _ Reim |
— — 1 — «S — Reim |
von denen keiner mit den von Zottoli angegebenen Schemen stimmt; am ehesten noch der zweite, welcher allein im ersten Verse vom Schema II abweicht.
Ueher den Rhythmus im Chinesischen. 47
Das thatsächlich zur Geltang kommende Bildungsgesetz hier ist:
Es sollen nicht alle Versflisse eine gleiche Betonung haben. Je zwei von den vier Versen einer Strophe sollen ein schönes Verhältniss der Ping und Tse aufweisen, gleichsam als Gegen- stücke zu einander erscheinen, ferner bei je zwei nacheinander folgenden Versen (also 1, 2 und 3, 4) nicht mehr als auf einem Versfusse die gleiche Betonung sein.
Der zweite und vierte Vers sollen reimen und zwar kann der Reim echt (_) oder unecht (^) sein.
Der Hauptunterschied zwischen dem Rhythmus der Poesie und Prosa Ist demnach, dass bei den poetischen Gebilden in einer rhythmischen Gruppe nicht lauter gleiche Betonungen vorkommen dürfen, in der Prosa wohl; dass der Rhythmus in der Poesie zum voraus festgelegt ist, jener der Prosa durch die Gedankenbeziehungen bestimmt wird, dass in der Poesie dem correspondierenden Rhythmus nicht ein correspondierender Satzbau entsprechen muss, wie in der Prosa, sondern nur der rhythmische Accent des Verses mit dem logischen, beziehungs- weise pathetischen sich zu decken hat.
Die angeführten drei Gedichte lauten in freierer, zweck- entsprechender Uebersetzung :
Der Frühlingsschlaf von M6ng Hao-jan.
Im Lenzestaumel beachtet ich nicht Aurorens Kommen, Von allen Orten empfing nur mein Ohr der Vöglein Gezwitscher; In nacht' ger Stille entstanden dann Sturm und Kegengebrause, Der Blümlein manche sie fielen zu Grund, ich weiss ja wie viele.1
Meng Hao-jan traf bei einem Besuche den Yuen nicht mehr
als Censor.2
Zu Loyang da traf ich der Sprache gewaltigen Geist an. Zu Kjangling doch war es der (arme) vom Hofe Verbannte,
1 Der Dichter schildert hiemit die Glückseligkeit seines verborgenen Le- bens. Wörtlich heisst es: Im Frühlingsschlaf gewahrte ich nicht die Morgenröthe, überall hörte ich die zwitschernden Vögel. In der Nacht war Sturm und Regengebraus, die BlÜthen fielen zur Erde, ich weiss wie viele.
f M6ng's Freund Yuen, aus Loyang, war Privatcensor des Kaisers, er ging ins Exil auf den ßerg YüHng in Kiangsi, wo frühzeitiger Frühling einzutreten pflegte.
48 HI. Abhandln!)*: Kuhn ort.
Dort hört* ich wohl preisen der Pflaumen gar zeitige Blüthen, Wozu soll'n ihm nützen (die Boten) vom Frühlenz des Erdstrichs?1
Auf die Strasse zu Loyang von Tschu Koang-hi.
Dem Haar' gleich erstreckt sich gerade die königlich breite der Strassen, Dort gibt es am Frühlingstage balsamische Düfte die Menge, Fünf Gräbern zunächst sich tummeln die edelsten Söhne der Fürsten, Vom edelsteinschillernden Zaumzeug hallt doppelt ein Schellengeklingel.8
Die durchgeführte kritische Discussion hat nun klargestellt, was man unter Rhythmus im Allgemeinen auf Grund des Sprach- gebrauches zu verstehen hat und welches die charakteristischen und daher unerlässlichen Eigenschaften desselben sind. Sie hat ferner gezeigt, dass die Chinesen in ihrer Sprache genau das anwenden, was wir als Begriff mit dem Worte Rhythmus be- zeichnen und dass für den Chinesen Stil und Rhythmus in dem- selben, ja in noch weiterem Umfange als für unsere Sprachen sich decken.
Beim Rhythmus im Chinesischen hat man nach dem Vor- geführten drei Haupterscheinungsformen desselben zu unter- scheiden. Die erste derselben ist der freiere Rhythmus in der Prosa, der durch die logischen Accente bedingt, infolge des hierauf begründeten schnelleren Hinwegeilens über einzelne Satz- theile und Perioden, der gewichtigeren Hervorhebung des ge- danklich Wichtigen, der innigeren lautlichen Aneinanderreihung zweier oder mehrerer Worte zum Ausdruck eines Begriffes hervorgerufen wird und analog dem Numerus oratorius unserer Sprachen mehr von dem Sprechenden auf Grund seines Sprach- gefühles herausgefunden werden muss als sich demselben auf- drängt.
Die zweite Erscheinungsform ist jene des strengen Rhyth- mus in der Prosa, bei dem die rhythmischen Gebilde Rhythmus im engeren und weiteren Sinne zeigen, derselbe steht im innigen Zusammenhang mit der Satzconstruction, weil er durch diese
1 Wortlich: Zu Loyang traf ich ein schriftstellerisches Talent, au Kjang- ling war es eiu Verbannter, ich höre sprechen von der Frühzeit der Pflaumeublüthen, zu was nützt dieses Erdstrichs Frühling?
* Wörtlich: Die königliche (Reichs-)6trasse ist wie ein Haar gerade, am Frühlingstage sind der heilsamen Lüfte viele, hei den fünf Grabhügeln sind die edlen Fürstensühne, doppelt und doppelt klingt das edelstein- geschmückte Zaumzeug.
Ueber den Bhythmns im Chinesischen. 49
d. i. durch die gedanklichen Beziehungen erzeugt wird. Seine Gebilde streifen an die rhythmisch metrischen Formen unserer poetischen Erzeugnisse und machen sich der Empfindung mit unwiderstehlicher Gewalt als solch strengrhythmische Formen der Prosa fühlbar.
Die dritte Erscheinungsform des Rhythmus offenbart sich in den rhythmisch-metrischen Formen der chinesischen Poesie. Hier ist die Form, die schöne Form, das zunächst Festgelegte, an die der Dichter mit Notwendigkeit gebunden ist. Nicht lediglich die Beziehungen der Gedanken sind das den Rhyth- mus Bestimmende, sondern die schöne Form im harmonischen Verhältniss ist das oberste Gesetz. Daher stehen Satzbau und Rhythmus beim Verse nicht in solch inniger Correspondenz wie bei dem strengen Rhythmus in der Prosa, nur die logischen beziehungsweise pathetischen Accente müssen mit den rhyth- mischen Accenten des Verses zusammenfallen. Rhythmisch corre- spondierende Verse brauchen keinen correspöndierenden Satzbau aufzuweisen, wie dies beim strengen Rhythmus der Prosa der Fall ist.
Die Discussion hat aber ferner auch gezeigt, dass die Aufstellung des Begriffes Parallelismus als einer innigen Ver- bindung von Rhythmus und Antithese selbst im antithetischen Verhältniss zu dem steht, was die Chinesen parallele Phrasen nennen, weil die für diese Auffassung gegebenen Regeln von einer grösseren Anzahl derartiger Gebilde Lügen gestraft werden, überdies auch mit dem chinesischen Begriff für diese Sätzepaare im logischen Widerspruch stehen.
Das eigentliche Gesetz, welches im richtigen Begriffe des Sätzepaares gelegen und von den Chinesen thatsächlich beob- achtet wird, wurde hiebei ganz bei Seite gelassen.
Wie einfach führt G. Schlegel (1. c.) dieses Gesetz an:
,In zwei parallelen nebeneinander oder auch nacheinander gesetzten Phrasen, verlangt das chinesische Stilgesetz, dass s&mmtliche Redetheile wechselweise miteinander correspondieren: Snbject mit Subject, Verbum mit Verbum, Substantiv mit Sub- stantiv, Adjectiv mit Adjectiv, Adverb mit Adverb, Ortsname mit Ortsname, Genetivzeichen mit Genetivzeichen, Object mit Object u. 8. w/
Sümiigiber. d. phiL-hist. Cl. CIXXIV. Bd. S. Abb. 4
50 III. Abhandlung: lühoert.
Er vindiciert sich keineswegs hiemit, dass er das Gesetz geschaffen habe, noch beruft er sich auf seinen chinesischen Lehrer1 und mit Recht, denn dieses Gesetz ist Sprachgesetz, das besteht, und nicht ein Gesetz, welches der betreffende Chinese erfunden hat, ein Gesetz, das klar für jeden zu Tage liegt, der sich in den Geist des Chinesischen eingelebt. Wenn so viele andere ausser Schlegel achtlos an diesem Gesetze vorübergegangen sind, so hat dies seinen Grund darin, dass man häufig den Wald vor lauter Bäumen nicht sieht. Hier sind eben die Bäume die Unmassen scharfsinnig erklügelter grammatischer Regeln, welche zu der Einheit des in Rede stehenden Gesetzes (dem Walde) sich zusammenfassen.
Aus diesem Grunde sagt auch Schlegel in einer An- merkung nur: ,Keine der chinesischen Grammatiken, soviel uns bekannt, führt diese Regel an/ Hiemit ist ein wunder Punkt der chinesischen Grammatiken berührt, der bedeutend in die Wagschale fällt.
Grammatik kann für das Chinesische nicht sein, die Lehre von den verschiedenen Formen (Declination, Conjugation etc.), durch welche die Gedankenverhältnisse ausgedrückt werden, sondern nur die Lehre von den Gesetzen der Sprache, nach welchen die logischen Beziehungen der Begriffe im Urtheile nach der Auffassung des Schreibenden oder Sprechenden zum Ausdruck kommen. Dies kann aber nur eine wissenschaft- liche Grammatik2 sein, welche die oberste Trinität der chine- sischen Sprachgesetze umfassen muss, nämlich: Syntax, Rbyth-
i
Es w&re dies ebenso nichtssagend als bei einem Citate anzuführen, der Herr X oder T hat mich aufmerksam gemacht, dass diese oder jene Sentenz auch in dem oder jenen Buche zu finden sei, wenn man darauf- hin das betreffende Buch durchliest und auf Grund der Leetüre die ent- sprechende Stelle citiert. Man beruft sich nur dann auf den Herrn X und Y, wenn man das betreffende Werk nicht selbst einsehen kann und daher nicht in der Lage ist, die Verantwortung dafür zu übernehmen, dass in demselben ein derartiges Citat vorhanden ist. Denn nicht das Volk, dessen Muttersprache die betreffende ist, hat die Gesetze zum Voraus aufgestellt, sondern die Sprache hat sich organisch mit der anderen Entwicklung des Volkes ausgebildet, und Aufgabe der Wissenschaft ist es, die Gesetze abzuleiten, welche in der betreffenden Sprache zum Ausdrucke der logischen Gedankenverhältnisse obwalten und in ein System zu bringen.
Ueber den Rhythmn* im Chinesischen. 51
nras and Euphonie. Insoweit als hiedurch dem Lernenden die Möglichkeit geboten wird, schneller zum Ziele zu gelangen, als dadurch, dass er mühselig sich selbst durch langjährige Er- fahrung die Hauptgesetze der Sprache zum Bewusstsein bringt, ist sie auch praktisch.
Eis walten hier dieselben Verhältnisse ob, wie bei der Logik. Lange vorher ,ehe es eine wissenschaftliche Logik gab, die erst Aristoteles schuf, wurde bereits logisch gedacht und eine grosse Summe richtiger und geltender Begriffe ge- funden';1 ebenso kann man auch ohne Grammatik im obigen Sinne sich des sprachrichtigen Ausdruckes in den meisten Fällen bedienen. Man verfährt dann nach den Sprachgesetzen aber ohne Wissen von denselben; und daher kann in zweifelhaften Fällen, wo die praktische Erfahrung im Stiche lässt, die sprach- richtige Ausdrucksweise zur Unmöglichkeit werden.
Die Aufstellung einer wirklichen Grammatik ist daher Sache eines gereiften Mannes der Wissenschaft, dem überdies ein vollständiges Eingelebtsein in diese Sprache eigen sein muss. Letzteres setzt aber ein langjähriges Studium und einen directen Verkehr mit dem dieselbe redenden Volke voraus.
Wer die chinesische Grammatik sich in der Form der Grammatiken unserer Sprachen denkt, der geräth in eine Sack- gasse; denn wie Schlegel treffend3 bemerkt, ist die chinesische Sprache wie eine Lehre aus Holz (sabot en bois), sie verträgt nicht im Mindesten, dass man ihr die Form der Grammatik einer flectirenden Sprache aufdränge.
Wohin dies führen kann, möge an einem Beispiele ge- zeigt werden.
Der Chinese bezeichnet mit Rücksicht auf den Satz einzelne Schriftcharaktere als Huo-dsy. Huo bedeutet unter anderen ,leben, beweglich, activ etc.', weswegen man Huo-dsy gewöhnlich durch ,Lebewörter' wiederzugeben pflegt. Mit Huo- dsy bezeichnet nun der Chinese Prädicatsausdrücke des Satzes. Letztere werden in den flectierenden Sprachen grossentheils durch Verba gebildet; Verba aber haben in letzteren einen bedeutenden Formenreichtum.
1 Zimmermann, Phil. Propädeutik, p. 13. 9 La stele faneraire du Teghin Oiogh, p. 49.
4*
52 III. Abhandlung: Kühne rt.
Wie leicht ist es nun, dass die Ausdrucksweise: , Huo-dsy bezeichne Verba' dahin aufgefasst werde, der Chinese nenne deshalb das Verbum Huo-dsy = das bewegliche, lebende Wort, weil das Verbum im Chinesischen den bedeutendsten Formen- reichthum habe. Hiedurch würde aber der chinesischen Denk- nnd Sprachweise direct ins Angesicht geschlagen. Gienge man nun auf Grund dieser Auffassung weiter, so könnte man dahin kommen nach Muster der Conjugation unserer Verba ein Para- digma des chinesischen Zeitwortes aufzustellen; denn der Chinese kann alles das begrifflich wiedergeben, was wir mit den Formen unserer Zeitworte ausdrücken. Leider hat aber der Chinese kein Verbum in unserem Sinne, noch weniger eine Conjugation, wie bekannt. Man würde dann z. B. sagen: tstd'- fän heisst essen; nach dem Paradigma wäre: ,Ich habe ge- gessen' = 6 (ich) tshi^fän (gegessen) Uao (habe). Würde man aber auf die Frage: Haben Sie schon gegessen? die Antwort ,ich habe gegessen' durch 6 UikC-fän Uao geben, so würde der Chinese über diese unchinesische Ausdrucksweise lächeln; denn richtig Chinesisch heisst es: tshi' k§ Uao (Essen vor- über fertig).
Der Ausdruck Huo-dsy ist in Wirklichkeit darauf zurück- zuführen, dass der Prädicatsausdruck veränderlich ist je nach dem Subjecte,1 also in diesem Sinne beweglich, das will sagen, das Schriftzeichen für den Prädicatsbegriff gilt nicht nach dem ganzen Umfange seiner Bedeutung, sondern nur nach jenem Umfange, der auf das jeweilige Subject Bezug haben kann. In weiterer Folge deutet dann Huo in Huo-dsy auch auf die durch einen derartigen Charakter eventuell ausgedrückte Thätigkeit
Deswegen muss man Schlegel vollkommen beistimmen, wenn er die Notitia linguae sinicae des P. Pr&nare, jenem der Europäer, welcher am Besten das Chinesische auffas6te, allen anderen Grammatiken vorzieht, weil Pr&nare nicht mehr oder weniger geschickt abgefasste Regeln in Worten aufstellt, sondern den unerfahrenen Schüler gleich durch zahlreiche Beispiele auf die Grundgesetze und die philosophische Praxis der chinesischen Sprache führt.
1 Weiches allein nur seinem ganzen Umfange nach genommen werden kann, also abgeschlossen, todt ist.
Uetar den Rhythmus im Chinesischen. 53
In der Musik liegt ein analoger Fall vor. Joh. Seb. Bach, der Meister der Fuge, hat eine ,Kunst der Fuge' veröffentlicht, wo er lediglich durch eine Reihe verschiedener über dasselbe Thema gebildeter Fugen die Gesetze der Fuge ohne weitere Worterklärung lehrt. Später schrieb Andr^e eine Fugenlehre auf Grund irgend welcher aus seinem Kopfe geklügelter Ge- setze. Statt nun sein Werk der Stampfe zu überantworten, weil die erste Fuge in Bach's ,Kunst der Fuge* nicht zu seinen Gesetzen passt, behauptet er im Gegentheil ,die Kunst der Fuge' enthalte keine richtigen Fugen — weil sie zu seiner Theorie nicht passen. Sapienti sat.
Hiemit soll keineswegs den vortrefflichen und dankens- werthen Grammatiken St. Julien's und v. d. Gabelentz nahe- getreten, sondern nur darauf hingewiesen werden, dass mit der Kenntniss der Grammatiken allein noch lange nicht Alles gethan, sondern im Gegentheil noch vieles zu lernen sei, was in der Grammatik nur kümmerlich angedeutet werden kann, wie z. B. Rhythmus und Euphonie. Hier muss das Chinesische im Geiste des Chinesen behandelt werden. Denn so wenig man den Rhythmus in der Musik aus Büchern lernen kann,1 so wenig das rhythmische Gefühl durch Leetüre von Büchern oder Noten geweckt wird; ebensowenig wird aus solchen allein begriffen werden, was der Chinese unter Rhythmus versteht und was wirklich der Rhythmus im Chinesischen bedeutet. Hier wiegt ein Jahr praktischer Erfahrungen in China reichlich ein zehn- jähriges Studium am Schreibtische zu Hause auf.
Die Hauptgesetze der Sprache sind so wenige, dass sie auf einem winzigen Blättchen Papier Raum finden, die prak- tischen Anwendungen derselben so mannigfaltig, dass man damit Bände füllen könnte. Wer jene im richtigen Sinne, d. i. also im Sinne des Chinesen gefasst, wird sich auf Grund dieser philosophisch tiefsinnigen Gesetze stets in der Sprache zurecht- finden, auslernen aber wird man im Chinesischen nie. Ob man sich der Schriftsprache zuwendet oder der Umgangssprache,
1 Daher ist Westphal (Theorie der musischen Künste, p. 14) im Unrecht, wenn er meint, dass bei Beethoven der Rhythmus weniger reich sei als bei Bach. Das Gegentheil dürfte weniger unrichtig sein, man darf eben in Bach's Compositionen nicht Rhythmen hineinzwingen, gegen welche die Com position protestiert.
54 111. Abb.: Kfthnert. ü«btr den Rhythmus im Cbiimueben.
immer nur gilt als Regel sich an Werke zu halten, die von Chinesen direct oder indirect herrühren.
Ist diese Erörterung eigentlich über das Ziel der Be- handlung des Rhythmus etwas hinausgegangen, so möge man mir dies um dessentwillen zu Gute halten, dass die bisherigen Erörterungen über den Rhythmus es mir nahelegten, meine Anschauungen über diesen Punkt der Grammatik zum Aus- druck zu bringen, eine Anschauung, welche durch die persön- liche Anwesenheit in China im Gegensatze zu einem früheren Jahre langen Studium sich mir mit zwingender Notwendig- keit aufdrängte.
Ich stand nicht an meine frühere Anschauung diesbezüglich über Bord zu werfen, nachdem mich die praktische Erfahrung gelehrt hat, dass das Punctum saliens beim Chinesischen tiefer liegt, als wo man es suchen möchte.
IY. Abb.: Fr. Müller. Die armenischen Handschriften des Klosters etc.
IV.
Die armenischen Handschriften des Klosters
von Aryni (Arghana).
Von
• Dr. Friedrich Müller,
Professor an der Wiener Universität.
Die Handschriftensammlung des armenischen Klosters von Arvni (1V?V) oder Argni (IVfty) kann zu den bedeutendsten Sammlungen des Orients überhaupt gezählt werden. Schon in der Zahl der Handschriften übertrifft sie z. B. die Sammlung der Berliner königl. Bibliothek, indem sie nicht weniger als 142 (147) Handschriften umfasst, während die Berliner Biblio- thek nach dem Catalog von Karamianz blos 99 und mit den seit- dem dazu gekommenen Erwerbungen, nach den Mittheilungen des Herrn P. Jacob Daschian, 110 armenische Codices besitzt.1 — Wie wir sehen werden, kann die Sammlung des Klosters von . Arvni nicht blos quantitativ, sondern auch qualitativ den Vor- rang vor der Sammlung der Berliner Bibliothek beanspruchen.
Aryni (Arghana) liegt im Wiläjet (*r«#<J«Af.) Dijärbekr im Nord -Westen der gleichnamigen Hauptstadt. P. Leon Alischa-
1 Herr Dr Grigor Kalemkjar schätzt die Zahl aller vorhandenen armeni- schen Codices auf etwa 10.000. In EdSmiatsin befinden sich etwa 2800, in Venedig 2000, in Jerusalem 1600, in Wien (Bibliothek der P. P. Mechitharisten) 500, in Tiflis etwa 400, in Paris 300, in Constantinopel (Bibliothek der Antonianer) 350, in England 200, in Moskau 150, in Ber- lin HO, in St. Petersburg 100, in Rom 100. Der Rest, ungefähr 1500 Hand- schriften, vertheilt sich auf die übrigen, sowohl öffentlichen als Privat- sammlungen. Leider muss man in Betreff der armenischen Handschriften dasselbe sagen, was von den arabischen gilt. Die theologische Literatur ist stark vertreten, dagegen sind die Werke historischen Inhalts sehr selten.
Sitzongsber. d. phil-hist. Cl. CXX1IV. Bd. 4. Abb. 1
2 IT. AMumdlmnf : Fr. MtUer.
nean schreibt in seinem Werke S^V^f^P $tß-d A^-g (Venedig 1855. 8°), S. 43 (§. 69) darüber Folgendes: ,r~r~ t*— *—■ (nämlich dem Flosse f—ff***.) Atf ^ft£«ffe 1]^^%^ mf *«. IVtV
Ift—T Wrtlfit J"f»*J* ^"If^ff^ fymJSAmA Ifmy %ft ^mfumtLsy fmtwT jmftät tfjktnyit, 9fi pt-pl—. ^mt^mt^/fflh f>pp 2880' 'fi ptmflrt[mvmftf Iru arnpf ■» mA y.
^fkfl" "^^ci. tmma-^M' 1000> j»p" 300 4*v,<f • *i"v mm "ifry f 7^ ^ /""f*
Ifu^mylruß \\nmmäjM^u &/& »f^ß jmmm Jß £/»{ *fa {ff/Mr.' yAlX diesem
FlUsschen (nämlich dem Bafi-su, respective dem oberen Tigris) zieht sich der District Altana, was Ar^ni oder Argni ist, worin die gleichnamige Stadt im Süden oder auf der rechten Seite des Flusses auf einem hohen Felsenberge, ungefähr 2880' hoch, in einer lieblichen und fruchtbaren Gegend sich befindet, 1000 Häuser umfassend, darunter 300 den Armeniern gehörend, deren Vorstandshaus das Kloster der „nach oben schauenden Gottes- mutter" ist, auf einer Zinke des hufeisenförmig sich hinziehen- den Berges/ — Das hier erwähnte Kloster der ,nach oben schauenden Gottesmutter* ist es, in welchem die Handschriften- sammlung sich befindet. — Das Material zu dem vorliegenden Handschriften -Verzeichnisse stammt aus dem Buche fcK-r«- «ngjMvjt f.f»*0 <)<i«rjff£f/iEr 1] ^ ^»li.w^iii^ (Constantinopel - Ba-f- dadlian. 1885. 8°) Vol. h" p. 383—410, und ich theile es hier besonders deswegen mit, weil ich die europäischen Armenisten auf die schöne Sammlung, welche den beiden berühmten Biblio- theken von Edzmiatsin und Jerusalem würdig an die Seite ge- stellt werden kann, aufmerksam machen möchte.
I. Die Bücher der heiligen Schrift.
(20 Handschriften.)
1. Die Bibel, d. h. die Bücher des alten und des neuen Testa-
ments (u#«m«*«rÄ-M#2mi2). — Geschrieben im Jahre /rf* (799 = 1350). — Nr. 110.
2. Die Bibel (mmmmumhm^M%£^7 Pergament -Handschrift mit Ab-
bildungen. — Geschrieben im Jahre «^/» (1082 = 1633). — Nr. 144.
3. Die Bibel. Pergament-Handschrift. Ohne Zeitbestimmung. —
Nr. 145.
Die armenischen Handschriften des Klosters Aiyni (Arghana). 3
4. Die Bibel. Pergament-Handschrift. Ohne Zeitbestimmung.
— Nr. 146.
5. Der Psalter. Ohne Zeitbestimmung. — Nr. 38.
6. Der Psalter. Ohne Zeitbestimmung. — Nr. 49.
7. Der Psalter. Ohne Zeitbestimmung. — Nr. 53.
8. Der Psalter. Pergament-Handschrift. Ohne Zeitbestimmung.
— Nr. 138.
9. Der Psalter. Geschrieben im Jahre «^ (1060 = 1611) in
Tigranakert. — Nr. 140.
10. Die Sprüche Salomos. Die Propheten. Ohne Zeitbestim-
mung. — Nr. 141.
11. Die Sprüche Salomos. — Das Buch Hiob. — Grigor Niusatshi
(Gregor von Nyssa), Predigten und Commentar zum Eccle- siastes. Geschrieben im Jahre &* (771 = 1322). — Nr. 84.
12. Die vier Evangelien. Geschrieben im Jahre fa (936 =
1487). — Nr. 31.
13. Die vier Evangelien. Mit Abbildungen. Geschrieben im
Kloster |V*f6tyj »f-'kp in Edzmiatsin unter dem Katholi- kos Grigor X. im Jahre fr (904 = 1455). — Nr. 66.
14. Die vier Evangelien. Geschrieben in Hromklah im Jahre <y
(800 = 1351). — Nr. 67.
15. Die vier Evangelien. Pergament-Handschrift. Geschrieben
im Jahre «^ (672 = 1223) im Kloster der Gottesmutter auf dem Berge Karmir. — Nr. 68.
16. Die vier Evangelien. Geschrieben im Jahre «y«* (810= 1361).
— Nr. 113.
17. Die vier Evangelien. Mit Abbildungen. Geschrieben im
Jahre m+p (1019 = 1570). — Nr. 116.
18. Die vier Evangelien. Geschrieben im Jahre *-$? (1063 =
1614) in Constantinopel. — Nr. 117.
19. Die vier Evangelien. Geschrieben im Jahre «y«^/t (812 =
1363) in Avthamar. — Nr. 119.
20. Die vier Evangelien. Ohne Zeitbestimmung. — Nr. 130.
II. Erklärungen der heiligen Schrift.
»
(12 Handschriften.)
1. Wardan Bardzrberdetshi (12. Jahrh.). Commentar zu den Psalmen. Ohne Zeitbestimmung. — Nr. 8.
4 IV. Abhandlung: Pr. Müller.
2. Wardan Bardzrberdetshi. Commentar zu den Psalmen. Ge-
schrieben im Jahre *J-p- (1019 = 1570) in Kamenitz im Lande Polen, als Sigismund III. regierte. — Nr. 13.
3. Nerses Lambronatshi (12. Jahrh.). Commentar zn den Psal-
men. Ohne Zeitbestimmung. — Nr. 128.
4. Commentar zum hohen Liede Salomos1 nnd zn dem Pauli-
nischen Briefe an die Epheser.2 Ohne Zeitbestimmung. — Nr. 51.
5. Nerses Lambronatshi (12. Jahrb.). Erklärung der Sprüche
Salomos. Ohne Zeitbestimmung. — Nr. 137.
6. Commentar zum Propheten Isaias.3 Ohne Zeitbestimmung.
— Nr. 48.
7. Mechithar Göä (12. Jahrh.). Commentar zum Propheten Jere-
mias. — Johannes Wanakan Tawuäetshi (13. Jahrh.). Com- mentar zum Buche Hiob. Ohne Zeitbestimmung. — Nr. 124.
8. Grigor (VII.) Anawarzetshi, Katholikos (13. Jahrh.). Er-
klärung der Offenbarung von Johannes und /»«»V «yA«»«*^. Geschrieben auf Wunsch des Königs Hethum. Ohne Zeit- bestimmung. — Nr. 77.
9. Commentar zur Offenbarung Johannis.4 Ohne Zeitbestim-
mung. — Nr. 142. 10. Georg Lambronatshi (auch Skewratshi genannt, 13. Jahrh.). Erklärung der Apostelgeschichte (\yifb»±P't'-% rv^'w *»"»-
\Kw\g \\u»p»qfr Ar«. l|AL/"7^; vgl. X, Theologische Tractate, 2. Geschrieben im Jahre &p (759 = 1310). — Nr. 120.
1 Von Grigor Nitisatzi? Grigor Narekatshi? Wardan? Jacob Karnetshi? Abraham Astapattshi? s. yyuyp gnctjtufy der Bibliothek von Edimiatsin (Tiflis 1862, 4°), 6. 146 ff.
9 Von Johannes Chrysostomus? Pöyos wardapet? s. 1] «»/f gncflutty, S. 162 ff.
8 Von Sargis Snorfcali? Mechithar Gö§? (Beide 12. Jahrh.) Grigor Skewra- tshi? Georg Skewratshi? (Beide 13. Jahrh.) Grigor Tathewatehi? Johannes Golotik? (Beide 14. Jahrh.)
4 Von Grigor VII. Anawarzetshi oder von Athanasius, übersetzt von Nerses Lambronatshi?
Die armenischen Handschriften des Klosters von Aryn (Arghana). {>
11. Sargis Snor^ali (12. Jahrh.). IJIfrfW/l/rir \Y»p^'^ibkfru\)3'
Erklärung der apostolischen Briefe. Ohne Zeitbestimmung.
— Nr. 123.
12. Anania Sana^netshi (11. Jahrh.). Commentar zu den Briefen
des Apostels Paulus. Ohne Zeitbestimmung. — Nr. 131. Grigor Niusatshi (Gregor von Nyssa). Commentar zum Eccle- siastes; s. I, Die Bücher der heiligen Schrift, 11.
III. Canones.
(6 Handschriften.)
1. Canones (l|«£"Arf/ß»). Geschrieben auf Wunsch des Warda-
pet Thömah Metsophetshi, also im 15. Jahrhundert. — Nr. 12.
2. Canones (\^%n%u,^fip^)m Kleine Schrift. Ohne Zeitbestim-
mung. — Nr. 30.
3. Canones. Ohne Zeitbestimmung. — Nr. 54.
4. Canones. Ohne Zeitbestimmung. — Nr. 101.
5. Basilius. Canones (i|«A»^ «*• f Wf»^). Ohne Zeitbestimmung.
— Nr. 24.
6. Basilius. Canones (1|«ä»^ \\u,[n,qf). Ohne Zeitbestimmung.
— Nr. 55.
Canones, s. VIII, Predigten, 7. Canones, s. VIII, Predigten, 11.
IV. Rituale and Missale.
(18 Handschriften.)
1. Rituale (Maätotsh). Geschrieben im Jahre «^c (1098 = 1649)
in Ak$l («/» Jlrp* WJföuy), im Kloster der Gottesmutter und des heil. Kreuzes als Philippos Patriarch in Edzmiatsin war. — Nr. 2.
2. Mafitotsh. Geschrieben im Jahre *tp (669 = 1220). — Nr. 3.
3. Maätotsh (fuyp ä^«»^).1 Ohne Zeitbestimmung. — Nr. 9.
4. Maätotsh (Jlrh* Jlu^umß), Alt. Ohne nähere Zeitbestimmung.
— Nr. 11.
1 Während das Jtu^uin^ blos das den Priester betreffende Rituale umfasst, ist in dem Juyp $Hu^uwng oder ,ÄÄ- Jut^mng das ganze Rituale, auch jenes, welches den Bischof und Erzbischof angeht, enthalten.
6 IT. Abfaandliug: Fr. Müller.
5. Maätotsh. Geschrieben im Jahre j^ (930 = 1481). Mank. —
Nr. 29.
6. Maätotsh (-ß»/r -/irzrw^)- Geschrieben im Jahre £& (931 =
1482). — Nr. 33.
7. Maätotsh («%r ■/iz-»*ar). Ohne Zeitbestimmung. — Nr. 34.
8. Maätotsh (A^mmg jfvr)- Ohne Zeitbestimmung. — Nr. 52.
9. Maätotsh (^-m ff lLmX*.+e*±pt,m% mg, If^f. lrrfo~~L~r). Q*
schrieben im Jahre f§k (897 = 1448). — Nr. 58.
10. Maätotsh und Hymnologium. Ohne Zeitbestimmung. —
Nr. 95.
11. Maätotsh. Zwei Theile. Ohne Zeitbestimmung. — Nr. 98, 99.
12. Maätotsh. Ohne Zeitbestimmung. — Nr. 122.
13. Missale (£"£»j ?Av?)-1 Mank. Ohne Zeitbestimmung. —
Nr. 135.
14. Missale (£—va) mit Abbildungen. Geschrieben im Jahre «^
(1090 = 1641) in Tigranakert. — Nr. 105.
15. Missale (*«w). Altes Exemplar. Ohne Zeitbestimmung. —
Nr. 106.
16. Missale (fapfyfmmtmf,)* Geschrieben im Jahre «-#f (1126
» 1677). — Nr. 37.
17. Mirale (^/t<^»^«— »A«.^). Verziert mit Gold und Malereien.
Ohne Zeitbestimmung. — Nr. 41. JH. MiMsalo (farfp+m—irMip)' Mit Verzierungen. Ohne Zeitbe- stimmung. — Nr. 42.
V. Hymnologium.
(9 Handschriften.)
1. Hymnologium (Sarakan). Geschrieben im Jahre *fp- (1029
1580) in Senquä. — Nr. 4.
2. »Sarakan. Klein. Ohne Zeitbestimmung. — Nr. 23.
3. Marakan. Klein. Geschrieben im Jahre Iff. (944 = 1495)
im Kloster Sirunqari. — Nr. 25. \, ftarakan. Klein. Ohne Zeitbestimmung. — Nr. 26. 5, Sarakan. Klein. Ohne Zeitbestimmung. — Nr. 27.
1 IM* Mesabuch mit dem Lectionarium. * BloMes Messbuch.
Di« armenischen Handschriften des Klosters Aryni (Arghana). 7
6. Sarakan. Pergament* Handschrift. Klein. Geschrieben im
Jahre *>* (1048 = 1599) in flamith U.-"#P). — Nr. 39.
7. Sarakan. Geschrieben im Jahre *-* (1006 = 1557) im Orte
Sanvatsh (Söyats). — Nr. 69.
8. Sarakan. Zwei Theile. Ohne Zeitbestimmung. — Nr. 78, 79.
9. Sarakan. Ohne Zeitbestimmung. — Nr. 89. Hymnologium, s. IV, Rituale und Missale, 10.
YI. Horologium.
(3 Handschriften.)
1. Horologium («/Wifj/^). Auf Pergament. Ohne Zeitbestim-
mung. — Nr. 6.
2. Horologium («fW«^/^). Pergament-Handschrift. Ohne Zeit-
bestimmung. — Nr. 64.
3. Erbauungsbuch (/kf «m»»«^^ ). Klein. Ohne Zeitbestimmung.
— Nr. 45.
VIL Calendarium.
(3 Handschriften.)
1. Calendarium («■»»t-ziy). Ohne Zeitbestimmung. — Nr. 17.
2. Fest-Calendarium und Horologium («toW^y k*. «/w^/ßf ).
Ohne Zeitbestimmung. — Nr. 36.
3. Fest-Calendarium (-»ok«^«^). Drei Theile. Ohne Zeitbestim-
mung. — Nr. 59, 60, 61.
VIEL Predigten.
(14 Handschriften.)
1. Sammlung von Homilien (TC—n-iüi—fo). Geschrieben im Jahre
*-<>* (1075 = 1626) von Stephannos mit dem Beinamen Karmir. — Nr. 5.
2. Sammlung von Homilien (£»<t£W/r). Mank. Ohne Zeitbe-
stimmung. — Nr. 21.
3. Reden {&*sp ^^-»t«»^- Ohne Zeitbestimmung. — Nr. 63.
4. Reden. Predigten. Erklärungen. Zwei Theile. Ohne Zeitbe-
stimmung. — Nr. 82, 83.
5. Reden (*-"*-/?)• Ohne Zeitbestimmung. — Nr. 134.
/
8 IT. Abhandlung: Fr. Müller.
6. Predigten (^«"^«»f//^). Ohne Zeitbestimmung. — Nr. 35.
7. Predigten. Canones. Chronik. Lieder. Chronikon. Ohne
Zeitbestimmung. — Nr. 81.
8. Predigten. Ohne Zeitbestimmung. — Nr. 85.
9. Predigten. Ohne Zeitbestimmung. — Nr. 88.
10. Reden und Erzählungen. Ohne Zeitbestimmung. — Nr. 90.
11. Predigten. Reden. Canones. Ohne Zeitbestimmung. — Nr. 94.
12. Predigten fiir die Sonntage. Ohne Zeitbestimmung. — Nr. 104.
13. Predigten (^?*r"ttAjp). Ohne Zeitbestimmung. — Nr. 121.
14. Wardan. Ermahnungen (^«»-^). Ohne Zeitbestimmung. —
Nr. 10. Grigor LusaworitSh (4. Jahrh.). Homilien (</*»Ä-^«»«Y*-M,,"tJ0; 8-
XIV. Rechtswissenschaft, 3. Grigor Niusatshi (Gregor von Nyssa). Predigten, s. I, Die Bücher
der heiligen Schrift, 11. ^«fr«?^ ; b. XIV, Rechtswissenschaft, 3.
IX. Gebete und Lieder.
(8 Handschriften.)
1. Gebet- und Liederbuch für die heilige Messe (f«W tbfiß)-
Ohne Zeitbestimmung. — Nr. 7.
2. Gebet- und Liederbuch fiir die heilige Messe (f^Af). Ge-
schrieben im Jahre «-fy (1052 = 1603) in Erzikan (J» ^-*-
W# \^%bk^\ — Nr. 40.
3. Narek (10. Jahrh.). Geschrieben im Jahre «yAx(846 = 1397)
im Kloster Sanabin (f> | «r4"- ^-»«»«/). — Nr. 28.
4. Grigor Narekatshi (10. Jahrh.). Gebetbuch (—t?Pmibite).
Geschrieben im Jahre «-#^ (U49 = 1700). — Nr. 71.
5. Grigor Chlathetshi Tserentsh (15. Jahrh.). Gebete und Lieder
(f.MÄ^). Geschrieben im Jahre *y (1006 = 1557). — Nr. 72.
6. Gebet- und Liederbuch fiir die heilige Messe (^«Ai ?//*/?)•
Ohne Zeitbestimmung. — Nr. 91.
7. Grigor Narekatshi (10. Jahrb.). Gebete (m^p-tm^f^p). Ohne
Zeitbestimmung. — Nr. 115.
8. Gebete von Ephrem, Mesrop, Georg IL Garnetshi, Lusa-
woritäh, Sarkawag, Anania, Anastas, Johannes Chrysosto-
Die armenischen Handschriften des Klosters Aryni (Arghana). 9
mus, Johannes Erznkatshi, Mgchithar Göä, Georg Meyrik, Grigor Skewratshi. Ohne Zeitbestimmung. — Nr. 139. Gebet- und Liederbach für die heilige Messe, s. VIII, Predigten, 7.
X. Theologische Tractate.
(14 Handschriften.)
1- Grigor Aya^atshi. Gegen die Eunomianer.1 Ohne Zeitbe- stimmung. — Nr. 70.
2. Athanasios und Kyrillos von Jerusalem. Fragen (des Letz-
teren) und Antworten (des Ersteren). Ohne Zeitbestim- mung. — Nr. 74.
3. Grigor Niusatshi (Gregor von Nyssa). |p^^a^«f^/i«/?/«i
und Mrftnt-P'fiJi trpu/hnt.p-trui'bg. Geschrieben im Jahre fta. (958 = 1509). — Nr. 75.
4. \\—ym^» y^fii.pfattt-un'üf,} Ohne Zeitbestimmung. — Nr. 93.
5. Grigor Astwatsaban. 3 Werke. Ohne Zeitbestimmung. —
Nr. 97.
6. Grigor Astwatsaban l^«- */»«. — Grigor Niusatshi gegen die
Eunomianer. — tfinp /&«*/**-*. — Stephannos Siunetshi
ui$»mu»ufuui%fy> gAtfjfJ^tT auffffo *\)n.u*Ü^.utg tfusiT ^iLnJuy. Ohne
Zeitbestimmung. — Nr. 103.
7. Biographie des heil. Nerses Snorbali. Sein p-»*.q& f^»cj*W-
j3~lruthij Und ju$qut^.u Jfttupuiünuf&lruiü kt^lrqLß^mj QntfüiMiij £l
Pöyos Tarönetshi (11. — 12. Jahrh.). «^«»/^»«.ä {{»^w^ b*. «y«,. Stephannos Siunetshi (8. Jahrb.). fnh—-i& «•»•■- *\**pfm%*» «y««-
M0SÖ8 ErZnkat8hi. ^utanutufaiuu/i f» gfutiyfiqt/l, tun. ^ustnni-uibtr^
Chosrow. F*äie»
Anania Sirakuni (7. Jahrh.). 1*)^^ *-«- feM^.
1 Die Eunomianer waren eine arianische Secte (die strengen Arianer), so genannt nach Eunomios ans Kappadocien, gegen Ende des 4. Jahrhun- derts Bischof von Kyzikos.
9 Ufa*/"*/? T&hamtfhean II, 301.
8 Vgl TshamtShean I, S. 459.
10 Hr. Akkaailut: Fr Miller.
Nerses Snorbali und Grigor IV. T^vah Katholikos (12. Jahrb.).
**■ fr*fc «v ******-»* *«■ *-•* f~- *-#»*-* 4— •?/-
Ohne Zeitbestimmung. — Nr. 129.
8. Hex&meron (t| *mtfg)* Ohne Zeitbestimmung. — Nr. 133.
9. Piuros (Pyrrhos), Patriarch von Constantinopel und Komi-
tas, Katholikos der Armenier (7. Jahrb.). ^«hpkJB. Ohne Zeitbestimmung. — Nr. 136.
10. Untersuchung des Glaubens (^ttMc/tytfr $~*j—mV) des Kö-
nigs Azaron und des Patriarchen Timotheos. Ohne Zeit- bestimmung. — Nr. 14.
11. Nerses Klajetshi Snorbali (12. Jahrh.). Hirtenbrief, Poesien
und Anderes. Geschrieben im Jahre »^ (693 = 1244). — Nr. 16.
12. Nerses Klajetshi Snorfcali (12. Jahrh.). Pastoralbrief (Ency-
clica). — Brief des Katholikos Jacob I. (13. Jahrh.). — Predigten des Bischofs Bartholomäus.3 Ohne Zeitbestim- mung. — Nr. 47.
1 Lies ||««^fiMMif£<j»jfe. Es ist «^»1/ f—mJfa gemeint, s. Tiham-
tfthean III, 279, 293, 300. 5 Von Basiliufl aus Caesarea? von Bartholomäus, Bischof von Maraya
(s. Tihamtfhean in, 326)? oder von Mattheos Wardapet? s. jp»^^.*.-
3-k der Bibliothek von Edimiatsin (Tiflis 1S63. 4°), S. 204 ff. * Bartholomäus, römischer Missionar (14. Jahrh.), im Verein mit Johannes
Qfnetshi der Begründer der sogenannten Unitarier-Secte; s. T&hamt&hean
HI, 326.
Die armenischen Handschriften de* Klosters Aryni (Arghana). 1 1
13. Nerses Larabronatshi (12. Jahrh.). — tm—lr%mfuou*t-p-fiä3 (Sy-
nodalrede). — - • MaampaaaBmaJjD-jiaii, Jlrlptnt.p-fiub aafamanampaua.fi,
— £u»n-g jmqautfM <§-tnnM»u^m*j9£m*ß. Ohne Zeitbestimmung. — Nr. 114.
14. Reden der heiligen Doctoren. Nerses Klajetshi Önorl?aH.
Hirtenbrief.
sttttLuttf ira. ^igirpttb^ftp Ira. \\ aupikUtajnpfaut ira. unamaSau puLaV *i»oi
f\cwlr ma.miM.3m jamqaumM l1 uamna,auh-auhrüfiu fi %ama.amuaupmJ» aß-ir onp ^amuwampiru ^uaj^f ira. m£ amj^auma^.^ t
\m Laaajammam%maJjrkajlvm mauuammamu upp*»a >
Ohne Zeitbestimmung. — Nr. 127.
XI. Leben der Heiligen.
(12 Handschriften.)
1. Martyrologium oder Legendarium (./«•/-»•/Zu«.»«./^). Geschrieben
im Jahre njf (733 = 1284) in Sebastia unter dem Ponti- ficate Jacobs und der Regierung des Königs Leon. — Nr. 107.
2. Legendarium ^jaayuaTaua.na.f^), Mit Abbildungen. Geschrieben
im Jahre **&«- (854 = 1405), dem Todesjahre Timur's. — Nr. 108.
3. Legendarium (j^-a/Zuc«*./^). Ohne Zeitbestimmung. — Nr. 109.
4. Legendarium («/-"/m/loj»^). Geschrieben im Jahre Ijjr (935
= 1486) in Bavöä. — Nr. 143.
5. Legendarium (j«»/"^»«^«-^). Pergament - Handschrift. Ge-
schrieben im 12. Jahrhundert. — Nr. 147.
6. Leben der Väter {$aupauua ^-ng). Ohne Zeitbestimmung. —
Nr. 65.
7. Leben der Väter (^*ay»t*A# £«w). Ohne Zeitbestimmung. —
Nr. 73.
8. Leben der Väter ($-pau%3 fang). Geschrieben im Jahre «-**
(1180 = 1731). — Nr. 118.
9. Leben des Eremiten Evagrios und des Ne^os (Neilos). Ge-
schrieben im Jahre ;///. (768 = 1319\ — Nr. 44.
12 IV. AbhwriluQf : Fr. Müller.
10. Evagrios. Sein Leben und seine Ermahnungen {£»pp **-
1*1— -ig). Ohne Zeitbestimmung. — Nr. 126.
11. Buch der Genealogien (^.^.—^mf—^f»^. Mank. Ohne Zeit-
bestimmung. — Nr. 18.
12. Genealogien der Geschlechter des alten und des neuen Te-
staments mit Bildern und Stammbäumen. Pergament-Hand- schrift, geschrieben im Jahre «-rfjk/t (1142 = 1693) in Amith (W - Nr. 43.
XU. Philosophie und Grammatik.
(14 Handschriften.)
1. Dawith (5. Jahrh.). Definitionen und Aristoteles* Kategorien
(f$u^fuätso fitfu»*t*nuiitApna-fir/rs$& &<. »m*f>»4*u.£y^r 0 J . VOU dem ,Kf-
steren übersetzt. Ohne Zeitbestimmung. — Nr. 15.
2. Aristoteles. — p^tg ku p-—*q&. Ohne Zeitbestimmung. —
Nr. 22.
3. Philo. Daran schliesst sich eine Anatomie, aus dem Latei-
nischen übersetzt von Wardan Jonaneantsh (jAr-»jfcW*/*/*fr
pnL"üb J%uartkuiill*t •ß"i''*v)' Geschrieben im Jahre ^it (1134 = 1665). — Nr. 32.
4. Dawith. Definitionen (««»£/«Ä£ ^*/L*««.«»«/^«#^^«#l!r). Ohne
Zeitbestimmung. — Nr. 56.
5. Porphyrius. Introductio (tr^«»^«*/^«Sr). — Dawith. Defi-
nitionen (uu,^Jui%^y Erklärung der Grammatik. Ohne Zeit- bestimmung. — Nr. 80.
6. Dawith. Definitionen (**«»4,/*,»fy?). Aristoteles1 Kategorien und
Analytica. — Grigor Magistros (11. Jahrh.), Gedichte (ffiiruifc«^^). Ohne Zeitbestimmung. — Nr. 87.
7. Aristoteles. Physica. Ohne Zeitbestimmung. — Nr. 92.
8. Dionysius '{^»fck-fi*» (Areopagita? oder Thrax?). Ohne Zeit-
bestimmung. — Nr. 96.
9. Porphyrius und Dawith. Definitionen und ^«/l»«««»«^/»«*.^^.^.
Ohne Zeitbestimmung. — Nr. 100.
10. PrOcluS. l-Lb-JiiAäg. dkljün^fith, pufcfy <|*«f^0^ ^ft^aum^tmjf, .
Ohne Zeitbestimmung. — Nr. 132. 11. Johannes Eznkatshi (13. Jahrh.). Erklärung der Grammatik [Jla(^nt.p-f»M% ugkpu»liu*bn*.p-iruib}% Ohne Zeitbestimmung. — Nr. 20.
Die armenischen Handschriften des Klosters Aryni (Arghana). 13
12. Simeon Däu-fajetshi (17. Jahrh.). Grammatik. Ohne Zeitbe-
stimmung. — Nr. 62.
13. M$chithar Sebastatshi (17. — 18. Jahrh.). Kurzes Lehrbuch
der Rhetorik. Ohne Zeitbestimmung. — Nr. 50.
14. Jeremias (Eremia) Wardapet (17. Jahrh.). Wörterbuch zu
den heiligen Büchern. Ohne Zeitbestimmung. — Nr. 86.
XIII. Geschichte.
(3 Handschriften.)
1. Samuel von Ani (12. Jahrh.). Chronik (cfiüi/aAü^a^m--
Pfi***) und die Pastoralbriefe von Nerses Rlajetshi Snor- bali (12. Jahrh.). Ohne Zeitbestimmung. — Nr. 46.
2. MosSs Chorenatshi (5. Jahrh.). — Stephannos Tarönetshi,
Asoyik (10. Jahrh.). — Aristakes Lastiwerttshi (11. Jahrh.). — Eusebius, Kirchengeschichte. Zehn Bücher fawnfl-fiiStp). Geschrieben im Jahre SH (257 = 808). — Nr. lll.1
3. Agathangelos (4. Jahrh.) — Geschichte Nerses* des Grossen
und seine Vision. — Geschichte des Stammes der Mami- konier. — Zenob und Johannes Mamikonean, Geschichte Taröns (4. Jahrh.). — Faustos von Byzanz (4. Jahrh.) — E^iSe (5. Jahrh.). — Stephannos (13. Jahrh.), Geschichte der Orbeliden. — Geschichte der Einfälle der Araber und Tataren, ohne Titel (revond? — 8. Jahrh.). — Wahram (13. Jahrh.), Geschichte der Rubeniden. Ohne Zeitbestim- mung. — Nr. 112. Chronik, s. VIII, Predigten, 7.
XIY. Rechtswissenschaft.
(3 Handschriften.)
1. Mgchithar GöS (12. Jahrh.). Rechtsbuch (^«»«f«»»»»«»!«»^/^).* Ohne Zeitbestimmung. — Nr. 102.
1 Wenn die Zeitbestimmung dieses Codex richtig ist, dann kann sie sich nur auf das Werk von Eusebius beziehen. In diesem Falle wäre dieser Theil der Handschrift der älteste datirte armenische Codex, den man überhaupt kennt
* Das bekannte Rechtsbuch von M$chithar GöS (vgl. WZKM., Band V, S. 52). Ausserdem gibt es noch ein Rechtsbuch von Nerses Lambronatshi
14 IT- Abs.: Fr. HftlUr. Die arm. Handschriften te Klostsrs Azyni (Irgluns).
2. M$chithar Göä. Rechtsbach (^-»-»«»•■rW.f/flp) und Grigor
LusaworitSh (4. Jahrh.). Homilien (jmfmfcm^mimmiJ*). Ohne Zeitbestimmung. — Nr. 19.
3. M$chithar Göä (12. Jahrh.). Rechtsbach (pm-nm-mm r*«»?^»).
— ^iufn^. Geschrieben im Jahre «-fc (1068 = 1619). — Nr. 1.
XV. Poesie.
(3 Handschriften.)
1. Araqel Siunetshi (15. Jahrh.). Die sieben Tage der Schöpfung
des Herrn (= 1^/»/^?). Ohne Zeitbestimmung. — Nr. 57.
2. Nerses Klajetshi Snorfcali (12. Jahrb.). {J^«m.* -rtfr. Ge-
schrieben im Jahre ibk (727 — 1298) unter dem Pontifi- cate Jacobs und der Regierung des Königs Leon. — Nr. 76.
3. Grigor Magistros (11. Jahrh.). Poesien und Briefe (^f
pnwhf. In. p»*.yPzp). Ohne Zeitbestimmung. — Nr. 125. Grigor Magistros. Gedichte (««»«»W*»^), s. XII, Philosophie und Grammatik, 6.
(12. Jahrh.), von welchem Patkanean in seinem Catalogue de la littera- ture armenienne (Bulletin de TAcad^mie imp. de St. Petersbourg. Tom. II, p. 49 ff.) auf p. 74 ein Exemplar in der Bibliothek des Erzbischofs Sargis von Sana^in anführt; ein zweites Exemplar soll, wie mir Dr. G. Kalem- kjar mittheilt, in Constantinopel im Privatbesitz vorhanden sein. — Dieses Werk soll in der Vulgärsprache des 12. Jahrhunderts abgefasst sein (vgl. Die Handschriften -Verzeichnisse der königl. Bibliothek zu Berlin. X. Bd. ; Verzeichniss der armenischen Handschriften von Dr. N. Karamianz. Ber- lin 1888. 4°. S. 45, b, Note).
V. Abhandlung: Günther. ATelUn*-Studieu.
V.
Avellana-Studien.
Von
Otto Günther
in Berlin.
Von der kritischen Ausgabe der in den Kreisen der Kano- nisten und Kirchenhistoriker als ,Avellana' bekannten Samm- lung von Kaiser- und Papstbriefen, die ich mit Unterstützung der Savigny-Stiftung auf Veranlassung der kaiserlichen Akademie bearbeitet habe, ist vor kurzem der erste Halbband erschienen (Corpus scriptorum ecclesiast. latin. ed. consilio et imp. academiae litt. Caesareae Vindobonensis, vol. XXXV, pars 1); der zweite ist, was den Text anlangt, ebenfalls im Druck fertiggestellt und wird erscheinen, sobald die Indices vollendet sein werden. In den Prolegomena, die ich dem ersten Bande vorausgeschickt, habe ich vor allem das Verhältniss der Codices und älteren Drucke eingehend erörtert: die einzige Handschrift, aus der alle übrigen direct oder indirect abstammen, ist der Vaticanus 3787 aus dem Anfang des 11. Jahrhunderts, von mir mit V bezeichnet. Der Name ,Avellana', den die trefflichen Ballerini der Sammlung nach dem einst im Besitz des umbrischen Klosters S. Crucis in fönte Avellana befindlichen Vaticanus 4961 beigelegt haben, hat darnach heute an und für sich keine Berechtigung mehr; wir sollten sie ,Sammlung der Vaticanischen Handschrift 3787' nennen. Trotzdem habe ich aus praktischen Rücksichten die alte eingebürgerte Bezeichnung beibehalten; sie empfiehlt sich der Kürze wegen und weil sonst leicht Verwechslungen mit kanonistischen Sammlungen anderer vaticanischer Hand- schriften stattfinden könnten. Der Inhalt der Sammlung ist uns zum aUergrössten Theile nur aus dieser Quelle bekannt. Ueber die anderweitige Ueberlieferung weniger Briefe habe ich
Sitanngsb. d«r phil.-hiat Ol. CXXXIV. Bd. 6. Abb. 1
2 V. Abhandlung: Günther.
im dritten Capitel der Prolegomena kurz berichtet. Bei vier Stücken schien mir eine längere Auseinandersetzung am Platze zu sein; sie wird im zweiten Abschnitt dieser Abhandlung ge- geben werden. Vor allem aber musste ich noch darlegen, was etwa über Composition und Quellen der Sammlung zu erschliessen war. Auch dies hätte in jene Prolegomena gehört, und nur die Furcht vor einem allzu starken Anschwellen des Bandes hat mich veranlasst, diese Untersuchungen hier gesondert vorzulegen. Dabei Hess sich die Unbequemlichkeit, fortwährend auf Seiten- und Zeilenzahl meiner Ausgabe verweisen zu müssen, leider nicht vermeiden.
I.
Composition und Quellen der Sammlung.
1.
Die Form, in der uns die Avellana im Vaticanus 3787 vorliegt, kann nicht vor dem Jahre 553 entstanden sein; in dieses Jahr fallt die Abfassung des jüngsten Stückes der Sammlung, des sogenannten Constitutum de tribus capitulis des Papstes Vigilius (n. 83).
Eine Sonderung der Briefe in verschiedene Gruppen hat zuerst Maassen1 vorgenommen, und Ewald2 hat sich dieser Eintheilung angeschlossen. Maassen unterscheidet folgende sechs Gruppen:
I) n. 1 — 13: über das Schisma des Ursinus (366/7) und seine
Folgen 5 II) n. 14—37 : über das Schisma des Eulalius (418/9) und
seine Folgen; III) n. 38 — 50: ein Schreiben des Honorius an Arcadius be- treffend die gegen Johannes Chrysostomus verübten Ge- walttätigkeiten (n. 38); zwei Schreiben des Maximus tyrannus (n. 39 an Valentinian II. gegen die Gewalttätig- keiten der Arrianer, n. 40 an Papst Siricius), vier Schreiben
1 Sitzungsber. der phil.-hist. Ciasse der kais. Akademie der Wissenschaften,
Bd. LXXXV. Wien 1877, S. 239 ff. ' Sybel's Histor. Zeitschrift, N. F. IV, S. 154; Zeitschrift der Savigny-
Stiftang V, German. Abtheilung, p. 289.
AT«ll*na-8tudi€n. O
von Papst rnnocenz I. (n. 41 — 44) und sechs Stücke (n. 45 — 50) aus dem Pontificat des Zosimus zur Geschichte des Pelagianismus;
IV) n. 51 — 78 : 28 Stücke , die monophysitischen Irrungen in den Kirchen von Alexandrien und Antiochien zur Zeit des Timotheus Ellurus, Petras Mongns und Petrus Folio betreffend ; V) n. 79—104 : Stücke aus dem Pontificat Gelasius' I. (492— 496), Anastasius' IL (496—498) und Symmachus' (498— 514), betreffend die Angelegenheiten des acacianischen Schismas und des Pelagianismus; dazwischen (n. 82 — 93) zwölf Stücke dogmatischen Inhalts aus der Regierungs- zeit der Päpste Johann II. (532 — 535), Agapetus (535 — 536) und Vigilius (537—555);
VI) n. 105—243: Stücke aus dem Pontificat des Hormisda (514—523).
Von dem Standpunkte einer ausschliesslich den Inhalt der einzelnen Stücke berücksichtigenden Sonderung wird man gegen diese Analyse der Sammlung nicht viel einwenden können; allein man darf hierbei nicht stehen bleiben, sondern muss darauf ausgehen, die einzelnen Schriftstücke nach den Quellen zu gliedern, aus denen sie in unsere Sammlung übergegangen sind. Derartige Untersuchungen sind ihrer ganzen Natur nach öfters unsicher, allein an den meisten Punkten wird man hier doch zu festen Resultaten gelangen.
2.
Betrachten wir zunächst die beiden ersten von Maassen abgesonderten Gruppen, n. 1 — 13 über das Schisma des Ur- sinus und n. 14 — 37 über das des Eulalius. Zu der Ansicht, dass beide von einander zu sondern seien, ist auch Wilhelm Meyer aus Speyer1 gelangt. Er spricht es direct aus,2 dass der Sammler von n. 14 — 37 sowohl von dem verschieden sei, der die Stücke über das Schisma des Ursinus zusammengebracht,
1 Seine beiden die Avellana betreffenden Abhandlungen finden sich in den
Göttinger Indices scholarum vom Sommer 1888 und Winter 1888/89. Ich
citire sie im Folgenden der Kürze halber immer als I und II.
II, S. 4 f.
1*
4 T. AttaaJIwf: Glatter.
wie auch von dem, welcher der Avellana ihre endgiltige Ge- stalt gegeben habe: beide Gruppen hätten als kleine Samm- lungen lange für sich bestanden, bevor sie in das Corpus Avellanum aufgenommen seien. Dass n. 1 — 13 mit dem Sammler von n. 14 — 37 nichts au thun haben, leitet Meyer aus der Ver- schiedenheit der Ueberschriften ab. Die Briefe der ersten Gruppe tragen Ueberschriften, welche die ursprüngliche Form der Adresse «war durchweg stark zusammengezogen haben, sie aber doch noch einigermassen erkennen lassen, so:
n. 3 Valentinianus Theodosius et Arcadius Augusti Sa-
lustio praefecto urbi. n. 6 Valentinianus Valens et Gratianus Praetextato p. u. n. 7 Idem Augusti Praetextato p. u. n. 8 Idem Augusti ölybrio p. u. n. 9 Idem Augusti ad Aginatium vicarium. n. 10 Idem Augusti ad Olybrium p. u. n. 11 Idem Augusti ad Ampelium p. u. n. 12 Idem Augusti Maximino cicario urbis Romae. n. 13 Gratianus et Valentin ianus Augusti Aquilino vicario.
Durchaus verschieden hiervon sind die Ueberschriften, welche die Stücke der zweiten Gruppe tragen : sie werden fast alle eingeleitet mit einem Worte wie relatio (oder epistola oder oratio oder edictum) oder gar mit exemplum relationis (exem- plum sacrarum litterarum, exemplum precum)* vgl.:
n. 14 Exemplum relationis Symmachi praef. urb. ad Ho- norium prineipem Ravennae constitutum.
n. 15 Exemplum sacrarum litterarum.
n. 16 Exemplum relationis Symmachi p. u. ad prineipem.
n. 17 Exemplum precum prtsbyterorum pro Bonifatio.
n. 19 Item relatio p. «. Symmachi.
n. 20 Exemplum sacrarum litterarum ad synodum.
n. 22 Exemplum sacrarum litterarum ad Achilleum Spo- litanum episcopum.
n. 23 Principis oratio ad senatum.
n. 24 Eiusdem principis edictum ad populum.
n. 25 Eiusdem principis epistola ad sanetum Paulinum episcopum Nolanum.
n. 26 Item eiusdem principis ad episcopos Afros.
At«11m»*- Studien. 5
n. 27 Eiusdem principis epistola ad sanctum Aurelium Carthaginiensem episcopum.
n. 28 Eiusdem epiMola ad Augustinum Alypium . . epi- scopos uniformis.
n. 29 Relatio Symmachi p. u. ad Constantium.
n. 30 Epistola illustris comitis Constantii ad Symmachum p. u.
n. 31 Exemplum sacrarum litterarum ad Symmachum p. u.
n. 32 Exemplum relationis Symmachi praef. urbis ad virum inl. com. Constantium patricium.
n. 33 Exemplum sacrarum litterarum Symmacho p. u.
n. 34 Exemplum relationis Symmachi p. u. de ingressu papae Bonifatii ad principem supra scriptum.
n. 35 Exemplum sacrarum litterarum proconsuli Africae.
n. 36 Epistola Largi proc. ad Aurelium episcopum Carihag.
n. 37 Epistola imperatoris Honorii ad Bonifatium episco- pum Romanum.
Man sieht, der von Meyer hervorgehobene Unterschied der Titel ist in der That durchweg vorhanden und beruht sicher nicht auf einem Zufalle. Trotzdem ist Meyer's Annahme schwerlich richtig.
In der zweiten Reihe der Briefe (n. 14—37) tritt uns an zwei Stellen die Thatsache entgegen, dass von zwei auf einander folgenden Stücken das zweite nicht einfach neben das erste gesetzt, sondern durch eine verbindende Zwischenbemerkung an jenes angereiht ist, eine Zwischenbemerkung, die den Zweck hat, den innern Zusammenhang der betreffenden beiden Stücke kurz auszudrücken. Das ist zunächst der Fall zwischen n. 17 und 18. n. 17 ist eine am 6. oder 7. Januar des Jahres 419 von römischen Presbytern zu Gunsten des Bonifatius an die Kaiser Honorius und Theodosius gerichtete Bittschrift; n. 18 ein Edict, das Honorius in Folge jener Eingabe am 15. Januar desselben Jahres an den Stadtpräfecten Symmachus erliess. n. 18 hat in der Sammlung keinen eigentlichen Titel; statt seiner erscheint zu Anfang der Satz: Ad petitionem presby- terorum (d. i. n. 17) huiusmodi sacrum rescriptum imperator p. u. Symmacho destinavit} worauf dann sofort der Text Post relationem sublimitatis tuae u. s. w. folgt. Dasselbe findet zwi- schen n. 20 und 21 statt, n. 20 ist ein Schreiben des Honorius
6 V. Abhandlung: Qtnther.
an die Synode, die er zur Entscheidung des Streites zwischen Eulalius und Bonifatius auf den 8. Februar 419 nach Ravenna zusammenberufen hatte; n. 21 ein Erlass des Honorius an den Stadtpräfecten Symmachus vom 15. März desselben Jahres, in dem er ihm mittheilt, dass er zur Ausführung der heiligen Ceremonien bei dem bevorstehenden Osterfeste den Bischof Achilleus von Spoleto nach Rom beordert habe : wenn das Fest vorüber sei, solle dann der Streit zwischen den beiden Präten- denten Eulalius und Bonifatius ex iudicio sacerdotum ent- schieden werden. Eine selbständige Ueberschrift zu n. 21 fehlt wieder, dagegen ist n. 21 durch folgende Worte an das Exemplum sacrarum litter arum ad synodum (n. 20) angeschlossen: Haec 8ynodu8 (zu Ravenna) inter se dissentiert* praesentem causam terminare non potuit. unde venerabilis Imperator Honorius ad maius condlium hoc credidit negotium differendum et Interim propter dies qui inminebant sanctae paschae utrosque, Boni- fatium scilicet et Eulalium, ab urbe iussit abscedere et Spoli- tinum episcopum Achilleum nomine sacra iussit mysteria cele- brare} Symmacho praef. urbi hoc idem suis scriptis insinuans. Diese Zwischenbemerkung enthält nichts, was nicht aus den folgenden Nummern zu entnehmen wäre ; x sie ist nur gemacht, um den Leser in kurzen übersichtlichen Worten über die Ver- änderung der Lage zu unterrichten, die zwischen der Zeit der Absendung von n. 20 und dem 15. März eingetreten war.
Wenden wir uns jetzt zu der ersten Serie von Schrift- stücken, zu n. 1 — 13. Da tritt uns denn ganz dieselbe Er- scheinung entgegen, die wir soeben in jener anderen Reihe gefunden haben. Zunächst eine Verbindung, die ganz analog ist der von n. 17 und 18. n. 2 ist die in der Literaturgeschichte mit Unrecht als ,libellus precum' bekannte ausführliche Bitt- schrift der luciferianischen Presbyter Marcellinus und Faustinus an die Kaiser Valentinian, Theodosius und Arcadius; n. 2* das
1 Der Umstand, dass die Synode zu Ravenna sich nicht einigen und in keinem zeitigen Ende kommen konnte, wird z. B. in n. 21, 23 und 24 hervorgehoben; von der Ueberweisung der Angelegenheit an ein zahl- reicher zu beschickendes Concil spricht das Edict n. 24; von dem an die beiden Prätendenten ergangenen Befehl, bis zur Entscheidung sich von Rom fernzuhalten, n. 31 § 1. Der Sendung des Achilleus wird in mehreren der folgenden Stücke Erwähnung gethan.
ATell*na-8tndien.
kaiserliche Edict, dass infolge jener Bittschrift dem Praefectus praetorio Cynegius zuging. Letzteres, selbst ohne Ueberschrift, ist mit der Eingabe der beiden Presbyter in der Avellana durch die Worte verbunden : Ad hos preces ita lex Augusta respondit.
Der zweite Fall betrifft die Verbindung von n. 1 und n. 2, über die ich etwas ausführlicher sein muss. n. 1 ist über- schrieben Quae gesta sunt inter Liberium et Felicem episcopos. In Wahrheit entspricht dieser Titel allerdings dem Inhalt dieser Gesta nur sehr wenig, denn wenn auch der Streit zwischen Liberias und Felix für sie den Ausgangspunkt abgiebt, so bildet doch ihren Hauptinhalt die Erzählung vom Schisma des Ursinus, das von seinen Anfängen an bis zum Ende des Jahres 367 mit allen Details dargelegt wird. Gegen Schluss des Stückes wird berichtet, wie Damasus nach der am 16. November 367 erfolgten zweiten Verbannung des Ursinus fortgefahren habe, gegen die Anhänger seines Gegners zu wüthen, und wie er bei S. Agnese unter ihnen ein förmliches Blutbad angerichtet. Diese Greuel- that, so heisst es weiter (§ 13), habe unter den italischen Bischöfen grossen Unwillen hervorgerufen, und als einige von ihnen auf Einladung des Damasus. * zu seiner Geburtstagsfeier nach Rom gekommen seien und er sie durch Geld und gute Worte habe bestimmen wollen, ein Verdammungsurtheil gegen Ursinus auszusprechen, da hätten sie geantwortet: ,Wir sind er- schienen, um einen Geburtstag zu feiern, nicht aber um jemand ungehört zu verdammen/ ita prava eins intentio caruit quo nitebatur effectu — ,bo blieb des Damasus böse Absicht ohne den gewünschten Erfolg'; mit diesen Worten schliesst die Geschichte ab. Es folgen dann noch die Worte: Exinde presbyteri diversis modis afflicti per exilia et peregrina loca dispersi sunt, ex quibu8 Marcellinus et Faustinus presbyteri de confessione verae fidei et ostentatione sacrae communionis et persecutione adver- santium veritati preces Valentiniano Theodosio et Arcadio prin- cipibus optulerunt ita. Hieran schliesst sich ohne Ueberschrift der Text von n. 2.
Die letzten von mir ausgeschriebenen Worte haben bis in die neueste Zeit hinein zu einem schweren Irrthum Ver- anlassung gegeben. Man hat auf Grund davon n. 1 als eine Vorrede betrachtet, die von den Presbytern Marcellinus und Faustinus ihrer Bittschrift bei deren Veröffentlichung ,wie eine
8 V. Abhsndtang: Günther.
Nachricht über die Persönlichkeit der Verfasser0 vorausge- schickt sei. Selten ist eine unglücklichere Hypothese aufgestellt und mit schwächeren Gründen gestützt worden. In der That haben beide Schriftstücke ebensowenig etwas mit einander zu thun wie die Ursinianer mit den Luciferianern. Die Gesta behandeln, wie schon gesagt, von dem Streit zwischen Liberius und Felix ausgehend , das Schisma des Ursinus bis zum Ende des Jahres 367, und zwar in einer Weise, dass die Zugehörig- keit des Verfassers zur Partei des Ursinus überall deutlich zu Tage tritt; die im Jahre 383 oder 384 verfasste Bittschrift der beiden luciferianischen Presbyter hat keinen anderen Zweck, als einmal über die Unbilden Beschwerde zu führen, welche die Verfasser besonders bei ihrem Aufenthalt in Palästina hatten erdulden müssen, sodann aber Lucifer selbst und seine Anhänger gegen die ihnen gemachten Vorwürfe der Häresie in Schutz zu nehmen und die Verwerflichkeit seiner Gegner in das richtige Licht zu rücken. Wie in n. 2 Ursinus mit keinem Worte ge- nannt wird, so enthält n. 1 nicht das Geringste über den Luciferianismus; Lucifer selbst wird darin überhaupt nur ein- mal (§1) erwähnt, und zwar ganz nebenbei unter der Zahl der Bischöfe, die im Verein mit Liberius sich weigerten, Athanasius zu verurtheilen , und daher von Constantius mit der Verbannung bestraft wurden. Der künstlich und ohne den geringsten Anhalt construirte Zusammenhang zwischen den Ursinianern, die, ,von halbnovatianischen Grundsätzen über die Sünde des Abfalles ausgehend, oder vielmehr diese auf die Häresie ausdehnend, eigentlich (!) Gesinnungsgenossen des über- eifrigen Bischofs Lucifer von Calaris waren',8 und eben diesem Bischof von Calaris besteht thatsächlich nicht. Die ganze Hypo- these von der Identität der Verfasser von n. 1 und 2, gegen die einst schon Tillemont, jedoch ohne gehört zu werden, auf- trat, ist denn neuerdings auch von Gustav Krüger mit einem kräftigen Stosse über den Haufen geworfen. Am Ende seiner in jeder Beziehung zutreffenden Darlegungen kommt Krüger s zu dem Resultat: ,Der Schlusspassas der Vorrede muss also
1 M. Rade, Damasus, Bischof von Rom (1882), S. 8.
* Jos. Langen, Geschichte der römischen Kirche I, 1881, S. 502.
8 Gnst. Krüger, Lucifer, Bischof von Calaris, 1886, S. 86 f.
Arellanft-Stndieo. 9
von einem Anderen herrühren, der die heftige Polemik des Damasus in der Bittschrift und in der Vorrede mit einander in Verbindung zu bringen suchte. Der Zusatz ex quibus etc. könnte an sich recht gut fehlen, zumal der Uebergang ein sehr abrupter ist; und die betreffende Inhaltsangabe, wie die Nennung der Namen der Verfasser, welche am Schluss des Libellus wiederkehren, deutet gewiss auf Absicht hin/
Allein man muss noch weiter gehen, als es Krüger gethan hat: nicht nur die Worte ex quibus Marcellinus et Faustinus presbyteri de confessione verae fidei et ostentatione sacrae com- munionis et persecutione adversantium veritati preces Valen- tiniano Tkeodosio et Arcadio prindpibus optulerunt ita9 sondern auch das, was vorhergeht: exinde presbyteri diversis modis affiicti per exilia et peregrina loca dispersi sunt, ist von n. 1 loszulösen. Denn es leuchtet ein, dass die ganze Erzählung von den Umtrieben des Damasus mit ita prava eius intentio caruit quo nitebatur effectu einen weit besseren Abschluss findet, als wenn noch die Worte hinzugefügt werden exinde presbyteri diversis modis affiicti per exilia et peregrina loca dispersi sunt, deren Zusammenhang mit dem Vorangehenden gar nicht ein- mal klar ist. Was hat das Vorgehen gegen die Presbyter zu thun mit dem vergeblichen Versuch des Damasus, einen Theil der italischen Bischöfe in seinem Streit mit Ursinus zu sich herüberzuziehen? Ferner, was sind das für Presbyter, die er in die Verbannung schickt? und warum tritt er nur gegen Presbyter auf, warum nicht gegen jene Bischöfe, die ihm eine so freimüthige Antwort gegeben, warum nicht gegen alle Cleriker, die etwa dem Ursinus noch anhängen mochten? Alle diese Fragen finden keine genügende Beantwortung, wenn wir die Worte exinde presbyteri . . dispersi sunt als zu n. 1 zugehörig betrachten. Ich habe also in meiner Ausgabe den ganzen Passus von exinde presbyteri bis optulerunt ita im Gegensatz zu allen früheren Herausgebern von n. 1 abgetrennt und dem zurückgegeben, dem er gehört: dem Redactor dieses Theiles, der n. 1 und n. 2 auf diese Weise, nicht eben glücklich, mit einander in Verbindung brachte. Was ihn hierzu bewog, ist that- sächlich nichts Anderes als der Umstand, dass dem Damasus sowohl in n. 1 wie in n. 2 übel mitgespielt wird; eine weitere gegenseitige Beziehung des Inhalts beider Stücke liegt nicht vor.
10 V. Abhandlung: Gttnther.
Dass der Verfasser jener Zwischenbemerkung die Namen des Marcellinus and Faustinus dem Schluss der Bittschrift selbst entnommen, hat schon Krüger gesehen: allein seine Benützung der Bittschrift selbst geht noch viel weiter. Die Schrift der beiden Presbyter liegt ausser der Avellanischen Sammlung noch in einer anderen Ueberlieferung vor; sie ist uns erhalten in den von Maassen als ^Sammlung der Handschrift von Corbie', ,Samm- lung der Handschrift von Albi' und ^Sammlung der Pithou'schen Handschrift' bezeichneten verwandten Collectionen,1 zu denen noch einige völlig anders geartete Miscellanhandschriften hinzu- treten. Die gemeinsame Tradition aller dieser Sammlungen, die ich in meiner Ausgabe mit <ß bezeichnet habe, und über die im Einzelnen ich im zweiten Theil dieser Abhandlung reden werde, giebt der Schrift den Titel De confessione verae fidei et osientatione sacrae communionis et persecutione adversantium veritati; dieselbe Tradition hat am Ende der Schrift die Worte Marcellinus presbyter obtuli (oder obtulit). Damit haben wir die Quellen jener Zwischenbemerkung aufgedeckt. Den ersten Satz exinde presbyteri diversis modis afflicti per exilia et peregrina loca dispersi sunt hat der Verfasser dem ganzen Inhalt der Bitt- schrift entnommen, wo von den Verfolgungen und Ausweisungen, unter denen die Anhänger des Lucifer zu leiden hatten, immer- fort die Rede ist. Dass er dabei nur von presbyteri spricht, ist jetzt klar: er will eben auf Marcellinus und Faustinus hinaus, und die waren Presbyter. Was den zweiten Satz angeht: ex quibus Marcellinus et Faustinus presbyteri de confessione verae fidei et ostentatione sacrae communionis et persecutione adver- santium veritati preces Valentiniano Theodosio et Arcadio prin- cipibus optuhrunt itay so hat der Verfasser sich die Namen der Presbyter aus den Subscriptionen2 geholt, ebendaher aber auch das Verbum offerre. Die Worte de confessione . . veritati sind der alten Ueberschrift des Werkes entlehnt,3 die Namen
1 Maassen, Gesch. der Quellen and Lit des kanon. Rechte, 8. 363 § 371.
* In der Avellana stehen beide Namen am Ende; in den Sammlangen, die für ans * repräsentiren, heute nur noch der des Marcellinus.
8 Das gleichmässige Vorkommen der Worte de confessione verae fidei . . . veritati im Schlusspassus von n. 1 und dem Titel der Recension *P von n. 2 hat bereits Meyer bemerkt (II, S. 32), allein irrthümlich angenommen, dass sie in n. 1 ursprünglich seien und von dort in jene Inscriptio der
AyeUana-Stndieii. 11
der Kaiser ans dem Anfangsparagraphen desselben. So geht alles ohne Rest auf.
Ich kehre jetzt dorthin zurück, von wo ich ausgegangen war. Eis hat sich ergeben, dass sowohl in der Serie n. 1 — 13 wie in der n. 14 — 37 einzelne Stücke dadurch untereinander in die engste Verbindung gebracht sind, dass irgend welche Worte dazwischen gesetzt wurden, die — mehr oder minder glücklich — den Zusammenhang klarstellen sollten. Die An- nahme, dass zwei verschiedene Personen zu verschiedenen Zeiten gleichmässig auf diese Idee verfallen und beider so gleichmässig geartete Sammlungen dann durch einen reinen Zufall in der Avellana nebeneinander gerathen sein sollten, verbietet sich von selbst. Vielmehr führt uns die Betrachtung, die wir angestellt haben, zu dem unabweislichen Resultat, dass in der Avellana n. 14 — 37 nicht von n. 1 — 13 zu trennen sind, sondern mit diesen zusammen eine Sammlung ausmachen: die erste grössere in sich geschlossene Theilsammlung, die später in die Avellana aufgenommen wurde.
Zu demselben Resultat kommen wir übrigens auch noch von einer anderen Seite durch eine Betrachtung, die uns zu-
Classe 4> übertragen wären. Dass das unmöglich ist, beweist meine ganze Darlegung, folgt aber auch schon aus dem gleichmässigen Vor- kommen von offerre im Schlusspassus von n. 1 und der Subscriptio von el 2 in der Becension 4». Denn dass das obtuli hier aus dem optulerunt dort herübergeholt sein sollte, ist ausgeschlossen. Die Subscriptio der Schrift lautete im Original so: ego Mareeüinus presbyter obtuli optans feUcissimo imperio vestro securam quietem et in regno Christi et dei per- petuam beatitudinem, piissimi impereUores, ego Faustimu, qui non possum dignus vocari presbyter dei, obtuli optans ut et hie multos annos clemen- lissimae divinüaUs auxilio feUciter imperetis et in futuro Christi filii dei regno perpetuam cum sancHs beatitudinem consequamini, gloriosissimi im- peratores. Davon hat <P heute nur noch die Worte Mareeüinus presbyter obtuli, alles Andere ist weggefallen; die Avellana hat die Subscriptio ganz, mit Ausnahme des obtuli an beiden Stellen. Der Verfasser der Zwischenbemerkung Hess bei n. 2 eben nach Kräften alles fort, was er davon schon in jene Bemerkung hineingearbeitet hatte, so die Ueberschrift, so das obtuli in den Subscriptionen. Dass die Ueberschrift De eonfessione verae fidei et ostentaUone saerae eommunionis et perseeuHone adversante (oder mit der Zwischenbemerkung adversantium) veritati dem Schriftchen von den beiden Presbytern selbst beigelegt ist, scheint mir durchaus wahrschein- lich, und man wird gut thun, es in der Literaturgeschichte künftig so zu be- nennen. Die übliche Bezeichnung als JUbeüus precumf ist ohne jede Autorität.
12 ▼• Abhandlung: Günther.
gleich auf die Quelle führt, der diese erste Theileammlung der Avellana die überwiegende Mehrzahl ihrer Stücke entnommen hat. Wenn wir nämlich vor Allem die Schriftstücke n. 14 — 37 betrachten, die, von den verschiedensten Orten aus an die ver- schiedensten Personen Italiens und Afrikas gerichtet, uns von dem Schisma des Eulalius ein Bild geben, so genau, wie wir es nur immer wünschen können, so müssen wir es von vorne- herein als höchst unwahrscheinlich bezeichnen, dass jemand dies Material durch wirkliches Sammeln zusammengebracht habe, d. h. indem er ein Stück hieher, ein zweites dorther und wieder andere anderswoher nahm. Viel natürlicher würde es sein, wenn eine mehr oder minder officielle Quelle dem Redactor der Theilsammlung dies Material in seiner ganzen Vollständigkeit an die Hand gegeben hätte. Und dies lässt sich in der That nachweisen: es stellen sich uns nicht nur n. 14 — 37, sondern die ganze Reihe n. 3 — 37 (von 1. 2 und 2a sehe ich einstweilen ab) ihrer Provenienz nach als eine ein- heitliche Masse dar.
Von den Stücken der ersten Gruppe sind n. 3 und 5 — 1 1 an Stadtpräfecten, n. 12. 13 und ebenso wohl auch n. 41 an Stadtvicare gerichtet. Von der zweiten Gruppe 14 — 37 sind die n. 15. 18. 21. 30. 31. 33 ebenfalls Schreiben an einen Stadtpräfecten, die n. 14. 16. 19. 29. 32. 34 dagegen Schreiben eines Stadtpräfecten selbst. Nehmen wir nun noch den Um- stand hinzu, dass das Schreiben des Honorius an den Stadt- präfecten Symmachus n. 33 am Schlüsse das Einlaufsdatum (Accepta VI. Id. April.) trägt, das ihm doch nur auf der Stadt- präfectur selbst gegeben werden konnte, so werden wir sicher nicht fehlgehen, wenn wir als Quelle fUr die ganze Masse n. 3 — 37 eine bestimmte Art von Regesta, d. h. Copialbüchern, eben dieser Behörde ansehen. Dass die verschiedensten Be- hörden der damaligen Zeit eigene derartige Regesta führten, ist hinlänglich bekannt;2 dass der erste der stadtrömischen
1 Der Brief, an Pinianus gerichtet, gehört offenbar nicht in das Jahr 386/7, wo Pinianus praefectus urbi war, sondern in das Jahr 385. Dass Pinianus damals yicarios urbis war, hat schon Meyer (II, S. 11) vermuthet; es ist in der That äusserst wahrscheinlich.
9 H. Bresslau verweist in seinem grundlegenden Aufsatz über die Common- tarii der römischen Kaiser und die Registerbücher der Papste (Zeit-
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Beamten besonders in seiner Eigenschaft als oberste Polizei- behörde der Stadt ihrer im Verkehr mit dem Herrscher dm meisten bedurfte, liegt auf der Hand. Die Thätigkeit des vicarius nrbis geht bekanntlich mit der des Stadtpräfecten in dieser Zeit vielfach Hand in Hand, and wie sie häufig zu- sammenwirken und ein gemeinschaftliches Gerichtslocal be- sitzen/ so kann es nicht Wunder nehmen, wenn sich in den Regesta des Stadtpräfecten auch Abschriften von Stücken fanden, die an den vicarius urbis erlassen waren. Wenn aber in der Reihe jener Schriftstücke, um die es sich hier handelt, sich einige vorfinden, die weder von Stadtpräfecten verfasst, noch an solche oder vicarii urbis gerichtet sind (n. 17. 20. 22 — 28. 35 — 37), so liegt doch auch hier auf der Hand, wie Miese in die Regesta jener Behörde gelangt sind. Wenn bei- spielsweise Kaiser Honorius in n. 18 dem Stadtpräfecten Svm- machus eine neue Anweisung gibt, zu der ihn die Bittschrift einer Reihe von Presbytern veranlasst hat, so ist es eigentlich selbstverständlich, dass er sich nicht mit der Uebersendung dieser Anweisung begnügt, sondern seinem Vertreter in Rom auch die Bittschrift selbst (n. 17) in Abschrift mitgetheilt haben wird; oder wenn er ihm in n. 21 Mittheilung macht von der Delegirung des Bischofs Achilleus von Spoleto nach Rom, so wird er ihm auch die Schriftstücke n. 22. 23 und 24 haben zugehen lassen, von denen n. 22 an Achilleus selbst gerichtet ist, n. 23 und 24 aber